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Integration und Bildung im ländlich geprägten Ilm-Kreis

Es ist entscheidend für Menschen, die neu nach Deutschland kommen, an welchem Ort sie ihren Anfang in der Gesellschaft machen. Es wird in dieser Hinsicht in Thüringen unter anderem immer wieder von dem Wunsch gesprochen, Fachkräfte neu zu gewinnen und zu halten. Doch wie sieht die Realität aus, beispielsweise im ländlich geprägten Ilm-Kreis? Wie reagierte diese Kommune auf den Zuzug von zum Beispiel Geflüchteten?

06.09.2017 - Katja Nonn - Landesausschuss Diversity

  • Integration ist überwiegend kommunale Aufgabe

Seit 2015 werden die Kommunen vor große Herausforderungen gestellt, was die Integration von Geflüchteten anging. Zum besseren Verständnis: Es sind die Kommunen, die bei der Bewältigung der Aufgaben rund um das Thema Integration den Hauptanteil der Aufgaben übernehmen. Hier gibt es lokal zum Teil große Unterschiede. So ist es zum Beispiel entscheidend für die soziokulturelle Integration, ob ein Mensch in einem städtischen Umfeld oder in einem ländlich geprägten Raum lebt. Der Ilm-Kreis, welcher in diesem Bericht beleuchtet werden soll, ist so ein ländlich geprägter Raum. Hier gibt es seit Anfang 2017 zusätzlich zum Bildungskoordinator eine Integrationsmanagerin. Doch wie genau funktionieren diese beiden Arbeitsbereiche? Ich habe mir für den Ilm-Kreis die Arbeit der Integrationsmanagerin, Daniela Mückenheim, genauer angesehen.

  • Wie sieht die Arbeitsgrundlage der Integrationsmanager*innen aus?

Die Integrationsmanager*innen in Thüringen sind Teil eines ESF – Projektes, der „Armutspräventionsrichtlinie“. Sie werden zu 80% aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und zu 20% aus Mitteln des Landes Thüringen gefördert. Da Menschen mit Migrationshintergrund (vor allem Geflüchtete) besonders von Armut betroffen sind, wurden die notwendigen Maßnahmen in die Wege geleitet. Für Thüringen bedeutet das: Es gibt 15 Integrationsmanager*innen, die bei der jeweiligen Kommune oder dem Landkreis angesiedelt sind. Die Besonderheit ist hier: Die Arbeit richtet sich nach den lokalen Umständen und ist teilweise sehr verschieden. Im Ilm-Kreis heißt das: Es gibt einen Bildungskoordinator, der sowohl Geflüchtete als auch generell Menschen mit Migrationshintergrund unterstützt. Er ist dafür zuständig, Bildung und Bildungsstrukturen zu organisieren, den Spracherwerb zu koordinieren und im Austausch mit dem lokalen Arbeitsmarkt Menschen beispielsweise in Praktika oder Ausbildungen zu bringen.

  • Was sind die Aufgaben der Integrationsmanagerin im Ilm-Kreis?

Die Aufgaben der Integrationsmanagerin sind im soziokulturellen Bereich angesiedelt. Das bedeutet, sie haben die Schwerpunkte, das Zusammenleben zu fördern und lokale Strukturen zu vernetzen und fit zu machen für interkulturelle Herausforderungen. Dabei kann man die Arbeit grob in 6 Bereiche unterteilen:

  1. Bestandsaufnahme lokaler Integrationsstrukturen: Das heißt, zu erfassen, wer für welche Aufgabe zuständig ist. Hier ist das Ziel ein Integrationswegweiser, der alle Menschen informieren soll – sowohl Geflüchtete / Migrant*innen als auch deren Unterstützer*innen. Dabei ist die Integrationsmanagerin die Schnittstelle für alle Beteiligten: Ämternetzwerk, Ehrenamtliche, Sportvereine, etc.
  2. Aufbau und Intensivierung verbindlicher lokaler Integrationsstrukturen: Dieser Punkt bedeutet, gemeinsam Lösungen zu finden für lokale Probleme. Zum Beispiel werden Ideen zu Projektanträgen ausformuliert oder Fördermöglichkeiten gefunden. Dabei ist die Position der Integrationsmanagerin die einer Vermittlerin zwischenallen Gruppen und nicht die einer Interessenvertretung kommunaler Strukturen.
  3. Entwurf eines Integrationskonzeptes für den Landkreis: Die Strukturen, die bereits entstanden sind, sollen eine Festschreibung in einem verbindlichen Konzept finden, welches durch den Kreistag beschlossen werden soll. Dabei ist eine breite Beteiligung geplant, auch durch Migrant*innen / Geflüchtete. Das Konzept soll dabei alle Menschen mit Migrationshintergrund integrieren. Das Konzept ist nach Beschluss die Arbeitsgrundlage für den Landkreis.
  4. Die Öffentlichkeitsarbeit: Diese Arbeit ist notwendig, damit die Menschen im Ilm-Kreis auch von den Möglichkeiten erfahren, die es gibt. Unterstützer*innen können erfahren, wo sie sich engagieren können. Und Geflüchtete / Migrant*innen können sich Unterstützung suchen oder selbst Hilfe anbieten. Zudem werden damit auch die Vernetzung und der Austausch der Akteur*innen gestärkt.
  5. Die Ehrenamtskoordination: Mit Stammtischen für Ehrenamtliche und Schulungen, die direkt auf deren Bedürfnisse ausgerichtet sind, soll die Arbeit der Ehrenamtlichen gestärkt werden. Zudem stärkt dieser Austausch auch die Zusammenarbeit im Landkreis zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen.
  6. Vernetzung: Hier sind vor allem die ländlichen Netzwerktreffen hervorzuheben. Sie bringen alle Akteur*innen an einen Tisch und fördern so den Wissenstransfer und Austausch. Migrant*innen können hier sagen, was sie brauchen. Ämtervertretungen können über Möglichkeiten informieren und Ehrenamtliche werden für die interkulturelle Arbeit sensibilisiert. Die gegenseitige Wertschätzung soll über die intensive Vernetzung gefördert werden.
  • Lokale Zusammenarbeit stärkt die gegenseitige Akzeptanz

Der lokale Ansatz ist das Besondere bei der Funktion der Integrationsmanagerin. Für den Ilm-Kreis lässt sich damit sagen, daß auf die besonderen Herausforderungen einer ländlichen Region eingegangen wird. Das ist deshalb notwendig, da sich die Regionen in Thüringen, wie eingangs beschrieben, zum Teil stark unterscheiden.

Generell ist es schwieriger, Zusammenarbeit, Integration und gegenseitige Akzeptanz im ländlichen Raum zu gestalten. Größere räumliche Entfernungen sind eines der Probleme. Eine Infrastruktur, die es erschwert, Zugang zu notwendigen Informationen oder zu Unterstützung zu bekommen, ist ein weiteres Problem. Wenn zum Beispiel Menschen ohne Führerschein Ämtergänge erledigen müssen, stehen sie vor anderen Problemen als in einem städtischen Umfeld. Die Arbeit der Integrationsmanagerin und des Bildungskoordinators setzen an diesen Problemen an. Durch deren Arbeit sollen die erschwerten Anfangsbedingungen ausgeglichen und Integration ermöglicht werden.

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