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Innenministerium verbietet Vertrieb von Unterrichtsbuch über Wirtschaft

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wollte mit einem neuen Unterrichtsbuch Lehrkräfte dabei unterstützen, wirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln. Das Bundesinnenministerium (BMI) wies die bpb an, das Buch nicht weiter zu vertreiben. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) störte sich an einigen Passagen des Buches und hatte dies bpb und BMI per Brief mitgeteilt.

28.10.2015

Unter dem Titel „Ökonomie und Gesellschaft“ hatte die bpb im Februar 2015 das neue Unterrichtsbuch mit Praxisbeispielen über das Wechselverhältnis von Ökonomie und Gesellschaft herausgegeben. Es sollte den Lehrerinnen und Lehrern an den Schulen ermöglichen, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge einfacher zu vermitteln. Entstanden ist es unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Bettina Zurstrassen (Universität Bielefeld). Neben renommierten Politik- und WirtschaftsdidaktikerInnen arbeitete Zurstrassen unter anderem mit dem Projekt Böckler Schule der Hans-Böckler-Stiftung zusammen.

Der BDA missfiel das neue Unterrichtsbuch allerdings. Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA, kritisierte das Werk in seinem Schreiben an die bpb, das in Kopie auch an das BMI ging, scharf.

Wie Spiegel Online am Montag, 26.10.2015, berichtete, kommt laut Clever in dem Buch das freie Unternehmertum zu schlecht weg. Der BDA-Geschäftsführer kritisierte es als „einseitige Propaganda gegen die Wirtschaft“. Nun hat sich auch die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme kritisiert die DGS den Vorstoß der BDA. Die Vorwürfe seien nicht haltbar, so die DGS.

Die DGS teilte außerdem mit, dass auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundeszentrale, der inzwischen eingesetzt wurde, um die Vorwürfe des BDA-Geschäftsführers zu überprüfen, zu diesem Schluss komme. Nach Darstellung des Beirats seien die von Clever kritisierten Textpassagen falsch oder nur teilweise zitiert und aus dem Kontext gerissen worden, erläutert die DGS.

Gemeinsam mit dem DGB und weiteren Einzelgewerkschaften verurteilt auch die GEW die Einstellung des Bandes „Ökonomie und Gesellschaft“. Der Band liefere vielfältige Beiträge zur Wirtschaftsdidaktik. Das Unterrichtsbuch werde dabei dem Anspruch gerecht, wirtschaftliche Zusammenhänge nicht nur aus ökonomischer, sondern auch aus gesellschaftlicher Sicht zu analysieren und diese in Lehr- und Lernmaterialien anschaulich zu machen. 

Der gemeinnützige Verein Lobby Control, der über Lobbyismus und Machtstrukturen in Deutschland und der EU aufklärt, sammelt derweil Spenden für Aktionen gegen Lobbyismus an Schulen.

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