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Inklusion um jeden Preis? Kritische Anmerkungen aus Ostthüringen.

Als Rüdiger Schütz zur letzten Landesvertreterversammlung den Delegierten darstellte, mit welchem Desinteresse der Inklussionsbeschluss im Deutschen Bundestag eingebracht und dort von einem Rumpfparlament in den Nachtstunden durchgewunken wurde, war schon klar – hier läuft etwas schief!

14.04.2016 - Die Kreisverbände Altenburger Land, Gera und Saale-Orla-Kreis

Thüringen ist ein trauriges Beispiel dafür, wie durch wenige privilegierte Personen die Inklusion bedingungslos in der Bildungslandschaft platziert wird. Hintergrund war der hohe Anteil von Förderschulkindern, der an das wesentlich niedrigere Westniveau angeglichen werden sollte, ohne zu hinterfragen, worin die Ursachen der hohen Anzahl an Förderschulkindern liegen.

Inklusion ist in der Wissenschaft immer noch sehr umstritten und es gibt mindestens genauso viele Gegner wie Befürworter. Die vermeintliche Integration kann vor Ort gar nicht wirklich stattfinden, da die Schüler durch die Einzelbetreuung (und das ist so!) in der Klasse schon wieder isoliert sind. Gut funktionierende Förderzentren mit gut ausgebildeten Förderschullehrer*innen werden zu rudimentären Institutionen umfunktioniert.

Für jedes Kind die richtige Schule!

Inklusion heißt doch auch, und so sollte man die Behindertenrechtskonvention auslegen dürfen, dass behinderte Menschen nicht von Bildung ausgeschlossen werden, sondern dass für sie die bestmöglichen Bedingungen geschaffen werden. Nicht eine Schule für alle, sondern für jedes Kind die richtige Schule, d. h., dass gerade Kinder mit geistiger Beeinträchtigung „ihre“ Schule brauchen. Allein schon wegen der Ganztagsbetreuung mit ihren hohen praktischen Anteilen und den erweiterten Entspannungsphasen. Problematisch sind dabei nicht die Kinder mit Körperbehinderungen (die gehören inklusiv in die allgemeinbildenden Schulen), sondern Schüler*innen mit Lernbehinderungen, für die nicht nur zusätzlich Förderpläne erstellt werden müssen, sondern deren Betreuung bzw. Bildung über den ganzen Tag in die Hand einer/s Förderschullehrer*in gehört. Unter Berücksichtigung, dass auch alle anderen Schüler*innen ein Anspruch auf leistungsgerechte Bildung zusteht und dass auch hochbegabte Schüler*innen Anspruch auf Inklusion haben,gehört das Kind mit Lernbehinderung an die Förderschule. Dies istkeine Ausgrenzung, sondern eine menschenwürdige Ausbildung.

Es ist mehr als fraglich, ob die Schüler*innen, welche am Förderzentrum in einer kleinen Lerngruppe täglich über viele Stunden von erfahrenen gut ausgebildeten Förderschullehrer*innen betreut werden, nun in einer allgemeinbildenden Schule besser aufgehoben sind, in welcher sich die Betreuung durch die Förderschulpädagog*innen nahezu auf Ausnahmen beschränkt. Förderschullehrer*innen werden staatlich verordnet zu Einzel- und Kleingruppenbetreuer*innen rekrutiert. Dafür haben sie nicht ihr qualitativ hochwertiges Studium absolviert. Auch wenn sie sich im GU einbringen, bleibt jegliche Verantwortung für das Kind bei dem/der Klassenlehrer*in. Die/Der Förderschullehrer*in hat kaum eine Chance,sich allumfassend für das Kind einzubringen.

Schließung von Förderschulen- Leistungsknick in den staatlichen Schulen?

Die Gefahr der Schließung von Förderschulen ist nicht von der Hand zuweisen und wird automatisch zur Absenkung des Leistungsniveaus in den staatlichen Schulen führen. Eine Folge ist schon spürbar – die freien privaten Schulen erhalten deutlich mehr Zulauf als vor der Umsetzung der Inklusion. Das staatliche Hauptinteresse, das sich dahinter verbirgt,ist doch die Absenkung der Bildungsausgaben und nicht die Förderung von Behinderten!

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