GEW Thüringen
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Informationen der GEW Thüringen zur Berufsschulnetzplanung

Der nun in den Regionalkonferenzen abschließend beratene Entwurf der zukünftigen Schulnetzplanung der Berufsschulen ist den Gewerkschaften und Verbänden, sowie den Schulträgern und Kammern zur Bewertung und Stellungnahme vorgelegt worden.

27.11.2015 - Dieter Gebhardt

Sicher hat man sich im Allgemeinen bemüht, auch in der Fläche und in der regionalen Umsetzung ausgewogen vorzugehen. Aber diese regionale Ausgewogenheit wird durch die Bevorzugung der Region „Thüringer Städtekette“ (Gotha, Erfurt, Jena, Gera) nicht aufrechterhalten. Eine Besserstellung dieser Landesteile ist nach wie vor zu beobachten. Die wenigsten Veränderungen erfolgen zukünftig genau in diesem Bereich.

Bedauerlicherweise wurden in den Regionalkonferenzen keine Protokolle geführt, so dass die Ergebnisse im jetzigen Entwurf nicht berücksichtigt werden konnten. So wurden einzelne Anregungen bzw. Kompromisslösungen zum Erhalt bestimmter Berufe in der Fläche nicht berücksichtigt. Beispiele dazu können bei Anfrage geliefert werden.

Im Entwurf werden für bestimmte Standorte Optionen geführt, deren gegenteilige Anwendung aber keine Entsprechung findet. Ausgewählte Beispiele seien folgende: Zuordnung der Einzugsbereiche von Meiningen und Gotha zu 20 Weimar aufgrund zu geringer Schülerzahl oder Graveure LüFK streichen wegen zu geringer Schülerzahlen, dabei verkennt man aber, dass diese Klasse eine wichtige traditionelle Ausbildung für Thüringen beinhaltet und im allgemeinen Unterricht mit den artverwandten Berufen unterrichtet wird.

Von den über 300 Ausbildungsberufen wurden nach und nach immer mehr abgebaut, so dass diese in bestimmten Regionen nicht mehr ausgebildet werden. Das betrifft ca. 10% der Berufe. Ein Gegensteuern wäre möglich, wenn man die Anzahl der Schüler für die Grundstufe im ländlichen Raum in den dualen Ausbildungsgängen auf 8 verringerte und die für Vollzeitausbildung auf 12. In den nächsten Jahren ist mit einem Anstieg der Schülerzahlen durch Migration zu rechnen. Im Berufsschulnetz ist eine Berücksichtigung derzeit nicht zu erkennen. Für eine gelungene Integration in unsere Gesellschaft wird das Erlernen von z.B. handwerklichen oder pflegerischen Berufen eine große Rolle spielen. Eine Stärkung des flächendeckenden Angebotes dieser Berufsausbildungen kann gegenwärtig nicht festgestellt werden.

Diese Empfehlung, die berufliche Grundbildung im Wege der Zusammenführung von miteinander verwandten Ausbildungsberufen zu stärken, wird in der Planung des Ministeriums nicht thüringenweit umgesetzt. In den zurückliegenden Jahren hat vielmehr eine gegenläufige Entwicklung an der Städtekette stattgefunden, was zur Folge hatte, dass sich das Problem, tragfähige Fachklassen an den Berufsbildenden Schulen zu bilden, weiter verschärft hat, insbesondere zu Lasten des ländlichen Raumes. Die gemeinsame berufsfeldübergreifende Beschulung in der Grundstufe und der Fachstufe 1 erfolgt überwiegend im Schulamtsbereich Mitte. Diese Möglichkeit muss stärker flächendeckend angewendet werden. Dazu ist die Einführung eines kostenfreien Azubitickets unbedingt erforderlich (s. Mecklenburg Vorpommern vom 01.09.2015).

Die Angebote der freien Träger betrachten wir als starke Konkurrenz zum Erhalt kleinerer Standorte staatlicher Schulen. Deutlich wird dieses Missverhältnis an den statistischen Zahlen zur Klassenbildung, dem Lehrer- Schülerverhältnis und der Anzahl dieser Schulen:

  • L/S freie Träger 1:4 und L/S staatliche Schulen 1:14,
  • 62 freie Träger zu 42 staatlichen Schulen mit der ca. 8 fachen Anzahl an Schülern

Dabei ist zu bedenken, dass Schüler freier Träger zum Teil ihre theoretische Ausbildung an den staatlichen Schulen erhalten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass nicht konsequent genug in allen Landesteilen die Forderung flächendeckender Erhalt von Standorten und wohnortnahe Beschulung umgesetzt werden sollen. Die Bevorzugung der Regionen an der Bundesautobahn A 4 zum Nachteil des ländlichen Raumes wurde nicht im erforderlichen Maße abgestellt. Bei der Umsetzung dieses Entwurfes sind natürlich auch das Personal, dessen fachspezifische Ausbildung und deren Einsatzmöglichkeiten zu berücksichtigen. Es fehlt also ein zukunftsfähiges Personalentwicklungskonzept für staatlichen Berufsbildenden Schulen.

Die von der GEW Thüringen initiierte Veranstaltung zum Entwurf vom 19.11.2015 wurde von den Staatlichen berufsbildenden Schulen sehr gut angenommen. Dabei stellten deren Vertreter*innen fest, dass insbesondere ihre Schulen stark geschröpft werden. Hier einige Beispiele:

  • SBBS Apolda: Sitzen auf gepackten Koffern, weil es einen Kreistagsbeschluss gibt, der die Auflösung vorsieht, man aber das Personal in die zukünftige Planung nicht einbezieht.
  • SBBS Sömmerda: Hier werden traditionell die Fliesenleger, besonders die Kachelofenbauer und Luftheizungsbauer ausgebildet. Diese sollen demnächst in Gera angesiedelt werden, obwohl das Fachpersonal seinen Sitz in Sömmerda hat und hier auch das Koordinationszentrum für diese Berufe ist. Die Zusammenlegung mit anderen Berufen wäre auch in Sömmerda möglich.
  • SBBS Stoy Schule Jena: Die geplante Auflösung der Landesfachklasse Außenhandel im Ausbildungsberuf Kaufmann für Groß- und Außenhandel erscheint uns zum einen unbürokratisch und zum anderem dem Ziel einer erfolgreichen Ausbildung von Außenhandelskaufleuten nicht förderlich, da aus unserer Sicht die Qualität der Ausbildung massiv leiden würde.

Im Zusammenhang mit der Berufsschulnetzplanung ist auch der angedachte Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Thüringer Schulgesetztes zu sehen. Hier soll das Ministerium die Richtlinien zur Klassenbildung und Frequenzen u.v.a. sowie die endgültige Standortfrage einer Schule entscheiden, wenn der Schulträger nicht in einer angemessenen Frist selbst entscheidet.

Wir bedanken uns bei den Vertretern der Schulen für die sehr gute Zusammenarbeit und würden uns freuen, gerade aus der Basis heraus zukünftig gemeinsam an der Veränderungen in unserem Bereich positiv Einfluss zu nehmen.

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