GEW Thüringen
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Ich bin dann mal weg.

Zum Abschied des Kreisvorsitzenden Peter Schindler

15.04.2016 - Peter Schindler

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am 14. April wird der Kreisvorstand der GEW Altenburger Land neu gewählt, nichts Besonderes, aber nach 26 Jahren als Vorsitzender werde ich für diese Position nicht mehr kandidieren. Ich sage Tschüss und danke für zweieinhalb Jahrzehnte Vertrauen. 26 Jahre als ehrenamtlicher Funktionär in der GEW sind eine Generation geleistete Freizeit für unsere Kolleginnen und Kollegen, sind vieleWochentage und Wochenenden für die Interessen unserer Mitglieder. Ich gehe nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Rückblick auf die Anfänge

Es sei erlaubt, etwas auf die Anfänge zurückzuschauen. Maßgeblich an der Auflösung der alten FDGB-Lehrergewerkschaft beteiligt und dann in die Pflicht genommen, habe ich mich der Aufgabe gestellt, die neue Gewerkschaft, die GEW, in Altenburg zu installieren. Dies ging allerdings nur mit vielen, bis heute treuen Mitstreitern und natürlich mit den vielen engagierten Mitgliedern. Das revolutionäre Aufbegehren der Anfangsjahre hatte schon etwas. Wenn ich daran denke, dass der Erhalt der Grundschulhorte damals eine Altenburger Initiative war, dann freut es mich insbesondere, dass es wieder gelungen ist, den Hort komplett an die Grundschulen zurückzuholen.

Wünsche für die GEW

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass meine GEWerkschaft sich nicht mehr so verzettelt und sich in oftmals nicht gewerkschaftlichen Angelegenheiten (Sexualität, Gender, Flüchtlinge etc.) einbringt. Dies entspricht nicht dem, weshalb die Mehrheit unserer Kolleginnen und Kollegen Mitglieder der GEWerkschaft sind. Ein altes Sprichwortsagt: „Schuster bleib bei deinen Leisten“ – und genau diese sind Tarifabschlüsse, Eingruppierungen, Höhergruppierungen/Beförderungen, Arbeitsbedingungen – Dinge, die unsere Mitglieder tatsächlich interessieren und bewegen – und nicht mehr!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn es darum ging, genau für diese Dinge engagiert zu sein, zählte der Altenburger Kreisverband zu den aktivsten. Dafür möchte ich allen noch einmal meinen persönlichen Dank aussprechen. Wir haben es stets geschafft, an den Brennpunkten des Geschehens präsent zu sein. Ob Berlin, Greifswald, Bonn, Erfurt, Jena oder Gera – die Altenburger Front war immer vor Ort. Genau das zeichnet eine Mitmach-Gewerkschaft aus. Ich hoffe und wünsche, dass dies weiter so sein wird, auch wenn ich nicht mehr an der Spitze des Kreisverbandes stehen werde. Nach 26 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit für die GEW ist es Zeit für Veränderungen, Platz zu machen für Jüngere, die sich den neuen Bedingungen stellen. (Mit Richard Schaefer Reifen anbrennen zu wollen, um ein Final zu setzen, ist heute nicht mehr denkbar, aber es war eine geile Zeit.)

Zeit für Veränderungen

Jetzt ist Zeit für Veränderung – in vielerlei Hinsicht. Ich möchte nicht mehr die vielen neuen Modelle und Ideen umsetzen müssen, weil ich nicht dahinterstehe. Und nichts ist schlimmer als etwas zu tun, von dem man nicht überzeugt ist, denn:

  1. Ich bin noch ein althergebrachter Lehrer und verteufle nicht den Frontalunterricht, mit dem und durch den ich die Grundsteine für den Lehrerberuf gelegt bekommen habe. Ich bin der festen Überzeugung, dass freie Unterrichtsmethoden gut, schön und richtig sind, aber auch der frontale Unterricht seine guten Seiten hat, auch wenn dies heute nicht mehr gern gehört wird.
  2. Ich finde es schade, dass die GEW sich in letzter Zeit zunehmend instrumentalisieren lässt und sich nahezu bedingungslos an der Umsetzung der Inklusion beteiligt (außer dass man seit Jahren das Schaffen von Bedingungen fordert, die es gar nicht geben kann). Inklusion in seiner doch umstrittenen Form wird ministeriell verordnet auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Thüringen ist da bundesweit ein trauriges Beispiel. Einst wird man über die mitleidig lächeln, die diesem Irrsinn bedenkenlos gefolgt sind und versucht haben, diesen pädagogischen Fehler in Obrigkeitshörigkeit und wegen vermeintlicher sozialer Gerechtigkeit umzusetzen.
  3. Den einseitig ausgerichteten Blick der GEW auf die Flüchtlingsproblematik finde ich sehr bedenklich. Für kritische Bemerkungen, die nicht gewollt sind, wird man sofort in die rechte Ecke gestellt. Wo bleibt die Meinungsfreiheit? Das Merkelsche „Wir schaffen das“wird kritiklos und ohne nachzudenken hingenommen. Nein, wir schaffen es eben nicht. Wir werden in den politischen und wirtschaftlichen Ruin getrieben und auch die vielen, vor allem ideologischen, Unterschiede werden nicht beherrschbar sein und zu schwierigen Konflikten führen.

Was wünsche ich mir?

Ich wünsche mir, dass die GEW wieder zu einer Gewerkschaft im ursprünglichen Sinn zurückfindet, sich nicht als Spielball von politischen Organisationen oder Parteien instrumentalisieren lässt, dass sie nicht die Aufgaben der Ministerien löst und dass sie auch wieder Andersdenkenden zuhört und deren Meinung zulässt.

In diesem Sinne

Euer

Peter Schindler

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