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Holocaust-Gedenkveranstaltung

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter der GEW und des VBE (Deutschland), der Histadrut Hamorim (Israel), der NSZZ Solidarność und der ZNP (Polen) gedachten am internationalen Gedenktag, dem 27. Januar 2012, zum dritten Mal gemeinsam der Opfer des Holocaust und deren Befreiung.

03.02.2012 - Constanze Beierlein

Foto: Constanze Beierlein, Mapola Kaszulanis

Am Holocaust Denkmal auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau legten sie im Rahmen der offiziellen Zeremonie Kränze mit dem Spruch „Never again“ nieder. Am anschließenden internationalen Seminar der Gewerkschaften nahmen zum ersten Mal auch viele junge Kolleginnen und Kollegen aus Israel, Deutschland und Polen teil. Im Mittelpunkt des Seminars, das mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt wurde, stand die Frage, wie die Erinnerung an den Holocaust auch zukünftig wach gehalten werden kann. Słavomir Broniarz, Vorsitzender der ZNP, hob die Verantwortung sowohl von Pädagogen als auch von Gewerkschaftern hervor, das Wissen über die Geschichte des Holocaust zu bewahren und weiterzugeben.

Aus Sicht der versammelten Gewerkschafter kommt dabei den Berichten der Überlebenden des Holocaust eine wichtige Rolle zu. „Niemand kann sich Millionen Ermordeter vorstellen; ein einzelnes Leben lässt sich aber nachvollziehen“, hob der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne hervor. Jedoch würden immer weniger Überlebende in der Zukunft ihre persönliche Geschichte selbst erzählen und weitergeben können. Vor diesem Hintergrund müsse man sich gemeinsam mit den jungen Menschen, die viele Jahre nach dem Holocaust geboren wurden, um die „Förderung und Wahrung eines würdigen Gedenkens bemühen“.

Wie wichtig die politische Bildung in diesem Zusammenhang sei, so Ulrich Thöne, zeige eine aktuelle Umfrage unter jungen Deutschen im Alter von 18 bis 30 Jahren: Jeder fünfte Befragte weiß demnach nicht, dass der Begriff Auschwitz für das größte nationalsozialistische Vernichtungslager steht.
Andrzej Kacorzyk, Direktor des auf Initiative ehemaliger Häftlinge gegründeten internationalen Bildungszentrums zu Auschwitz und dem Holocaust, betonte die besondere Bedeutung von Auschwitz: Der Ort sei ein authentisches Zeugnis, an dem Schüler und Studierende gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern
Geschichte mit eigenen Augen betrachten können. „Auschwitz ist überall. Die Schicksale vieler Menschen sind in die Geschichte von Auschwitz verwickelt“, so Kacorzyk.

Thema Holocaust in der Bildung
Wie das Thema Holocaust in den Bildungseinrichtungen der jeweiligen Länder aufgegriffen wird, traf insbesondere das Interesse der jüngeren Kollegen. Der Austausch untereinander verdeutlichte die Unterschiede zwischen den drei Ländern: In welchem Alter setzen sich Kinder und Jugendliche erstmals mit dem Thema auseinander? In welchen Schulfächern? Und welche Stellung hat das Thema im Rahmen des Lehrplans?

Avraham Rocheli von der israelischen Lehrergewerkschaft wies darauf hin, dass das Thema Holocaust und Erinnerung an die Shoa ein integraler Bestandteil des Curriculums in Israel ist. Am israelischen Gedenktag am 19. April setzen sich Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Altersstufen mit dem Schicksal der ermordeten Juden, den Wurzeln des Antisemitismus sowie dem Heldentum in Zeiten der Inhumanität auseinander, wie die israelische Grundschullehrerin Ravit Levi berichtete.

Demgegenüber beklagte Monika Konczyk von der polnischen Solidarność, dass das Thema Holocaust in Polen nahezu aus dem Lehrplan für das Fach Geschichte verschwunden sei. Lediglich in der Oberstufe würde Schülerinnen und Schüler etwas über den Holocaust vermittelt. Gewachsen sei jedoch die Beteiligung an Projektwochen oder Exkursionen zum Thema.

Für die Zukunft wünschten sich die jüngeren Kollegen einen stärkeren Austausch darüber, wie Pädagoginnen und Pädagogen einen Beitrag zur Forderung „Never again“ leisten können. Im Rahmen einer Ideenwerkstatt wollen sie die verschiedenen Sichtweisen auf das Thema miteinander diskutieren und voneinander lernen. Die besondere Verantwortung von Pädagoginnen und Pädagogen in allen Ländern fasste eine junge israelische Kollegin abschließend mit den Worten zusammen, dass „diejenigen, die später über Frieden und Krieg entscheiden werden, heute unsere Schüler sind“.

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