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Bildung für nachhaltige EntwicklungHabt keine Angst!

Schülerinnen und Schüler gehen seit Monaten unter dem Motto „Fridays for Future“ für einen effektiven Klimaschutz auf die Straße. Jetzt bekommt die Bewegung Unterstützung von dem bundesweiten Bündnis „Pädagogen for Future“.

11.10.2019 - Esther Geißlinger, freie Journalistin

Bei einer Fridays-for-Future-Demo im März beschloss Christopher Brinkmann: „Ich kann nicht nur zugucken, wenn Zehntausende junger Leute auf der Straße sind und für die Zukunft des Planeten kämpfen.“ Im Mai gründete Brinkmann, der an einer Fachschule für Sozialpädagogik angehende Erziehungskräfte unterrichtet, die Gruppe Pädagogen for Future.

Es sei anfangs nicht leicht gewesen, Mitstreiter zu gewinnen, berichtet Brinkmann. 142 Menschen unterzeichneten den ersten Aufruf im Mai, Ende des Sommers lag die Zahl der Unterschriften bei gut 2.000. Neben Einzelpersonen unterstützen mehrere GEW-Landesverbände die Gruppe. Brinkmann hofft auf viele Mitstreiter, die wie beim Klimastreik am 20. September, bei Demonstrationen und im Alltag ihre Stimme gegen den Klimawandel erheben: „Wir kämpfen hier und heute ums Überleben von Menschen und gegen den Verlust ganzer Ökosysteme.“

„Die Politik braucht das Signal der Bevölkerung: Habt keine Angst, wir stehen zu euch, auch wenn ihr unpopuläre Beschlüsse wie die CO2-Steuer oder den schnellen Kohleausstieg umsetzt.“ (Christopher Brinkmann)

„Für uns als Gewerkschaft ist Streik im Rahmen von Tarifverträgen klar definiert“, sagt Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW. Dennoch sei es auf ganz vielfältige Weise möglich, die Jugendproteste zu unterstützen: „Die Schule kann Projekttage für Klimaschutz und Demokratie veranstalten und in diesem Rahmen an einer Demonstration teilnehmen, Klassen können sich in Fächern wie Geografie und Naturwissenschaften mit Folgen des Klimawandels befassen“, sagt Tepe. „Grundlagen lassen sich bereits in der Grundschule in Sach- oder Heimatkunde erarbeiten.“ Natürlich sei ein Engagement jedes und jeder Einzelnen außerhalb der Arbeitszeiten möglich.

Das sieht Brinkmann genauso. „Wenn man erst begriffen hat, dass die Jugendlichen recht haben und das Haus wirklich brennt, kann man eigentlich nicht mehr nur zuschauen, sondern muss handeln – etwa, indem man andere informiert und durch die Teilnahme an Demos öffentlichen Druck macht.“ Die Zivilgesellschaft müsse „zeigen, was sie will“, sagt der Dozent: „Die Politik braucht das Signal der Bevölkerung: Habt keine Angst, wir stehen zu euch, auch wenn ihr unpopuläre Beschlüsse wie die CO2-Steuer oder den schnellen Kohleausstieg umsetzt.“ Gerade für Menschen, die „für und mit der nächsten Generation arbeiten“, sei diese Positionierung wichtig, meint Brinkmann. Auch von der GEW, der er allerdings selbst nicht angehört, erhofft er sich klare Aussagen.

„Für uns ist das Thema nicht neu.“ (Marlis Tepe)

„Die machen wir längst“, sagt Tepe. Die GEW-Vorsitzende freut sich über die starke Fridays-for-Future-Bewegung: „Die Jugend trägt mit ihrem Protest das Klimathema in die Öffentlichkeit und ins allgemeine Bewusstsein.“ Auf lokaler Ebene gebe es teilweise eine Zusammenarbeit zwischen der GEW und „den Fridays“. Aber in Gesprächen hätten Vertreter der Bewegung auch deutlich gemacht, dass sie Wert auf ihre Eigenständigkeit legen. Dennoch seien unterstützende Gruppen wie die „Parents for Future“, „Scientists for Future“, „Schools for Future“ oder eben die „Pädagogen for Future“ aus Sicht der GEW wichtig. „Aber für uns ist das Thema nicht neu“, so Tepe.

Denn die Bildungsgewerkschaft wirkt seit Jahren mit am UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE). Das Thema ist breit gefächert, es startet bei Universitäts-Curricula für den Lehrkräftenachwuchs, setzt sich fort mit Unterrichtsinhalten und endet mit der Frage, wie die Schulgebäude und der schulische Alltag aussehen sollten, um Energie zu sparen und wenig Müll zu erzeugen. Für die GEW steht die „Bildung für alle“ obenan, damit „alle Menschen die Kompetenzen erwerben können, die für eine aktive Teilnahme an der Gestaltung der zukünftigen Entwicklung erforderlich sind“, heißt es in einem Grundsatzpapier.

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