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GEW für Prüfstelle für bildungsgefährdende Unterrichtsmaterialien

Die GEW macht sich für eine öffentlich kontrollierte Prüfstelle für private Unterrichtsmaterialien stark. „Wenn die Zahl frei verfügbarer und privater Unterrichtsmaterialien in die Millionen steigt – bei sinkenden Schulbuchausgaben! – brauchen Schulen und Lehrkräfte mehr Orientierung und eine Anlaufstelle, die im Zweifelsfall helfen kann“, betonte heute die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer anlässlich der Veröffentlichung einer Studie von Lobbycontrol.

30.04.2013

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich GEW und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) an die Kultusministerien gewandt und mehr öffentliche Verantwortung für Unterrichtsmaterialien angemahnt. Eine "Prüfstelle" lehnen die Kultusminister bisher - meist mit dem Verweis auf den großen Aufwand und die ausreichende Kompetenz der Lehrkräfte - jedoch ab.

Interessen hinter den Lehrangeboten schwer zu erkennen

"Natürlich haben Lehrkräfte die Kompetenz, professionellen Unterricht zu gestalten. Die Kultusminister vergessen aber, wie viel Unterricht fachfremd etwa im Bereich Wirtschaft gehalten werden muss. Außerdem ist nicht immer klar zu erkennen, welche Financiers sowie wirtschaftlichen und politischen Interessen hinter den Lehrangeboten stecken", erläuterte die GEW-Schulexpertin das Problem. Eine kritische Prüfung der Materialien koste die Lehrkräfte zu viel Zeit und sei im Alltag oft nicht zu leisten. "Besonders wichtig ist, dass Lehrkräfte in der Ausbildung oder durch Fortbildungen Kompetenzen erwerben, die ihnen eine kritische Analyse der Lehr- und Lernmaterialien ermöglichen. Das geschieht jedoch nicht", stellte Demmer fest. "Wieso soll es - analog zur Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien - keine Prüfstelle für bildungsgefährdende Unterrichtsmaterialien geben?" Diese könne auf Antrag tätig werden und allein durch ihre Existenz schon zu mehr Umsicht beitragen.

Die GEW beobachtet seit vielen Jahren mit Sorge, dass Wirtschafts- und Finanzverbände, Privatunternehmen, Stiftungen, Vereine und sonstige Lobbygruppen immer stärker versuchen, die Lerninhalte für allgemeinbildende Schulen zu beeinflussen. "Wirtschaft ist ein wichtiges Lernfeld der politischen Bildung an Schulen", unterstrich Demmer. "Aber wenn Lobbyisten mehr und mehr bestimmen können, wo es lang geht, muss die öffentliche Hand einen Riegel vorschieben. Wir brauchen eine Schule für die Demokratie - und nicht eine Schule, die zur Dienerin der Wirtschaft gemacht werden soll", sagte die GEW-Expertin.

Die Broschüre "Lobbyismus an Schulen. Ein Diskussionspapier über Einflussnahme auf Unterricht und was man dagegen tun kann" beschreibt mit sehr anschaulichen Beispielen Erscheinungsformen, Strategien, Hintergründe und Risiken lobbyistischer Einflussnahme in den Schulen. Zugleich liefert sie Anregungen, wie Schulen und Lehrkräfte damit umgehen können.

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