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Gesundheitsmanagement an Hochschulen

Die World Health Organization (WHO) definiert Gesundheit als Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht als bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.

09.06.2016 - Marko Hennhöfer

Eine der Hauptursachen, warum Beschäftigte oder Studierende sich nicht in diesem idealen Zustand befinden, ist die zeitliche Überlastung. Bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist dies oft bedingt durchein steigendes Aufgabenpensum und einer über Jahre hinweg faktisch rückläufigen Grundfinanzierung der Hochschulen und den damit verbundenen Stellenkürzungen. Betrug die Betreuungsrelation im Jahre 1980 noch 13 Studierende pro Stelle wissenschaftliches Personal, so sind es inzwischen bundesweit schon über 181 Studierende. Ein deutlicher Trend zur „Akademisierung“ führte dazu, dass mittlerweile rund 53 % eines Jahrgangs ein Studium beginnen, während es 1980 noch etwa 20 % waren. Dies hat zur Folge, dass junge Menschen oft nicht mit den entsprechenden fachlichen aber auch persönlichen Voraussetzungen an die Hochschulen kommen bzw. nur vage Vorstellungen eines Studienfaches haben. Dadurch kann es vermehrt zu schwierigen Situationen im Studium kommen, z. B. zu Prüfungsängsten, Schreibblockaden oder zum Studienabbruch. Auch die eigenständige Finanzierung des Studiums stellt viele vor große Herausforderungen und kann sich studienverlängernd auswirken. Zusätzlicher Druck wird dabei über Langzeitzeitstudiengebühren erzeugt.

Gesundheitsmanagement ist notwendig

Dementsprechend muss ein systematisches Gesundheitsmanagement einem ganzheitlichen Ansatz folgen, der das physische, psychische und soziale Wohlergehen aller an den Hochschulen vertretenen Statusgruppen adressiert. Initiativen von Hochschulen, Personalräten und Gewerkschaften werden dabei von vielfältigen Unterstützungsangeboten der Krankenkassen flankiert. Auf Landesebene existieren Rahmendienstvereinbarungen u. a. zur Wiedereingliederung von Langzeiterkrankten oder auch zur Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe. Im Bereich der einzelnen Hochschulen ähneln sich die Maßnahmen, so dass hier nur einige exemplarisch näher erläutert werden.

Regelung an der FSU Jena

An der FSU Jena wurde im Februar der Startschuss für eine fünfjährige Vereinbarung zur Gesundheitsförderung gegeben. Ziele sind dabei vor allem die nachhaltige Verbesserung der Gesundheit der Beschäftigten. Maßnahmen wie z. B. individuelle Beratung, moderierte Gespräche, Prozessbegleitung, Arbeitssituationsanalysen, Gesundheitszirkel, Gesundheitskurse und Schulungen können kostenfrei in Anspruch genommen werden.

Regelung an der TU Ilmenau

Auch an der TU Ilmenau kommt der Gesundheitsförderung eine hohe Bedeutung zu. Angesiedelt in einer Stabsstelle des Rektorates„Campus-Familie“ findet man hier ein umfassendes Angebot an gesundheitsfördernden Maßnahmen. Kursangebote für Beschäftige und Studierende umfassen z. B. Gesundheits-Check-Ups, Entspannungskurse, autogenes Training oder Yoga. Bei den Beschäftigten ist auch der „Pausenexpress“ (Sport) und die mobile Massage sehr beliebt. Individuelle Kompetenzentwicklung im Bereich Kommunikation,Führungskräfteentwicklung, kollegiale Beratung und Umgang mit psychisch beanspruchten Studierenden hilft dabei, schwierige Situationen zu meistern bzw. dient präventiv zur Vermeidung von Konflikten. Bei schwerwiegenden Problemen finden Betroffene auch Hilfe bei der psychologischen Kontaktstelle. Im Rahmen von Gesundheitstagen stellen Hochschulen und Krankenkassen die vielfältigen Angebote vor und sensibilisieren damit die Beschäftigten und Studierenden für einen achtsamen Umgang mit dem eigenen physischen und psychischen Wohlergehen.

Mehr ist möglich und notwendig

Richtet man den Blick zu den Top-Arbeitgebern in der Wirtschaft, wird jedoch deutlich, dass dort noch mehr ermöglicht wird, damit sich die Beschäftigten in ihrem Arbeits- und Lebensumfeld wohlfühlen. Beispielhaft sei hier SAP genannt. Mit speziell eingerichteten Pausenzonen, kostenlosem Getränkeangebot, umfassenden Fitness- und Recreation-Angeboten, Unterstützungsprogrammen auch für Angehörige, Elder Care, Haushaltshilfen, Eltern-Kind-Büros, und einer weitgehend autonomen Arbeitszeitgestaltung in Verbindung mit Langzeitarbeitskonten wird hier nahezu allen Bedürfnissen der Beschäftigten Rechnung getragen. Der Erfolg lässt sich beziffern. Mit einem Krankenstand von unter 2,5 % liegt die Belegschaft von SAP deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von etwa 4 %2.

Solche Best-Practice Beispiele sollten die Hochschulen als Ansporn sehen, den kontinuierlichen Prozess der Verbesserung im Gesundheitsmanagement weiter voranzutreiben.

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