GEW Thüringen
Du bist hier:

Zur aktuellen Situation in ThüringenGeschichte wiederholt sich nicht?

Warum wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in diesen Zeiten besonders aufmerksam sein müssen. Und was haben das Geschlecht und angstfreie Räume in den Bildungseinrichtungen miteinander zu tun? Die Landesvorsitzende versucht den Spagat zwischen diesen beiden dringlichen Themen.

 

02.12.2019 - Kathrin Vitzthum - Landesvorsitzende

Was sich oft so leicht daher sagt, wird in diesen Tagen nach der Thüringer Landtagswahl auf eine harte Probe gestellt. Selbstverständlich wiederholt sich Geschichte nicht direkt, aber einige Parallelen sorgen doch für intensive Diskussionen und schlaflose Nächte. Zur Erinnerung: Im März 1930 zerbricht die Große Koalition, zwei Jahre später wird die NSDAP zweitstärkste Kraft. Nach der Auflösung des Reichstags im September 1932 wird Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler. Wenige Monate später, am 2. Mai 1933, werden die Gewerkschaftshäuser gestürmt und Gewerkschaften zerschlagen. „Das wissen wir doch alle“, werdet Ihr denken. „Ja, das weiß ich“, werde ich antworten, „aber wisst Ihr auch, dass große Teile der AfD und ihre Wählerinnen und Wähler Gewerkschaften völlig überflüssig finden?“ Wir haben in den Tagen vor der Wahl teils haarsträubende Kommentare unter unserem Bildungs-O-Mat ertragen und sogar einen zur Anzeige bringen müssen. Da kommentierte jemand tatsächlich, dass Hitler 1933 schon recht getan hätte mit dem Zerschlagen der Gewerkschaften. Geschichte wiederholt sich nicht? Lasst uns gemeinsam dafür
sorgen, dass dies nicht wieder passiert.

Der DGB Hessen-Thüringen hat sich mit den Vorsitzenden der Thüringer DGB-Gewerkschaften auf einen gemeinsamen Aufruf verständigt:

„Nach Vorlage des amtlichen Endergebnisses der Landtagswahl fordern wir zügige Gespräche, um eine Mehrheit für gute Arbeit, gute Lebensbedingungen und den sozialen Zusammenhalt im Landtag zu finden. Klar ist für uns, dass dabei Gespräche mit Abgeordneten der rechtsextremen AfD-Fraktion ausgeschlossen werden müssen. Hier erwarten wir eine deutliche Aussage aller handelnden Akteure. Wir appellieren vor allem an die CDU, sich unmissverständlich im Interesse unserer Demokratie zu bekennen, weder eine Zusammenarbeit noch Duldung oder Tolerierung durch die AfD zuzulassen. Wir brauchen gerade jetzt eine klare Haltung gegen Ausgrenzung, rassistische und chauvinistische Hetze. Wir brauchen politisches Handeln für den sozialen, gleichberechtigten und demokratischen Zusammenhalt in diesem Land!“


Bildungseinrichtungen müssen Räume ohne Angst sein…

Immer, wenn der Landesausschuss Diversity den Schwerpunkt unserer Mitgliederzeitung tz gestaltet, freue ich mich über diese engagierten Menschen in unseren Reihen. Die Themen, die sie bearbeiten, scheinen nicht immer die drängendsten zu sein, sie sind aber für die Bildung der Kinder und Jugendlichen eine tatsächliche Bereicherung – zum Beispiel der Umgang mit Transgender. Mein Bonuskind ist ein Transgender. Wenn ich daran denke, dass Schulfreund*innen davon abrieten, die Namensänderung noch vor dem Abitur bekannt zu geben, läuft es mir immer noch kalt den Rücken herunter. Schule muss doch ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche angstfrei ihre Identität entwickeln können! Der angstfreie Raum gilt aber auch für die Pädagog*innen. Ich finde es mehr als bedauerlich, dass es eine engagierte Kollegin in ihrer Schule nicht mehr aushielt, weil das Kollegium mit der Geschlechtsangleichung nicht klar kam. Diese Kollegin unterrichtet jetzt in einem anderen Bundesland. Ich verstehe, dass Menschen, deren geschlechtliche Identität keine Anerkennung findet, diese in der Bildungseinrichtung nicht offen zugeben oder eben die Einrichtung verlassen, wenn sie es getan haben. Da ist noch so vieles zu tun.

Bildungseinrichtungen müssen Räume ohne Angst sein. Nur so kann sich eine Gesellschaft von gegenseitigem Respekt und Chancengleichheit sowie mit entschiedenem Eintreten gegen Rassismus, Nationalismus, Sexismus und antidemokratische Bestrebungen entwickeln. Voraussetzung dafür ist, wie immer, Aufklärung und Bildung. Und genau dazu leistet der vom Landesausschuss Diversity erarbeitete Schwerpunkt „Geschlecht ist politisch: Bildungsbarrieren – Bildungschancen“ in dieser Dezemberausgabe der tz erneut einen
nachhaltigen Beitrag.

Zurück