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UmfrageergebnisLAA fordern Möglichkeit zur Verlängerung des Vorbereitungsdienstes

In den vergangenen Tagen haben wir eine Kurz-Umfrage durchgeführt. Ziel war, die Auswirkungen der Corona-Krise auf die zweite Phase der Lehrer*innenausbildung zu erfassen. Knapp 500 Lehramtsanwärter*innen und Seiteneinsteiger*innen nahmen an der Umfrage teil. Hier die ersten Ergebnisse.

28.04.2020 - Jana Bonn

Keine Frage: Diese Zeiten sind für alle herausfordernd. Als Bildungsgewerkschaft haben wir uns in einer Umfrage mit der Gruppe der Lehramtsanwärter*innen (LAA) und Seiteneinsteiger*innen genauer befasst. Ihre Lage ist speziell: Ist die Situation aufgrund der Corona-Epidemie grundsätzlich strapaziös, kommt bei ihnen die Prüfungssituation als zusätzliche Belastung hinzu. Überlegungen, LAA mit einem höheren Stundendeputat an ihren Ausbildungsschulen einzubinden, sind aus vielen Gründen kritisch zu sehen. Ein Argument aber ist ein Schwergewicht: Ausbildung muss Ausbildung bleiben! Die Ausbildung bietet die Möglichkeit, verschiedene (fach-)didaktische Methoden umzusetzen, die eigene Lehrer*innenpersönlichkeit zu entwickeln, Erfahrungen im Umgang mit Kindern, Eltern und Kolleg*innen zu sammeln. Die Ausbildung ist ein schützenswertes Gut. Sie endet mit dem II. Staatsexamen, einer Benotung, die für die Stellensuche relevant ist – auch in Zeiten von Lehrer*innenmangel.

Zu den Ergebnissen

Der Umfrage geht es darum, die Bedürfnisse der LAA im Rahmen der aktuellen Gegebenheiten zu erfassen. Sie besteht aus elf Fragen zu den drei Themenschwerpunkten Ausbildung am Studienseminar, an der Ausbildungsschule sowie Perspektiven auf die weitere Gestaltung des Vorbereitungsdienstes. 424 LAA haben den Fragebogen vollständig beantwortet, 61 teilweise. In der folgenden Auswertung beziehe ich mich grundsätzlich ausschließlich auf die vollständig ausgefüllten Umfragebögen oder mache an gegebener Stelle explizit auf den Einbezug aufmerksam.

Die ersten beiden Fragen beziehen sich auf die Arbeit am Studienseminar. Wir haben gefragt, wie der Umfang der jetzigen Aufgaben in Relation zu den Aufgaben bei Präsenzseminaren empfunden wird. Die große Mehrheit der Befragten hält den Arbeitsumfang für angemessen (72, 2 %). Lediglich 21,9 % schätzen die Aufgaben als zu umfangreich ein. Grundsätzlich haben wir bei dieser Frage eine hohe Zufriedenheit der LAA feststellen können.

 

 

Unsere zweite Frage im Komplex „Studienseminar“ beschäftigt sich mit der Zufriedenheit der LAA mit der bisherigen Seminargestaltung? Hier sind 35,6 % völlig zufrieden wogegen 8,5 % gar nicht zufrieden sind. Die größte Zustimmung hat die Antwortmöglichkeit „mäßig zufrieden“ (55,9 %) erhalten.

Wenden wir uns dem Bereich der Ausbildungsschulen zu. Gefragt nach der Möglichkeit – gemäß der Ausbildungsaufgaben – angeleiteten oder selbstständigen Unterricht zu planen und durchzuführen, stimmten hier 25,9 % voll zu. Der Großteil der Befragten (51,4 %) verneinte dies. Es liegt die Vermutung nahe, dass LAA in Sachen digitale Lehre einen schwierigeren Stand haben und insofern weniger Praxiserfahrung im Unterricht machen können, als ihnen lieb sein wird. Womöglich benötigen die Studienseminare und Seminarschulverbünde an dieser Stelle weitere Unterstützung: Nicht primär für ihre eigenen Informationskanäle, sondern um entsprechende Hilfestellungen und Werkzeuge für LAA bereitstellen zu können.

 

 

Die zweite Frage beschäftigt sich mit einer ungefähren Einschätzung der geleisteten Wochenstundenzahl an der Ausbildungsschule. Dabei ging es auch um Zeiten vor Ort, die zum Teil außerhalb von digitaler Lehre erbracht wurden 44,6 %. Den größten Anteil hieran hat der Einsatz in der Notfallbetreuung (27 %).

Der Großteil der LAA (38,7 %) hat aber auch am Einsatzort Schule an der Aufgabengestaltung und -vorbereitung für Schüler*innen gearbeitet bzw. Online-Unterricht vorbereitet und geplant (13,6 %).

 

 

Gehen wir zum dritten Fragenkomplex über und schauen uns an, welche Wünsche LAA an die Bildungspolitik richten. 31,3 % der Befragten wünsche sich, dass der Vorbereitungsdienst hinsichtlich der Anzahl der zu leistenden Unterrichtsbesuche angepasst werden möge. 28,1 % stellen sich den Nachteilsausgleich eher in Form einer Anpassung hinsichtlich der Anzahl der zu leistenden Pflichtseminare vor.

23,2 % der Teilnehmenden erachten eine Verlängerung für nicht notwendig, da alle Aufgaben und Ausbildungsinhalte wie geplant machbar sind, wohingegen 7,3 % sich grundsätzlich eine Verlängerung des Vorbereitungsdienstes um die ausgefallene Zeit wünschen. Das ist wichtig für unsere Anschlussfrage: Soll die unkomplizierte Möglichkeit zur freiwilligen Verlängerung für alle Lehramtsanwärter*innen geschaffen werden?

 

Die Aussage „Es soll die unkomplizierte Möglichkeit zur freiwilligen Verlängerung für alle Lehramtsanwärter*innen geschaffen werden“ hat mit 56,8% eine sehr deutliche Zustimmung erhalten. Bereits jetzt ist laut der Thüringer Verordnung über die Ausbildung und Zweite Staatsprüfung für die Lehrämter (ThürAZStPLVO), § 16 Abs. 3 die Möglichkeit der Beantragung einer Verlängerung gegeben. Im Telefonat sprach Herr Huth (TMBJS, Referat 3,4) bereits von einer wohlwollenden Prüfung der Anträge seitens des Ministeriums. Neben dieser Aussage und der Möglichkeit durch die ThürAZStPLVO sollte hier eine „Corona-Regelung“ her. Diese muss allen Beteiligten kommuniziert werden und unkomplizierte Wege aufzeigen und garantieren.

Vor allem für Grundschullehrämter kann das ein wichtiges Entgegenkommen bedeuten, da sie ohnehin als einzige Schulart mit einem lediglich 12monatigen Vorbereitungsdienst konfrontiert sind. aber auch für alle anderen Schularten sollte diese Option geschaffen werden. Dies sollte zeitnah für die Betroffenen eine verlässliche Perspektive werden.