GEW Thüringen
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Fachgespräch: „Individuelle Abschlussphase und die Übergänge in die berufliche Bildung“

Am 1. Dezember fand in den Räumen der GEW Thüringen ein Fachgespräch mit Vertreter*innen der GEW Thüringen, des Landtags und des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) statt.

09.12.2016 - Dieter Gebhardt

Präsentation "IAP und Übergänge in die berufliche Bildung" Kurzfassung


Anliegen der Veranstaltung

Die GEW hatte schon nach Einführung der individuellen Abschlussphase (IAP) und deren ersten wissenschaftlichen Auswertung 2014 zu einem Fachgespräch geladen. Die jetzige Veranstaltung versteht sich als Fortsetzung und Betrachtung des jetzigen Ist-Zustandes in dieser Problematik. Trotz vieler Anstrengungen in den Schularten sind die Probleme nicht geringer geworden. Noch immer verlassen ca. 7 % der Schüler*innen die Regelschule und ca. 12 % die Berufsschule ohne Abschluss. Um diesem Trend entgegenzuwirken, werden die IAP, die besondere 10. Klasse, Praktikumsklassen und BVJ (Berufsvorbereitungsjahr) bzw. BFS (Berufsfachschule) genutzt.

Wer war da?

Die ca. 20 Teilnehmer*innen waren Mitglieder der AG Übergänge der GEW Thüringen, aus Regelschulen, Thüringer Gemeinschaftsschulen und Schulleiter*innen von berufsbildenden Schulen; es kamen die bildungspolitischen Sprecher*innen Torsten Wolf für DIE LINKE und Astrid Rothe-Beinlich für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Kristina Scherer als zuständige CDU-Referentin und dazu der Referent für diesen Bereich im Ministerium, Herr Olaf Haustein.

Verlauf 

Ausgehend von einer Präsentation durch Herrn Gebhardt, Mitglied des GEW-Referatsleitungsteams allgemein- und berufsbildende Schulen, wurde an  die Ergebnisse des 1. Fachgespräches aus dem Jahre 2014 erinnert und die jetzigen Problemfelder und positiven Kooperationen zwischen den Regelschulen und berufsbildenden Schulen aufgezeigt. Die Rückmeldungen der im Voraus befragten Schulen fanden das besondere Interesse aller Teilnehmer*innen.  Diese Rückmeldungen verdeutlichen die sozialen und Lernschwierigkeiten dieser Schüler*innen, die in diesem Bereich lernen. Erste Fragen ergaben sich schon während der Präsentation, insbesondere zu der hohen Zahl an Schüler*innen, die trotz IAP, BVJ oder BFS ohne Abschluss die Schulen verlassen.

In der Diskussion gaben die bildungspolitischen Sprecher*innen mit ihren Fragen und Statements zu verstehen, dass auch diese Schüler*innen unbedingt zu einem Schulabschluss kommen müssen. Die Wege dazu sind vielfältig und individuell. In der Diskussion wurde deutlich, dass man mit diesen Schüler*innen schon sehr frühzeitig arbeiten sollte, um sie in ihrer Entwicklung zu stärken.

Fazit

Die Veranstaltung wurde von allen Beteiligten als sehr gelungen beschrieben.

Herr Haustein stellte fest:

  1. Die Regelschulen müssen erkennen und durchsetzen, dass die IAP für sie ein wesentlicher Anspruch gegenüber dem TMBJS darstellt, der ihnen in ihrer Arbeit mit diesen Schüler*innen helfen kann.
  2. Die Verteilung der vorhandenen Mittel muss nach einem Sozialindex erfolgen.
  3. Die wissenschaftlichen Grundlagen für die IAP müssen durch das ThiLLM (Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien) besser umgesetzt werden.
  4. Die Arbeit mit diesen Schülern muss ein durchgängiges Konzept der Regelschulen und berufsbildenden Schulen darstellen und viel eher, auch in den unteren Klassen, beginnen.

In der Diskussion wurde weiter herausgearbeitet:

  • Es ist eine bessere Nutzung der ESF-Mittel notwendig.
  • Eine stärkere Beeinflussung der Elternentscheidung durch die Lehrer*innen ist wünschenswert.
  • Mehr und längere Praktika in den Regelschulen für diese Schüler*innen wären notwendig.
  • Die Kooperationsschulen benötigen die Bereitstellung notwendiger sächlicher und personeller Ressourcen.
  • Zu Kooperationen müssen klare Festlegungen zu den Verantwortlichkeiten getroffen werden.
  • Eine regionale Konzentration dieser Schüler in der Nähe von berufsbildenden Schulen ist sinnvoll.
  • Der Mangel an Bewerber*innen in den entscheidenden Fächern muss behoben werden.

Auch wenn sich klar abzeichnet, dass die IAP keine in großem Stil umsetzbare Maßnahme darstellt, sollte sie erhalten bleiben und durch vielfältige Kooperationen mit den Berufsschulen zielführender eingesetzt werden.

Alle Anwesenden waren sich darin einig, dass hier wesentlich bessere Grundlagen für die Schulen gelegt werden müssen. Durch das frühzeitige Angehen der Probleme bei Lernschwierigkeiten in den BVJ- und BFS-Klassen könnten diese schon in den Regelschulen und Thüringer Gemeinschaftsschulen besser gelöst werden.

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