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E&W 7-8/2016: Werte

Um im Interesse von Kindern und Jugendlichen handeln zu können, brauchen Lehrkräfte eine ethische Grundlage. "Am 2004 von der Bildungsinternationalen (BI) verabschiedeten Berufsethos können sie sich orientieren", sagt GEW-Schulexpertin Ilka Hoffmann.

06.07.2016

Das Berufsethos müsse auch Leitlinie gewerkschaftlicher Arbeit sein, fordert Hoffmann in der Juli-/Augustausgabe der "E&W". Im GEW-Kontext bedeute dies: "Das uneingeschränkte Bekenntnis zu den allgemeinen Menschen- und Kinderrechten sowie zu den UN-Antidiskriminierungskonventionen sollte die Grundlage unseres professionellen Handelns sein. Nach diesem Wertekanon beurteilen wir Schulgesetze, organisatorische Regelungen, Strukturen und Rahmenbedingungen."

Wie PädagogInnen ein gemeinsames Berufsethos entwickeln können, haben zwei große Lehrerverbände aus Schweden gezeigt. Schon 2001 beschlossen dort die Bildungsgewerkschaft Lärarförbundet und die Lehrervereinigung Lärarnas Riksförbund gemeinsam eine „Berufsethik für Lehrkräfte“ zu erarbeiten. Sie sollte für sämtliche Lehrkräfte von der Vor- bis zur Hochschule verbindlich gelten. Ziel war und ist es, den Lehrerberuf zu stärken und der Profession zu einem klaren Profil zu verhelfen.

Der Bildungsforscher Lothar Krappmann fordert unterdessen mehr Mitbestimmung und Demokratie in der Schule. Gemeinsam mit anderen WissenschaftlerInnen hat er ein Manifest für „Kinderrechte, Demokratie und Schule“ verfasst. Schulen müssen ihre Bildungsziele nach Meinung des Bildungsforschers Lothar Krappmann gemäß der UN-Kinderrechtskonvention neu ausrichten."Kinder sollten beispielsweise mitreden dürfen, welche Themen im Unterricht behandelt, und wie sie vermittelt werden".

Nach Ansicht der Bremer Pädagogikprofessorin Ursula Carle stellt der Ganztag die Schule vor neue Anforderungen. Unterschiedliche Professionen arbeiteten dort zusammen. Umso wichtiger sei es, dass multiprofessionelle Teams gut miteinander kooperieren können. Bis zur Schule als einer multiprofessionellen Organisation ist Carle zufolge jedoch "noch ein weiter Weg" zurückzulegen. Auf vielen Ebenen bestehe noch Klärungsbedarf, etwa wenn es um das gegenseitige fachliche Verständnis von kooperierenden Lehrkräften und SozialarbeiterInnen gehe.

Die bundesweite Initiative „Rock Your Life!" (RYL) bringt derweil Studierende mit HauptschülerInnen zusammen: als Mentoren für den Schulabschluss und den Berufseinstieg. Zwei Jahre lang helfen  Jungakademiker Jugendlichen aus benachteiligten Familien bei der Vorbereitung auf den Schulabschluss, beim Einstieg ins Berufsleben und dem, was die Pubertierenden sonst noch beschäftigt.

Integrationsgesetz: Mehr fordern als fördern

In ihrer aktuellen Ausgabe startet die "E&W" zudem die Reihe "Vorurteil und Fakt". Da bis in die bürgerliche Mitte hinein viele falsche Vorurteile über geflüchtete Menschen kursieren, stellt die Redaktion nun in jedem Heft einem Gerücht Fakten dagegen. Den Anfang macht: „Der Supermarkt um
die Ecke hat wegen der Flüchtlinge Security angeheuert.“

Der von der großen Koalition vorgelegte Entwurf für ein Integrationsgesetz, den wir ausführlich unter die Lupe genommen haben, geht der GEW unterdessen nicht weit genug. Die Gewerkschaftsvorsitzende Marlis Tepe kritisiert, es werde mehr gefordert als gefördert. Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und soziale Leistungen würden vom Status abhängig gemacht und entsprechend zugebilligt – oder eben auch nicht. "Wer geringe Bleibeaussichten hat, wird von Teilhabe auch an Bildung ausgeschlossen." 

Für die "Willkommen in Deutschland"-Serie hat sich die "E&W" dieses Mal in Kitas umgesehen, die zunehmend geflüchtete Mädchen und Jungen aufnehmen. Das stellt die Einrichtungen vor enorme Anforderungen. Verschiedene Organisationen bieten Fortbildungen an – zum Beispiel in Sachsen das Programm „Willkommenskitas“.

Anfang 2016 hat sich auch die „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt“ gebildet. Zehn Prozent der Deutschen engagierten sich für Asylsuchende, sei es als Helfer in Aufnahmeeinrichtungen oder als pensionierte Lehrkräfte, die Deutsch in Flüchtlingsunterkünften unterrichten, sagt der DGB-Vorsitzende und Mitinitiator, Reiner Hoffmann. "Wir wollen diese Willkommenskultur und Weltoffenheit in der Gesellschaft stärken."

Der jüngst vorgestellte sechste Bildungsbericht zeigt zwar, dass sich die Bildungsbeteiligung junger Menschen mit und ohne Migrationshintergrund annähert. Allerdings sind Kinder und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln nach wie vor benachteiligt. Auch zehn Jahre nach der ersten Gesamtschau des deutschen Bildungssystems im Jahr 2006 gilt: Kinder, deren Eltern einwanderten, sind überproportional häufig an Haupt- und Förderschulen zu finden, was sich auf ihre beruflichen Chancen auswirkt.

Außerdem in der neuen "E&W": Das „Haus der kleinen Forscher“ unterstützt Fachkräfte aus Kita, Hort und Grundschule seti zehn Jahren bei der naturwissenschaftlichen Bildungsarbeit mit Kindern. Ein Berliner Modellprojekt betreut Jungen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. Und mit einem neuen Label für faires Kunsthandwerk der WTFO, einem Zusammenschluss von Fair-Handels-Organisationen, können KonsumentInnen nun auch erkennen, ob Taschen, Gläser oder Schmuck aus fairem Handel stammen.

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