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E&W 6/2016: Stiftungen im Bildungswesen: Helfen hilft und tut gut?

Stiftungen haben im Bildungsbereich stark an Bedeutung gewonnen. Ihre Aktivitäten erfahren in der Öffentlichkeit vielfach positive Rückmeldungen, ihr Einfluss auf Bildungspolitik, Schule und Unterricht ist allerdings nicht zu unterschätzen.

01.06.2016

Bundesweit spielen gemeinnützige Stiftungen an Schulen eine stetig wachsende Rolle. Jede siebte Stiftung, also rund 3 000, engagiere sich im Bildungswesen, berichtet Katrin Kowark vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Doch ihr wachsender Einfluss stößt auch auf Kritik. Denn allein die Stifter, zumeist Wohlhabende und Unternehmen, entscheiden, wer von den Stiftungsmitteln profitiert. Entsprechend vertreten gemeinnützige Stiftungen mitunter eigene Interessen.

Auffallend viele Stiftungen, die von Industrie-Unternehmen oder Industrie-Arbeitgeberverbänden ins Leben gerufen wurden, kümmern sich darum, Unterricht in den MINT-Fächern zu fördern. Auch in die private Lehrerfortbildung fließen Millionen: Die Telekom Stiftung etwa gab in den vergangenen Jahren rund elf Millionen Euro dafür aus.

"Unterzieht man ausgewählte Stiftungsaktivitäten einer systematischen Analyse, so lässt sich nachweisen, dass schon in der Art der Konzeption und der Durchführung einiger Stiftungsaktivitäten eine potenzielle Einflussnahme auf den bildungspolitischen sowie schul- und unterrichtspraktischen Bereich angelegt ist", kommentiert Kathrin Dedering, Professorin für Bildungsinstitutionen und Schulentwicklung an der Universität Erfurt.

Beim Thema Migration blicken wir in der Juniausgabe der "E&W" auf die Mehrsprachigkeit. Bereits 2014 hatten laut Statistischem Bundesamt zwar 34,6 Prozent der Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund. In Ballungsgebieten können es sogar mehr als 60 Prozent sein. Kompentente Beratung zur Mehrsprachigkeit gibt es indes nur wenig.

Für geflüchtete Menschen mit wissenschaftlichen Qualifikationen ist es unterdessen schwierig, im hiesigen Hochschulbetrieb Fuß zu fassen. Neue Initiativen und Programme sollen die Integration erleichtern.

In Ungarns Hauptstadt Budapest sind am ungarischen Nationalfeiertag derweil zehntausende Menschen gegen die Bildungspolitik von Viktor Orbáns regierender FIDESZ-Partei auf die Straße gegangen. „Die Regierung hat ein Bildungssystem geschaffen, das schlecht für die Kinder, die Pädagogen, die Eltern und das Land ist“, kritisiert Piroska Galló vom Gewerkschaftsverband der Pädagogen (PDSZ).

In Deutschland haben Arbeitgeber und Gewerkschaften nach schwierigen Verhandlungen eine Einigung in der Tarifrunde 2016 für die Beschäftigten von Bund und Kommunen erzielt. "Mit Aktionen, Demonstrationen und Warnstreiks haben wir uns ein gutes Ergebnis erkämpft", bilanziert GEW-Tarifexperte Andreas Gehrke.

In der Wissenschaft stellten Bund und Länder im April die Weichen, um die Exzellenzinitiative fortzusetzen. Wenn die Regierungschefs am 16. Juni grünes Licht geben, wird das umstrittene Elite-Programm zur Dauereinrichtung. "Jahr für Jahr sollen 533 Millionen Euro ausgegeben werden, um ausgewählte Elite-Unis aufzupäppeln – auf unbestimmte Zeit. Eine falsche Entscheidung", kritisiert der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller

Eine Nachricht aus der Berliner Bildungsverwaltung bringt Schwung in die Debatte um die GEW-Forderung nach einer „Schule für alle“: Das Modell Gemeinschaftsschule verzeichne „gute Erfolge“, ihre SchülerInnen „bemerkenswerte Lernzuwächse“.

Weniger gute Nachrichten kommen aus Bremen: Pädagogische Fachkräfte, die dort in einem Schulverein und nicht im öffentlichen Dienst angestellt sind, haben oft mit prekären Verhältnissen zu kämpfen. Dazu gehören geringe Stundenumfänge ohne Aufstockungsmöglichkeit und kein Kündigungsschutz.

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