GEW Thüringen
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Es wird kalt in Deutschland

Ein bei Twitter genutzter Hashtag* #kaltland zeigt an, was viele Menschen in Thüringen, aber auch in anderen Bundesländern erleben: Ein kalter Hauch durchstreift die Städte, die Kommunen, die kleinen Dörfer. Dieser kalte Hauch setzt sich zusammen aus dumpfen Parolen Ewiggestriger und Neurechter, Angsthaber und Angstmacher.

01.04.2015

Ein bei Twitter genutzter Hashtag* #kaltland zeigt an, was viele Menschen in Thüringen, aber auch in anderen Bundesländern erleben: Ein kalter Hauch durchstreift die Städte, die Kommunen, die kleinen Dörfer. Dieser kalte Hauch setzt sich zusammen aus dumpfen Parolen Ewiggestriger und Neurechter, Angsthaber und Angstmacher.

Worum es geht?

Thüringen muss, wie andere Bundesländer auch, zunehmend mehr Flüchtlinge aufnehmen. Statt sich zu fragen, wie denen, die ihr Heimatland aus welchen Gründen auch immer verlassen haben, zu helfen sei, gibt es zumindest mancherorts und bei einer noch überschaubaren Menge an Menschen eine reflexartige Abwehrreaktion. „Raus hier!“, „Wirtschaftsflüchtlinge zurück“, „Und was ist mit unseren deutschen Obdachlosen?“ gehören ebenso zu den Reaktionen wie die Störung von Bürger*innenversammlungen mit rassistischen Argumenten. Wer einmal an solchen Bürger*innenversammlungen teilgenommen hat, in denen es darum geht, Anwohner über die Unterbringung von Flüchtlingen zu informieren, kann meine Einschätzung der zunehmenden Kälte in Deutschland sicher nachvollziehen.

Gothaer Erklärung

Mit ihrer Gothaer Erklärung, die der Landesvorstand der GEW Thüringen am 24. Januar 2015 verabschiedet hat, die Kälte etwas abzumildern. So erklärt sie zunächst ihre Solidarität mit den Flüchtlingen, heißt sie willkommen und bietet Unterstützung an. Darüberhinaus aber fordert sie die Landesregierung auf, ein besonderes Augenmerk auf die Situation von Flüchtlingskindern zu legen und 1,5 Millionen Euro in ein Sofortprogramm zur Sprachförderung zu investieren. Sprache ist ein zentraler Zugang zur Welt, die meisten Flüchtlingskinder, die direkt nach ihrer Ankunft in Thüringen der Schulpflicht unterliegen, verfügen jedoch nicht über Deutschkenntnisse, um den Unterricht zu folgen.

Auch wenn die jüngeren Kinder sich möglicherweise schnell verständigen lernen, für die Lehrer*innen und Erzieher*innen steigen die Herausforderungen. Es fehlt an Fachlehrer*innen für Deutsch als Zweitsprache, es fehlt an psychologischer, seelsorgerischer, sozialer und fremdprachlicher Unterstützung, um eine gelingende Integration von Beginn an zu ermöglichen.

Mit der Gothaer Erklärung hat die GEW Thüringen ein Zeichen gesetzt, Kindergärten, Schulen und andere Einrichtungen nicht allein zu lassen, sondern die Landesregierung aufgefordert, alles dafür zu tun, dass die Menschen mit ihren Fluchterfahrungen sich aufgenommen fühlen können und Möglichkeiten genutzt werden, Fuß zu fassen in einem Land, das hoffentlich nicht noch kälter wird.

Ministerpräsident Bodo Ramelow hat in einem Schreiben vom 17. Februar erklärt, dass die ersten Programme und Initiativen für die bessere Integration von Flüchtlingen gestartet wurden. Ich würde mich freuen, wenn Ihr uns über die Erfahrungen aus Euren Bildungseinrichtungen, was sich in letzter Zeit verbessert hat oder demnächst verbessern soll, berichtet.

Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende

Hashtag: bezeichnet ein Wort oder eine Zeichenkette mit vorangestelltem
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