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Es ist immer zu wenig!

Bildungsfinanzierung im Bereich Staatliche Berufsbildende Schulen: In der Thüringer Allgemeinen vom 09.02.2017 war in einem kleinen, versteckten Artikel zu erfahren, dass die Schüler an den Staatlichen Berufsbildenden Schulen (SBBS) mit 5700 € pro Jahr ca. 2000€ geringere Kosten verursachen als die Schüler an den anderen Schularten.

05.04.2017 - Dieter Gebhardt

Müssen wir uns also Sorgen machen um den Stand der Bildungsfinanzierung an den SBBS? Wie sieht diese eigentlich aus? Woraus setzt sie sich zusammen? Welche Einflüsse auf die Arbeitsbedingungen an unseren Schulen hat dies? Grundsätzlich ist die Finanzierung der SBBS ähnlich auf zwei Säulen (Schulträger für die Sachkosten und technisches Personal, und das Bildungsministerium für die Personalkosten der Beschäftigten im Bildungsbereich) gestaltet, aber für viele Berufsfelder müssen Eigeninitiativen entwickelt werden, um auch die Unternehmen an der Bildungsfinanzierung zu beteiligen.

Eine wichtige Säule sind die durch den Schulträger aufzubringenden Sachkosten. Hier ein Beispiel aus dem Haushaltsplan des noch Ilm Kreises:

Einzelplan 2 - Schulen

Der Zuschussbedarf im Einzelplan 2 (ohne Personalkosten und -erstattungen) steigt um 265,1 T€. Der Planansatz bei der Unterhaltung der Schulen (20000.50100) wurde in Höhe von 800,0 T€ beibehalten (angemeldet 1,8 Mio. €).

Umgestaltung von Unterrichtsräumen (87,0 T€)

Im Rahmen von verschiedenen Ausstattungsmaßnahmen sind bauseitige Leistungen notwendig. Diese Mittel werden eingesetzt, um bei der Neuausstattung von Unterrichtsräumen, Fachräumen, Beratungs- und Verwaltungsräumen in den Schulen bzw. bei Gruppenräumen im Hort, malermäßige Instandsetzungen, Fußbodenbelagsarbeiten und Erneuerungen in der Beleuchtung ausführen zu können. Dies umfasst sowohl Teilinstandsetzungen als auch die komplette Erneuerung des Fußbodenbelages. Gleiches gilt bei der Neuausstattung von Fachunterrichtsräumen (z.B. Chemie, Biologie – M/N/T, Physik, Werken-W/T, Kunst bzw. Hauswirtschaft). Hier sind ebenfalls finanzielle Mittel für den Umbau und die Sanierung des Unterrichts- oder Fachraumes notwendig (Elektro und Datenleitungen, Sanitär, Maler u. Fußbodenbelag). Ein wichtiger Aspekt ist auch die Realisierung von verschiedenen Schalldämm- bzw.  Schallschutzmaßnahmen in Unterrichtsräumen im Rahmen des integrativen Unterrichts an den Schulen des Ilm-Kreises. Weiterhin gehören der weitere Ausbau des Schul-INTRANET und die Nutzung von interaktiven Whiteboards, Beamern und PCs zu den Aufgabenbereichen, indem vor allem Daten- und Elektroleitungen, incl. Datendosen verlegt werden müssen.

Instandhaltung/Erneuerung von Sportgeräten (26,0 T€)

Dienstleistung durch Dritte (156,8 T€)

Folgende Maßnahmen sollen realisiert werden: 

  • der Umzug des Staatlichen Förderzentrums „Pestalozzi“ Ilmenau, Schulteil Arnstadt von der K.-Liebknecht-Straße 27 zur „Plauschen Straße“ Arnstadt (ca. 24,2 T€),
  • die fachgerechte Entsorgung von Alt- und Restchemikalien in den Staatlichen Regelschulen, Gymnasien und Berufsschulen, 
  • die Überprüfung und Wartung der Beamer in den Unterrichtsräumen in Verbindung mit den Interaktiven Whiteboards - wiederkehrende Wartung und Überprüfung (ca. 10,8 T€),
  • die sicherheitstechnische Prüfung und Instandsetzung von Tafelanlagen in verschiedenen Staatlichen Grund-, Regel- und Gemeinschaftsschulen als wiederkehrende Wartung und Prüfung (ca. 16,8 T€),
  • die sicherheitstechnische Prüfung der Absaug- und Abluftanlagen in den Fachunterrichtsräumen „Chemie“ und deren Instandsetzung bzw. Reparatur als jährliche Wartung und Prüfung (ca. 10,5 T€),
  • die jährliche Überprüfung, Wartung und Instandsetzung der Abluftanlagen in den Werkstätten der beiden Staatlichen Berufsschulen (ca. 8,5 T€),
  • die jährliche Wartung, Pflege und sicherheitstechnische Überprüfung aller Fahrräder, die in den Jugendverkehrsschulen in Arnstadt und Langewiesen zum Einsatz kommen (ca. 6,4 T€),
  • Aus- und Umräumen von Unterrichtsräumen bei der Veränderung von Raumkonzepten infolge von Sanierungs- bzw. Umbaumaßnahmen, was nicht durch eigene Hausmeister ausgeführt werden kann,
  • Dienstleistungen von Firmen (z.B.: Installation und Updaten von verschiedenen Softwareprodukten, Reparatur von Medientechnik, Sperrmüllentsorgung), 
  • Reparatur bzw. Instandsetzung der Telekommunikationsanlagen in den Schulen incl. der dazugehörigen Rapider und Geräte,
  • Wartung, Instandsetzung und Neuaufspielen von Software in den Datenschränken der PC-Schulnetze bzw. des Schul-INTRANET an verschiedenen Schulen (z.B. SBBS Arnstadt, BSZ Ilmenau, GY Arnstadt, GY „Goethe“ Ilmenau, GY „Am Lindenberg“ Ilmenau, TGS Stadtilm, RS Geraberg) sowie 
  • gesetzliche Prüfung der ortsveränderlichen Betriebsmittel (Elektrokabel) laut Öffentlicher Ausschreibung durch GLM (ca. 53,0 T€).

Aus der Aufzählung der vielen Maßnahmen wird auch deutlich wofür die Schulträger das meiste Geld ausgegeben müssen. Somit ergeben sich für 2017 ca. 2,1 Mio. € nur für Sachkosten, diese enthalten noch nicht die Personalkosten für technisches Personal und Sachbearbeitung. Die Fusion beider Berufsschulen und deren Kosten wurden vergessen?!

Die weitere Digitalisierung des Unterrichts an den SBBS wird erhebliche Kosten verursachen, nicht nur im technischen Bereich, sondern auch im Zuge der Weiterbildung der Kollegien und deren Ausstattung mit digitaler Technik und notwendiger Software. Diese wichtigen Kosten für die Zukunft können nicht den Kollegen als private Investitionen überlassen werden. Hier sind die verantwortlichen Ministerien TMBJS und TFM gefragt. Die Bundesfachgruppen gewerblich und kaufmännische BBS der GEW unterstützen nachhaltig diese Forderungen im Rahmen des

High Level Political Forum – Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele (Quelle: Infoblatt 08.2016 BBS der Bundes GEW)

Die Vereinten Nationen (VN) haben Mitte Juli das High Level Political Forum veranstaltet, bei dem die Umsetzung der 2015 von den Vereinten Nationen beschlossenen Sustainable Development Goals (SDGs ) beraten wird. Für die Bildungsinternationale ist besonders bedeutsam, dass mit dem Ziel Nr. 4 „Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern“ der zentrale Stellenwert einer guten Bildung für Alle deutlich wird. Insgesamt 22 Staaten, darunter auch Deutschland, stellten einen ersten Zwischenstand bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele vor. Neben der Bundesregierung war die deutsche „Zivilgesellschaft“ vertreten, deren Sprecher GEW-Berufsbildungsvorstand Ansgar Klinger u.a. „decent work and education“ (gute Arbeit und Bildung) als wesentliche Voraussetzung vor den VN angemahnt hat.

Neben diesen Kosten entstehen auch Personalkosten. Diese erhöhen sich um ca. 2,4% (etwa schon festgelegte, maximale Tariferhöhung?) auf etwa 3,4 Mio. €. Wir in den SBBS wissen, dass ein Hausmeister nicht nur eine technische „Hilfskraft“ darstellt, sondern besonders für die Funktionsfähigkeit der Werkstätten und der technischen Ausstattung der Schule besonders wichtig ist.

Eine weitere dritte und für die Spezialisierung der SBBS, besonders im dualen Bereich, wichtige Säule ist die Unterstützung durch Unternehmen. Hier werden vor allem Weiterbildungen angeboten, deren Inhalte durch das ThIILM so nicht geleistet werden können. Viele Kollegen dürfen aber oft gerade diese WB’s nicht nutzen, da die Unterrichtsabsicherung Vorrang hat. Solche Lehrgänge gehen auch mal über 2 bis 3 Tage, die entsprechenden Stunden müssen dann verlegt oder nachgeholt werden.

Viele Firmen helfen auch mit Spezialwerkzeugen oder gar mit einem kompletten VW Golf auf Drängen der Kollegen. So bei uns geschehen.

Die Finanzierung der Bildung an den SBBS ist eine komplizierte Sache und immer an die Bedingungen des Schulträgers und der ansässigen Firmen geknüpft. Die Modernisierung einer Metallwerkstatt würde beim Umrüsten auf modernste CNC Maschinen einen Schulträger schlagartig mehrere Millionen kosten. Diese Leistungsfähigkeit kann nicht garantiert werden.

Welche Wege sollten also gegangen werden? Sprengelschulen? Berufsfeldbereinigung? Zusammenschlüsse?

Alle Überlegungen dürfen nicht nur finanzielle Lösungen bieten, sondern müssen an den Beschäftigten, deren Arbeitsbedingungen und den wohnortnahen Ausbildungsmöglichkeiten der Lehrlinge und Vollzeitschüler ausgerichtet sein. Unsere RotRotGrüne Landesregierung hat es nach 3 Jahren immer noch nicht geschafft ein Azubi Ticket einzuführen.

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