GEW Thüringen
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Einschätzung des Referats Schule„Es ist eine starke Ohrfeige für die SPF,

deren Aufgabenfelder zu erweitern, ohne ihnen eine angemessene Wertschätzung zu gewähren.“ Was in der nebenstehenden Auswahl von Zitaten der Sonderpädagogischen Fachkräfte (SPF) schon deutlich wird: Es ist nicht nur ein Grummeln einiger weniger Verärgerter. Wir hätten noch viele weitere und ähnliche Zitate hinzufügen können, die die Wut der Kolleginnen und Kollegen beschreiben.

03.02.2021 - Kristina Argus, Andreas Heimann - Leitungsteam Referat Allgemein- und berufsbildende Schulen

Es reicht! Die Änderungen der Thüringer Schulordnung (ThürSchulO) zu Ungunsten der SPF sind zu viel!

Seit Jahren leisten SPF schon mehr, als Schulgesetz, Schulordnung und Lehrerdienstordnung von ihnen verlangten. Ohne ihre Bereitschaft zu kurzfristigen Vertretungen in den Netzwerkschulen, halt... „Fördermaßnahme“ für eine ganze Klasse, so der korrekte Schwindel, die Übernahme von Gutachten-schreiben und deren Fortschreibung, weil Klassenlehrer*innen sich damit überfordert fühlen und an der Netzwerkschule kein*e Förderlehrer*in tätig ist als auch die vielen anderen kleinen und größeren „Kannst du uns da mal helfen?“, würde es an vielen Netzwerkschulen einfach nicht mehr funktionieren.

Aus der freiwilligen Selbstausbeutung wird eine Selbstverständlichkeit

Mit den Änderungen der ThürSchulO wird nun aus der freiwilligen Selbstausbeutung einfach mal eine Selbstverständlichkeit gemacht. Dazu wären viele SPF sogar bereit, wenn sie dafür eine entsprechen-de Anerkennung in Form von Zeit oder Geld bekommen würden. Eine Möglichkeit wäre z.B. den Berechnungsfaktor für Fördermaßnahmen so anzuheben, dass weniger Fördermaßnahmen erteilt werden müssen und die frei werdende Arbeitszeit, dann für die zusätzlichen Auf-gaben aufgewendet werden könnte. Oder man legt je nach Anzahl von Gutachtenschreiben und Fortschreibungen Anrechnungsstunden fest. Aber auch eine Anerkennung von „Fördermaßnahmen“ für eine ganze Klasse als „erteilten Unterricht“ (was er in der Praxis ja meist auch ist) und entsprechende An-/Umrechnung auf die Arbeitszeit der SPF wäre eine Form der Anerkennung in Zeit.

Seit Jahren forderte die GEW Thüringen, Sonderpädagogische Fachkräfte als „Lehrkräfte“ zu definieren, was mit der Novellierung des Thüringer Schulgesetzes 2019ff auch tatsächlich gelang. Die „Lehrkräfte“ für ihre geleistete Unterrichtsarbeit dann auch entsprechend zu bezahlen, wäre ein anderer Weg.

Viele SPF fordern in ihren Briefen und E-Mails eine Höhergruppierung. Nicht zuletzt im Gemeinsamen Unterricht unterscheiden sich die Arbeitsaufgaben von Förderlehrer*innen und SPF kaum noch. Hinzu kommt noch die Absicherung der Ferienbetreuung durch die SPF an Förderzentren und wenn nötig auch von Förderkindern der Netzwerkschulen. Wir wissen auch, das mittlerweile die unterschiedlichsten Professionen oder, besser geschrieben, Ausbildungen und Qualifikationen als SPF in Thüringen arbeiten. Ob diese alle in gleicher Weise höhergruppiert werden könnten, sollten oder müssen, darüber muss man sprechen.

Proteste und Kampf jeder einzelnen SPF sind nötig

Über alles Geschriebene und Weiteres mehr lässt sich diskutieren und mit dem Ministerium streiten. Dazu bedarf es letztendlich aber mehr als Protestschreiben und wütende Anrufe. Jede Sonderpädagogische Fachkraft muss auch bereit sein, aktiv unsere Ideen und Aktionen zu unterstützen. Die GEW Thüringen mit den Referaten allgemein- und berufsbildenden Schulen sowie Tarif- und Beamtenrecht nehmen den Unmut der Sonderpädagogischen Fachkräfte auf und suchen zur Zeit nach verschiedenen Möglichkeiten, das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) zu weiteren Verbesserungen für SPF in Form von Zeit oder Geld zu bewegen.

Es geht um „eine angemessene Wertschätzung“ der Leistungen der Sonderpädagogischen Fachkräfte. Da kann (sich) der Minister mal „ehrlich (was) machen“!