GEW Thüringen
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Kommentar zu den aktuellen CoronamaßnahmenEs bleibt ein Dilemma!

Das private und öffentliche Leben wird eingeschränkt. Mit Recht, angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens. Ziel muss sein, die zweite Welle zu unterbrechen. Überall gilt es, Kontakte zu minimieren. Überall? Nein. In Kitas und Schulen bleibt alles wie es ist.

29.10.2020 - Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen

Ausgerechnet dort, wo es räumliche Begrenzungen und personeller Mangel nicht möglich machen, den Kontakt einzuschränken, bleiben wesentliche Arbeitsschutzregeln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales faktisch ausgesetzt. Die allgemein gültige AHA-Regelung, die auf Abstand, Hygiene und Maskenpflicht setzt, gilt zumindest im Thüringer Ampelsystem in der Grünphase nicht. Dabei wäre dies der eigentlich vorbeugende Infektionsschutz. Das Land setzt auf Lüften, in der kühler und feuchter werdenden Jahreszeit eine suboptimale Lösung. Luftfiltersysteme werden nicht ernsthaft in Erwägung gezogen.

Die jetzt getroffenen Maßnahmen der Bundesregierung begründen sich darauf, dass in etwa 75 Prozent der Corona-Infektionen die Kette nicht mehr nachvollziehbar ist. Zugleich wird immer wieder behauptet, Kitas und Schulen seien keine Infektionsherde. Einen Nachweis darüber bleiben die Verantwortlichen schuldig. Das gut funktionierende Ampelsystem des TMBJS zeigt deutlich, dass der Virus vor Kitas und Schulen nicht Halt macht. 

Dennoch befürwortet der überwiegende Teil der Beschäftigten, dass Kitas und Schulen nicht geschlossen werden. Dies ist nachvollziehbar, weil der persönliche Kontakt das Lernen befördert. Es ist nachvollziehbar, weil trotz aller Bemühungen, Distanzunterricht noch nicht für alle funktioniert und zudem zu hohen Belastungen der Kolleg*innen und der Familien führt. 

In diesen Zeiten ist es nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es ist aber dringender denn je notwendig, die Entscheidungen zu erklären und dabei auch zu erklären, warum an Bildungseinrichtungen so viele der einschränkenden Maßnahmen nicht gelten sollen.