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Einleitung in den tz-Schwerpunkt: Bestimme mit … und werde zufriedener!

29.11.2017 - Michael Kummer

Der Schwerpunkt dieser tz handelt von Mitbestimmung in Bildungseinrichtungen – und das hat neben den im Frühjahr 2018 anstehenden Personalrats- und Betriebsratswahlen einen einfachen Grund: Menschen, die nicht nur informiert werden, sondern mitbestimmen dürfen – und das nicht nur im Arbeitsleben – besitzen in der Regel ein höheres Selbstwertgefühl, sind motivierter und letztlich auch zufriedener. Das ist, auch wenn es sich noch nicht bis zu allen Arbeitgebern herumgesprochen hat, allerdings keine neue Erkenntnis.

Es gibt viele Möglichkeiten der Mitsprache und Mitbestimmung in öffentlichen Zusammenhängen: auf der individuellen, oftmals informellen Ebene unter anderem die Änderung des eigenen Konsumverhaltens, die Durchführung von öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie z. B. Flashmobs, oder die Sammlung von Unterschriften, die Einreichung von Petitionen, die Initiierung von Volksbegehren, das Einbringen in Bürgerhaushalten und Bürgerforen, die Teilnahme an Demonstrationen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von  Mitwirkungsmöglichkeiten auf der offiziellen Ebene und hier vor allem an politischen Prozessen, so z. B. mittels Wahlen, Engagement in Parteien, Einsatz in Bürgerinitiativen und Verbänden verschiedenster Art.

  • „Der Mensch muss in Aktivität kommen und das in einem Gestaltungsspielraum, den er selbst mitbestimmen kann. Es bedarf somit eines Freiraumes, gerade auch im Arbeitsleben. Denjenigen, die als Führungskräfte einen starken Drang zur Kontrolle entwickeln und möglichst detailliert vorschreiben wollen, wie die Arbeiten zu verrichten sind, sei ins Stammbuch geschrieben: Überregulierung ist ein Frontalangriff gegen Arbeitsfreude.“1

Mitbestimmt werden kann (und sollte) natürlich auch im Arbeitsbereich – und das ist aus oben genannten Gründen nicht nur für die Beschäftigten sinnvoll und notwendig, sondern eben auch für die Arbeitgeberseite. Eine stärkere Einbeziehung der Mitarbeiter*innen in Entscheidungsprozesse, eine hohe Wertschätzung durch Führungskräfte, ein guter Umgangston, Arbeitsplatzsicherheit, ein gutes Gehalt, Entwicklungsmöglichkeiten, Freiheiten und Verantwortlichkeiten – das alles steigert die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

  • „Ein Tipp für alle Vorgesetzten: Lassen Sie Ihre Angestellten unbedingt mitreden. Laut einer neuen Studie sind Arbeitnehmer motivierter und produktiver, wenn sie an wichtigen  Unternehmensentscheidungen beteiligt sind.“2

Im Frühjahr des nächsten Jahres besteht wieder einmal die Möglichkeit für die Beschäftigten an den Thüringer Bildungseinrichtungen, ihre Vertreter*innen in den Mitbestimmungsorganen (Personalräte im öffentlichen Dienst, Betriebsräte bei freien Trägern) zu wählen bzw. sich wählen zu lassen. Die meisten dieser Personal- und Betriebsräte  sind zugleich Mitglied der GEW Thüringen, der größten Gewerkschaft im Bildungsbereich, und daher widmet sich diese thüringer zeitschrift mit ihrem Schwerpunkt ganz dem Thema Mitbestimmung.

Der Schwerpunkt im Einzelnen

Was macht eigentlich so eine Personalrätin/ein Personalrat an der Schule, am Schulamt oder am Ministerium bzw. was macht so eine Betriebsrätin/ein Betriebsrat genau? Wie sieht deren/dessen Arbeitsalltag innerhalb des Mitbestimmungsorgans genau aus? Gibt es viel zu tun? Macht das Spaß? Was motiviert, was demotiviert? Ist das viel Papierkram oder eher viel Außeneinsatz an Einrichtungen? Zu diesen Fragen kommt beispielhaft mit Andreas Heimann der Vorsitzende des Bezirkspersonalrats (BPR) am Schulamt Westthüringen,
der den ganz normalen Wahnsinn an einem ganz normalen BPR-Donnerstag beschreibt, ebenso zu Wort wie Katrin Glaser vom Personalrat der Friedrich-Schiller-Universität Jena und auch Sandra Kirbis, die als Erzieherin im kommunalen Personalrat der Stadt Erfurt tätig ist. In einem spannenden Interview berichtet sie darüber, warum sie diese Personalratsarbeit so gern macht und nicht missen möchte.

Der Hauptpersonalrat (HPR) am Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG) zieht in einem nächsten Schwerpunktbeitrag ein erstes Fazit nach drei Jahren Zusammenarbeit und Mitbestimmung innerhalb des neu zugeschnittenen Ministeriums und nimmt zudem das zu erwartende überarbeitete  Personalvertretungsgesetz kritisch unter die Lupe. Zunächst war auch geplant, die Sichtweise des Arbeitgebers Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) auf den dortigen HPR mit einem Kommentar der HPR-Vorsitzenden gegenüberzustellen. Da der neue Bildungsminister Helmut Holter bis zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses
jedoch noch keine Zeit fand, persönlich im HPR aufzutreten, werden wir diesen Beitrag in die Aprilausgabe der tz verschieben. 

Der Personalrat/Betriebsrat: „Ohr und Sprachrohr der Beschäftigten“ Zu guter Letzt betrachten wir dann die Mitbestimmung bei den freien Trägern, also die Betriebsräte. Dazu schildert Nadine Hübener, Referentin für Bildung, eindringlich, warum es sich lohnt und warum es wichtig ist, die Betriebsratsarbeit zu stärken oder mithilfe der GEW Thüringen an den Einrichtungen zu gründen. 

Beschäftigte der Freien Reformschule „Franz von Assisi“ Ilmenau, die genau das vor einigen Monaten getan haben, schildern anschließend, dass der neu geschaffene Betriebsrat nun erste Erfolge bringt und sie nach und nach in die Rolle als Interessenvertretung und Sprachrohr der Beschäftigten schlüpfen. Mittlerweile werden sie auch von den Kolleginnen und Kollegen in Anspruch genommen, die einer Betriebsratsgründung zunächst skeptisch gegenüber standen. Sie begreifen sich zunehmend als Ohr und Sprachrohr der Beschäftigten, eine bemerkenswerte und möglichst beispielgebende Entwicklung auch für andere freie Träger. Die GEW Thüringen steht auf jeden Fall bereit, die Mitglieder vor Ort tatkräftig bei der Gründung von Betriebsräten zu unterstützen.

Und nun viel Spaß und viele Erkenntnisse bei der Lektüre dieses spannenden Schwerpunkts!

Michael Kummer
Redakteur


1 – Harald Görlich: Was Lebenskünstler richtig machen – von Achtsamkeit bis Zufriedenheit, Stuttgart 2017, S. 225.
2 – http://www.alltagsforschung.de/mitsprache-im-unternehmen-steigert-die-produktivitat, Zugriff am 19.11.2017

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