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Der dritte Tag meiner Bildungsreise, diesmal in Ostthüringen

16.04.2018 - Kathrin Vitzthum

Der dritte Tag meiner Bildungsreise führt mich zunächst in das Osterlandgymnasium nach Greiz bzw. Gera und am Nachmittag in die Kita Vollmershain, zwischen Gera und Crimmitschau gelegen. Hier mein Bericht:

Das Osterlandgymnasium befindet sich in Gera, aber eigentlich ist es ein Gymnasium des Landkreises Greiz. Empfangen werden wir von Olaf Senf, dem Personalrat der Schule, wenig später kommt auch der Schulelternsprecher Herr Singewald zum Gespräch hinzu. Das Osterlandgymnasium hat es derzeit nicht leicht. Allerorten ist der Unterrichtsausfall hoch, fehlt Personal, hier aber hat sich die Situation seit Beginn des Schulhalbjahres zugespitzt. So sehr, dass sich die Schule entschloss, eine ganze Klassenstufe für einen Tag zuhause zu lassen, um wenigstens den anderen Klassen regulär Unterricht erteilen zu können, immerhin stehen Prüfungen an. Was gut gemeint war, kommt bei den Eltern gar nicht gut an, meint Herr Singewald. Sie wären einfach gern früher informiert worden, Stillarbeit zuhause, das ginge doch nicht. So untersagt denn auch das Ministerium diese Notfalllösung und lässt die Schulleitung vorerst allein mit dem Problem. Zwei Langzeitkranke seit dem Jahr 2013 und von Vertretung keine Spur. Die Lehrerin für Kunst verstirbt plötzlich, auch hier kein Ersatz in Sicht. Eine Stelle für Kunst/Geschichte kann nicht besetzt werden, dafür kommt für ein halbes Jahr jetzt eine Vertretung für Sport. Olaf Senf, Sport- und Geschichtslehrer wird dann nur noch Geschichte unterrichten, zumindest so lange, wie es keine dauerhafte Lösung gibt. Die Kolleg*innen arbeiten am Limit, sagt er, sie versuchen alles, um so wenig wie möglich Unterricht ausfallen zu lassen, auch noch die Arbeitsgruppen zu bedienen, die das Schulleben ja auch ausmachen. Aber das geht nicht spurlos am Kollegium vorbei.

Später stößt der Schulleiter Küchler zum Gespräch dazu, vom Einstellungsgespräch kommt er, wieder nichts. Erstaunlich gelassen führt er uns dann durch die Schule, die wie so oft ein Plattenbau ist. Rund 500 Schüler*innen lernen hier, Tendenz sinkend, ins neue Schuljahr starten nur 35 Fünftklässler, sie hoffen noch auf Zweizügigkeit. Wenn das so weiter geht, wird es eng für die Schule. Eng ist es aber trotzdem schon, die Klassenräume recht klein, wobei für Bio, Physik und Chemie jeweils zwei Fachräume zur Verfügung stehen. Beeindruckend ist die Aula, die sich in einem Anbau befindet. Am Tag zuvor hatte ein Theaterstück Premiere, man kann die Überreste noch sehen. Preise fürs Schultheater haben sie schon bekommen, bleibt zu hoffen, dass ihnen noch weitere folgen. Die Schule hätte es verdient.

Achtzehn Kinder zwischen 2 und 6 Jahren, sechs Krippenkinder in Vollmershain - das ist die kleinste Kita in Thüringen, die ich kenne. Vier Erzieherinnen waren sie ein halbes Jahr, seit gut zwei Wochen sind sie wieder zu fünft. Eine alte Villa beherbergt vier Gruppenräume, das Sekretariat ist zugleich Zugang zur Toilette wie zur Notrutsche. Eng wirkt es nicht, dafür hell und freundlich. Das Team ist trotzdem der fast gemütlichen Arbeitsatmosphäre ziemlich aufgebracht. Lange Zeit hätten alle Beschäftigten unterschiedliche Arbeitsverträge gehabt, die einen TVöD, die anderen Stundenlöhne, und unklar ist, ob die Gemeinde Mitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband ist. Das mit dem Tarifvertrag sei jetzt geklärt, erzählt Lisa Romisch, ein junges GEW-Mitglied, auf deren Initiative wir den Besuch in der Kita machen. Schlimmer seien die flexiblen Arbeitsverträge. Flexibel sei schön und gut, aber einen Vertrag zwischen 20 und 35 Stunden, das sei für die Beschäftigten nicht zu machen. Da ist nichts planbar, wenn man nicht weiß, wie viel Geld im nächsten Monat auf dem Konto ankommt. Wir regen an, nach den Personalratswahlen das Gespräch mit dem Bürgermeister zu suchen und sichern unsere Unterstützung zu.

Das heimelige der kleinen Gemeinde hat aber so seine Tücken, man kenne sich eben, Konflikte auszutragen sei da nicht immer einfach. Früher hätten sie bspw. die Kita selbst geputzt, das mache jetzt zwar eine Frau aus dem Ort, aber deren Zeit reicht einfach nicht aus. Der Spielplatz, der zur Kita gehört, ist öffentlich und steht auch am Wochenende allen Kindern offen, unklar sei aber, wer sich um die Reinigung des Spielplatzes zu kümmern habe, einen Hausmeister gibt es nicht. Das Mittagessen wird geliefert, um Frühstück und Vesper kümmern sich die Erzieherinnen selbst. Als ich aber einen Blick in die Küche werfe, frage ich mich, wie das gehen soll. Es gibt kaum Arbeitsfläche, um Brote zu schmieren, Obst und Gemüse zu schneiden. Aber die Frauen machen das und Lisa ist besonders stolz, als sie auf das neue Beet zeigt, gemeinsam mit Eltern und Kindern sei es angelegt und die Ernte kommt selbstverständlich den Kindern zu Gute. Kollege Schindler vom Kreisverband Altenburger Land und auch Lisa Romisch selbst ließen es sich übrigens nicht nehmen, die Notfallrutsche auszuprobieren. Beide kamen heil im Sandkasten wieder an.

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