GEW Thüringen
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Der 28. Gewerkschaftstag der GEW aus sozialpädagogischer Sicht

Der Gewerkschaftstag der GEW waren 5 intensive und richtungsweisende Bildungstage. Der Hauptvorstand wurde neu gewählt und der Sozialpädagogische Bereich wurde mit Björn Köhler neu besetzt.

01.06.2017 - Heike Leipold

Unser langjähriger Leiter des Organisationsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit Norbert Hocke verabschiedete sich in den Ruhestand, wie auch sein Referent Bernhard Eibeck bereits in den Ruhestand eingetreten ist. Somit haben wir einen Generationenwechsel auf Bundesebene im Sozialpädagogischen Bereich. Neben Björn Köhler als Leiter wird Birte Rademacher als Referentin im Sozialpädagogischen Bereich auf Bundesebene tätig sein und wir werden in unserer gewerkschaftlichen Arbeit auf neue Namen stoßen.

Die Bundesfacharbeitsgruppe Sozialpädagogische Berufe setze sich im Vorfeld des Gewerkschaftstages intensiv mit den Arbeitsstrukturen im sozialpädagogischen Arbeitsfeld auseinander, Schwerpunkte der Gewerkschaftstagsanträge wurden zugearbeitet und intensiv bearbeitet.

Nach der letzten Tarifrunde und dessen Ergebnis zur Aufwertung des Berufsfeldes im frühkindlichen Bereich wurde der Antrag „Die TVÖD-Entgeltordnung für den Sozial- und Erziehungsdienst 2020 weiterentwickeln“ auf dem Gewerkschaftstag von den Delegierten begrüßt und mehrheitlich dafür ausgesprochen, bereits 2018 mit den Vorbereitungen zu beginnen. Auch in der Aussprache mit dem auf dem Gewerkschaftstag gewähltem Tarifverantwortlichen Daniel Merbitz wurde dieser Antrag  als dringlichste Aufgabe für die anstehende Tarifrunde 2020 gesehen.

Das Thema des Fachkräftemangels wurde mit dem Antrag „Den Fachkräftemangel beheben und die fachlichen Standards der Erzieher*innenausbildung beibehalten“ vom Gewerkschaftstag von allen Berufsprofessionen als ein vordringlicher Antrag verabschiedet. Zur Behebung des Fachkräftemangels wird auf eine berufsbegleitende Ausbildung  verwiesen. Die GEW fordert die dazu notwendigen Mindeststandards einzuhalten und diese nicht abzusenken.

„Wir werden es einfordern, dass die Erzieher*innenausbildung mit 2400 fachtheoretischen Unterrichtsstunden erhalten bleibt und der fachpraktische Teil in unterschiedlichen Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe abgeleistet werden kann“, so Björn Köhler. Die Anleitung und Begleitung der Absolvent*innen findet bisher keine tarifvertragliche Entlohnung, die Mentor*innen machen dies zum Nulltarif. In Vorbereitung der nächsten Tarifverhandlungen wird dieser Punkt aufgenommen und eine Vergütungsgruppe höher bzw. mindestens eine Zulage für diese anspruchsvolle Tätigkeit gefordert. Kolleg*innen, die sich in einer berufsbegleitenden Qualifizierung zum Erzieher oder zur Erzieherin befinden, dürfen nicht auf den Personalschlüssel angerechnet werden. Auch hier stellt der Antrag die Weichen,  kommunale und freie Träger dazu aufzufordern, diese Stellen erst im letzten Jahr der berufsbegleitenden Ausbildung  in die Personalplanung einzurechnen.

Ein weiterer Antrag, mit dem sich auch unsere Thüringer Kolleg*innen in einer kleinen Arbeitsgruppe auseinandersetzten, ist die Profession der Kindheitspädagogen*innen anzuerkennen und weiterzuentwickeln. Seit 2010 haben wir auch im Freistaat Thüringen die Anerkennung der Kindheitspädagog*innen seitens des Ministeriums aber es war leider nicht gelungen, die neue Berufsbezeichnung in die Merkmale der Entgeltordnung des Öffentlichen Diensts in der letzen Verhandlungsrunde mit einzubringen. Die Kolleg*innen in der Praxis werden, obwohl ein Hochschulstudium absolviert wurde, weiterhin gleich mit einem/einer Erzieher*in eingruppiert.

Die GEW hat sich klar dazu bekannt, die Profession im frühkindlichen Bereich anzuerkennen und mit dem Bologniaprozess die Weichen für eine Akademisierung zu stellen. Warum wird gerade wieder in einem von Frauen dominierten Berufsfeld dieser Prozess so blockiert? Vor 10 Jahren haben die ersten Hochschulen diese Studiengänge angeboten, der/die Kindheitspädagog*in ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Alle Delegierten des Gewerkschaftstages sprachen sich für den Antrag „Kindheitspädagog*innen als Profession anerkennen und weiterentwickeln“ aus. Dieser beinhaltet, zeitgleich eine Umsetzungskonzeption zu erstellen, die grundständigen Studiengänge weiter auszubauen, einen fachpraktischen Teil in das Studium einzufügen, mittelfristig den akademischen Anteil der Beschäftigten auf 30% in den Einrichtungen zu erhöhen und die dazu notwendigen Stellen vor Ort einzufordern.

In Vorbereitung der neuen Tarifrunde wurde dringlichst darauf verwiesen, den/die Kindheitspädagog*in in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes als neue Berufsbezeichnung aufzunehmen und die entsprechenden Tätigkeitsmerkmale in die Entgeltordnung einzuarbeiten. Eine Profession zu entwickeln bedeutet, sich für die Quotierung des akademischen Anteils der Beschäftigten auszusprechen und diese Gruppe, wie in den anderen Branchen üblich, auch endsprechend zu vergüten.  

Unsere Ziele sind klar formuliert, die Anträge setzen wichtige Akzente, nun muss in allen Gremien, auf allen Ebenen dies immer wieder eingefordert werden, auch in den nächsten Tarifverhandlungen – machen wir uns stark, d.h. ganz im Sinne unserer Gewerkschaftsinitiative „Bildung. Weiter denken!“.

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