GEW Thüringen
Du bist hier:

Aus der RedaktionDemokratie an Schule: Dürfen Thüringer Schüler*innen mitbestimmen?

Die gegenwärtigen politischen Herausforderungen zeigen deutlich auf, wie wichtig es ist, dass aus Schulen in der Demokratie auch Schulen der Demokratie werden. Und das funktioniert nur über mehr und tatsächliche Mitbestimmung und über kontinuierlichen Kompetenzerwerb in demokratischem Denken und Handeln. Gelingt dies in Thüringen?

03.04.2020

Hinter uns liegen wahrlich bewegte politische Zeiten in Thüringen: Im Herbst 2019 eine Landtagswahl, aus der vor allem die politischen Ränder hervorgingen – anschließend ein dreimonatiges Ringen, um aus den herausfordernden Mehrheitsverhältnissen eine regierungsfähige Koalition zu bilden – und dann die Wahl(en) der Ministerpräsidenten, deren Auswirkungen weit über die Landesgrenzen hinweg spürbar wurden. Thüringen steht nun vor der gewaltigen Herausforderung mit diesen Erschütterungen umzugehen, Vertrauen in politische Institutionen, Verfahren und Akteure wiederherzustellen und Tendenzen der gesellschaftlichen Spaltung entgegenzuwirken. Als Bildungsgewerkschaft vor Ort verstehen wir es dabei als eine unserer Kernaufgaben, einen Beitrag dazu zu liefern, dass Thüringen eine starke und wehrhafte Demokratie bleibt. Eine Voraussetzung hierfür ist, dass Kindern und Jugendlichen in ihrer Alltagswelt die Möglichkeit geboten wird, demokratische Strukturen und Werte erkennen, erfahren und erlernen zu können. Mitbestimmung von klein auf und als Zugang und Voraussetzung für tatsächliche gesellschaftliche Teilhabe. Kindertagesstätten und Schulen stehen hierbei in besonderer Verantwortung: Durchschnittlich 38 Stunden pro Woche verbringen junge Menschen in diesen Bildungs- und Sozialisationsinstanzen. Dies wirft die Frage auf, welche Demokratieerfahrungen Schüler*innen in Thüringen in ihrem Schulalltag machen (können) und wie das Land Thüringen ihnen das ermöglicht oder auch verunmöglicht.

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe der tz geht dem nach und nimmt die Situation von demokratischen Lern-, Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten an Thüringer Schulen in den Blick.

Hierfür wenden wir uns zunächst den ausgedehnten Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schüler*innen im überarbeiteten Schulgesetz zu, um anschließend durch Prof. Michael May forschungsgeleitet auf die bundesweiten Unterschiede hinsichtlich der Rechte zur Schüler*innenmitbestimmung zu kommen, um anschließend die Vorstellungen der Akteure selbst – also der Schülervertreter*innen – zu beschreiben. Die Landesschülervertretung stellt danach ihre Erfahrungen und Forderungen aus der Praxis dar. Politische Bildung bedarf neben demokratischen Strukturen auch eines intensiven Politikunterrichts. In trauriger Tradition liegt Thüringen hierbei im Stundendeputat im Bundesvergleich weit hinten; dies nehmen wir zum Anlass, die Situation kritisch zu beleuchten und im Interview bei Bildungsminister Helmut Holter nach der Stellung des Faches Sozialkunde nachzuhaken. Ganz praktisch und konkret wird es, wenn wir in Interviews mit Lehrer*innen aus der Region praktische Umsetzungserfolge von Demokratieprojekten präsentieren. Da Demokratiebildung aber nicht nur eine Notwendigkeit in der Schule ist, sondern auch bereits im Kita-Bereich eine Rolle spielen kann und soll, haben wir den mit großem Zuspruch durchgeführten GEW-Fachtag näher unter die Lupe genommen. Welche Vorschläge und Handlungsempfehlungen geben die Expert*innen für die frühkindliche Demokratiepädagogik?

Das Redaktionsteam – bestehend aus Ilka Maria Hameister, Marcel Helwig, Michael Kummer und Justin Walther – wünscht dabei viel Spaß und erkenntnisreiches Lesen!

Zurück