GEW Thüringen
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Davor ist nicht danach

Die Sommerferien begannen mit einer Pressekonferenz der AfD, die die sofortige Abschaffung des Thüringer Bildungsplanes bis 18 Jahre forderte.

12.09.2016 - Kathrin Vitzthum

Spontan traf sich die GEW Thüringen mit dem Landesausschuss Diversity, der Landesschülervertretung, dem Landesfrauenrat, dem LSVD Thüringen und vielen anderen Akteur*innen vor dem Thüringer Landtag, um den zur Pressekonferenz eilenden Journalist*innen noch ein paar wichtige Fakten auf den Weg zu geben. Denn Fakt ist: Der rund 370 Seiten umfassende Bildungsplan ist eine Unterstützung für alle Pädagog*innen, um die Lernbedürfnisse von Kindern und Schüler*innen noch besser verstehen und mit Blick auf den Lehrplan spannende Lernarrangements entwickeln zu können. Die Reduktion des Bildungsplans auf das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt durch die AfD wird dem Bildungsplan, der bisher hauptsächlich in der frühkindlichen Bildung umgesetzt wurde, in keinster Weise gerecht.

Die Überleitung der ehemals kommunalen Erzieher*innen ist abgeschlossen.

Das Modellprojekt „Weiterentwicklung der Thüringer Grundschulen“ ist damit nach acht Jahren beendet. Gut so, sagen wir als GEW Thüringen, weil Grundschule und Hort eine organisatorische und pädagogische Einheit bilden. Nach vielen Baustellen und öffentlichen Auseinandersetzungen stellen wir fest, dass die Überleitung am Ende dank der Aktivitäten der GEW Thüringen für die allermeisten gelungen ist. Dennoch sind wir nicht zufrieden: Offenbar konnten nicht alle Beschäftigten ihre vereinbarten Beschäftigungsumfänge mitnehmen, andere kämpfen noch um ihre angemessene Eingruppierung. Für die immer im Landesdienst Beschäftigten hat sich leider nichts geändert. Und, so steht zu vermuten, wird es wohl auch in der nächsten Zeit nicht. Das werden wir nicht hinnehmen. Unser Ziel bleibt die Ganztagsschule mit klar definierten Aufgaben für alle Erzieher*innen und damit verbunden das Ende der prekären Beschäftigung auf halben Stellen.

In der Erwachsenenbildung Thüringens knirscht es.

Nicht nur, dass die Umsetzung des Bildungsfreistellungsgesetzes erst jetzt, anderthalb Jahre nach Verabschiedung, langsam in die Gänge kommt. Die Novelle des Erwachsenenbildungsgesetzes scheint keine große Reform zu werden. Zwar wird es für die Einrichtungen mehr Geld geben und die eine oder andere Klarstellung. Eine Planungssicherheit für die Einrichtungen, eine tariflich angemessene Bezahlung der Beschäftigten sowie ein Ausbau der dringend notwendigen Angebote sieht diese Novelle leider nicht vor. Eine vertane Chance, dass ist unsere enttäuschte Einschätzung.

Mittlerweile hat das neue Schuljahr 2016/17 begonnen.

Die rund fünfhundert neuen Lehrer*innen heißen wir in den Thüringer Schulen herzlich willkommen und wünschen ihnen und den anderen Kolleg*innen einen guten Start. Bedauerlicherweise haben
sich die Probleme wie Personalmangel, Langzeiterkrankungen, Arbeitsbelastungen über die Sommerferien nicht in Luft aufgelöst. Unserer Einschätzung nach wird es schwieriger werden, in allen Schulen den Unterricht fachgerecht abzudecken. Insbesondere an den Regelschulen und in den Schulamtsbezirken Süd-, West- und Nordthüringen stellen wir uns auf hohe Belastungen ein. Sorgen bereitet uns auch, dass der Umfang der befristeten Stellen im Bereich des Ministeriums zunimmt. Prekäre Beschäftigungverhältnisse gehen immer zu Lasten der Betroffenen. Wir sagen ganz klar: Befristungen und unfreiwillige Teilzeit sind keine Personalpolitik, die einer rot-rot-grünen Landesregierung würdig ist.

Die Thüringer Landesregierung hat mit dem Vorschaltgesetz den ersten Schritt zur Gebietsreform geschafft.

Mit der Gebietsreform rückt auch die Funktional- und Verwaltungsreform in den Blick der GEW Thüringen. Es gilt, sich schon jetzt auf eine Reihe von Fragen vorzubereiten: Wie wird die Schulverwaltung zukünftig gestaltet werden? Welche Aufgaben übernehmen Schulämter, wird es die fünf regionalen Schulämter überhaupt geben? Welche Auswirkungen hat eine Gebietsreform auf die Schulnetzplanung? Welche auf die Personalausstattung und –lenkung? Was passiert mit den Personalvertretungen in den verschiedenen Stufen? Ein spannender Prozess, den die GEW Thüringen kritisch und konstruktiv begleiten muss: Im Sinne guter Bildung und guter Arbeit für alle. Davor ist nicht danach: Mit eigenen Vorstellungen lassen sich manche Dinge viel besser gestalten als die mühsame Korrektur im Nachgang.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Liste der zu lösenden Aufgaben ist lang.

Wir brauchen Euch - Euren Mut, Eure Ideen, Eure Tatkraft, um erfolgreich für die Verbesserungen Eurer Arbeitsbedingungen kämpfen zu können. Engagiert Euch und bringt Eure Kolleginnen und Kollegen gleich mit zur GEW.

Gemeinsam. Engagiert. Wirksam.

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