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Datenbasiertes Schulleitungshandeln

Heft 1/2018 der von der GEW herausgegebenen Zeitschrift „Die Deutsche Schule“ befasst sich im Themenschwerpunkt mit „Datenbasiertem Schulleitungshandeln“.

04.06.2018 - Sylvia Schütze

Schulleitungshandeln gilt als ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht. Der Anspruch, strategische und operative Entscheidungen auf Basis belastbarer Daten zu treffen, ist mit der Hoffnung verbunden, Schulleitungshandeln effektiver zu machen – im Sinne der optimalen Entwicklung der Leistungspotenziale von Schülerinnen und Schülern – und effizienter zu gestalten – im Sinne eines gezielten und bedarfsorientierten Einsatzes von Ressourcen. Dabei zeigen einige Befunde aus dem angelsächsischen Raum, dass insbesondere Schulen mit einem hohen Anteil an leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern, die über wenig familiäre Unterstützungssysteme verfügen, mit der systematischen Nutzung von Daten ein wirksames Instrument der Schulentwicklung besitzen. Auch im deutschsprachigen Raum wird dieses Potenzial zunehmend entdeckt, gerade in Bezug auf das Handeln von  Schulleitungen. Diese sind dabei nicht nur selbst Nutzer von Daten für strategische und operative Schulentwicklung; sie übernehmen auch die Funktion, die Datennutzung durch Fachkonferenzen oder Lehrpersonen zu unterstützen. Insgesamt ist jedoch wenig bekannt über die Praxis der Nutzung von Daten durch (deutsche) Schulleitungen sowie förderliche und hemmende Einflussfaktoren auf ein datenbasiertes Schulleitungshandeln und dessen Wirkungen.

In den Beiträgen des Schwerpunkthefts, das von Felicitas Thiel (FU Berlin), Stefan Brauckmann (Univ. Klagenfurt) und Isabell van Ackeren (Univ. Duisburg-Essen) herausgegeben wird, werden internationale und nationale Perspektiven und unterschiedliche Zugänge (Literaturstudie, qualitative und quantitative Ansätze) zur Analyse der Datennutzung durch Schulleitungen gewählt.

  • Der Beitrag von Rick Mintrop und Erin Coghlan (Univ. of Berkeley, CA) knüpft an den US-amerikanischen Diskurs und Forschungsstand an; hier gibt es bereits eine lange Tradition der datengestützten Schulentwicklung. Auf der Basis einer umfassenden Literaturstudie arbeiten sie heraus, welche Art von Daten genutzt wird, welche Infrastruktur dafür vorliegt, welche Formen und konkreten Maßnahmen der Nutzung unterschieden werden können und welche Rolle hierbei insbesondere der Schulleitung, aber auch den Schulbehörden zukommt.
  • Der Beitrag von Esther Dominique Klein (Univ. Duisburg-Essen) bezieht sich ebenfalls auf den US-amerikanischen Raum. Der Schwerpunkt liegt auf datengestütztem Handeln von erfolgreich arbeitenden Schulleitungen an Schulen in schwierigen sozialen Lagen in Kalifornien. Auf der Basis von Fallstudien fragt die Autorin, inwiefern der sogenannte „transformationale“ Führungsstil beim Umgang mit Daten Routinen aufbrechen helfen kann, wie sie etwa durch eine negative Orientierung der Lehrkräfte auf die Schülerschaft und/oder die schlechten Bedingungen entstehen. Dabei geht es einerseits um die Möglichkeit, eigene Annahmen datengestützt zu überprüfen und zu reflektieren, und andererseits um die Chance, das eigene Handeln auf der Basis von Daten als selbstwirksam zu erleben. Klein fragt, wie Schulleitungen zu so einem Klima der „Machbarkeit“ beitragen können.
  • Aus nationaler Perspektive und auf der Grundlage schriftlicher Schulleitungsbefragungen in Berlin und Brandenburg befassen sich Katharina Kronsfoth (TU München), Tanja Graf (Univ. Mainz), Barbara Muslic und Harm Kuper (FU Berlin) mit dem konkreten Instrument der Vergleichsarbeiten VERA 8 und seiner Nutzung. Sie fragen nach dem Zusammenhang zwischen Führungsdimensionen in der Schulleitung und der Nutzung von Ergebnisrückmeldungen aus Vergleichsarbeiten. Dabei differenzieren sie zwischen direktiven, diskursiven und delegativen Führungspraktiken; ihre Befunde liefern Hinweise darauf, welche Führungsstile mit welcher Nutzungsaktivität positiv oder negativ in Zusammenhang stehen.

In den Schwerpunktbeiträgen wird jeweils auf die Bedeutung von Professionalisierung und Unterstützung im Umgang mit Daten einerseits und den Möglichkeiten ihrer reflektierten Integration in die Handlungspraxis andererseits hingewiesen. Dabei kommt Schulleitungsmitgliedern eine besonders bedeutsame Rolle für das zu, was in Fortbildungs-, Coaching- und Schulberatungsangeboten stärker adressiert werden sollte. 

Neben dem Schwerpunkt diskutieren David J. Connor (City Univ. of New York) und Hans-Werner Johannsen (Tarp) Aspekte des Themenfeldes Inklusion. Der eine fokussiert aus US-amerikanischer Perspektive Herausforderungen für die Lehrerbildung. Der andere betrachtet den „schwierigen Weg“ zur Inklusion im Hinblick auf die deutsche Situation; dabei geht er von der Hypothese einer „Akzeptanzschwelle“ aus und stellt Überlegungen zu einem möglichen Neustart an.

Die DDS kann online – auch einzelne Artikel – und gedruckt bezogen werden. Abstracts zu den Beiträgen sowie Bestellmöglichkeiten sind hier zu finden.

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