GEW Thüringen
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Da muss noch eine Schippe drauf!

Es war das erste Treffen dieser Art. Der Ministerpräsident lud die acht DGB-Gewerkschaften und den Thüringer Landeschef des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen am 06. September zum Verbändegespräch. Alle Ministerien waren vertreten, teils durch die Minister*innen selbst, teils durch ihre Staatssekretär*innen. Nein. Nicht alle Ministerien. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport glänzte durch Abwesenheit.

27.09.2016 - Kathrin Vitzthum

Ob es an vollen Terminkalendern lag oder nicht: Für die GEW Thüringen war das doch ein Zeichen, dass in der Thüringer Bildungspolitik leider einiges im Argen liegt. Doch dessen ungeachtet: Das Verbändegespräch war insgesamt konstruktiv und offen, auch wenn die Positionen wie zum Beispiel bei der Frage des Stellenabbaupfades erwartungsgemäß auseinander gingen. Immerhin wurde vereinbart, dass die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes, also GEW, GdP und ver.di Zahlenmaterial erhalten und bei einem gesonderten Termin Gelegenheit erhalten, die Einstellungspolitik des Landes zu diskutieren. Das ist nicht übermäßg viel, aber mehr als wir bisher wahrnehmen konnten.

Nun, GEWerkschaften sind nie zufrieden, es könnte immer noch ´ne Schippe mehr drauf. Aber echte Zufriedenheit will sich auch nach zwei Jahren rot-rot-grüner Bildungspolitik nicht einstellen. Viele Baustellen mussten übernommen werden, neue Baustellen wurden, teils ohne Not, hinzugefügt.

Und so scheint die Thüringer Bildungslandschaft derzeit zerklüftet

Ja, die Hortüberführung in den Landesdienst, wie die GEW Thüringen es forderte, ist beendet, dabei offenbar aber ins Loch von 2008 zurückgefallen. Die Personalberechnung orientiert sich leider nicht an den Erfahrungen des Modellprojektes. Dort war es häufiger üblich, für nur 18 Kinder ein*e Erzieher*in einzusetzen; seit der Rückführung wird fast überall mit dem Faktor 25 gerechnet, eine Fachkraft-Kind-Relation, der es an pädagogischer Sinnhaftigkeit mangelt. Fällt eine Erzieher*in mal krankheitsbedingt aus, muss an einer zweizügigen Schule eine Erzieher*in mal eben mit fünfzig Kindern klar kommen. Mit Blick auf die Entwicklung hin zur Ganztagsschule ist das ein schwerer Rückschritt. Wir fordern das Bildungsministerium auf, an dieser Stelle deutlich nachzubessern, wenn die Überleitung der Horte in den Landesdienst kein Bärendienst gewesen sein soll.

Wo bleibt die Ministerin?

Lehrer*innen haben einen Job mit besonderen Belastungen. Dies anerkennend haben der Hauptpersonalrat im TMBJS - Bereich Schule - und das Ministerium eine Dienstvereinbarung zum Gesundheitsmanagement verhandelt. Sie ist fertig. Sie ist gut. Sie ist aber nicht unterzeichnet. Dazu bräuchte es eine Bildungsministerin, die bei der Gemeinsamen Sitzung den Stift zückt und ihr Kürzel unter eine Vereinbarung setzt, die es den Kolleginnen und Kollegen in den Schulen ermöglicht, gesund zu bleiben und den Belastungen gewachsen zu sein. Und es wäre auch ein wichtiges Signal an die hohe Zahl der Langzeitkranken, dass sich der Arbeitgeber um ihre Gesundheit ernsthaft kümmert.

Den Preis zahlen die Lehramtsanwärter*innen

Mit dem neuen Schuljahr haben die Lehramtsanwärter*innen den zweiten Teil ihrer Ausbildung begonnen. Ein Schock für jene, die Grundschullehrer*innen werden wollen: Ihr Vorbereitungsdienst wird automatisch auf zwölf Monate verkürzt, wenn Praktika und schulpraktische Studien nachgewiesen werden. Bisher wurden die Anträge auf Verlängerung auf 18 Monate bewilligt, seit diesem Schuljahr nicht mehr. Will man damit einfach schneller Grundschullehrer*innen auf dem Arbeitsmarkt haben? Aus unserer Sicht ein hoher Preis, wenn Lehramtsanwärter*innen in deutlich kürzerer Zeit ihren Vorbereitungsdienst absolvieren sollen. Welche Auswirkungen das auch später einmal auf ihre Eingruppierung haben kann, haben wir in unseren Stellungnahmen deutlich gemacht.

Reizwort Inklusion?

Wohl kein*e Lehrer*in zweifelt mehr daran, dass sich Schulen wie auch die gesamte Gesellschaft zu inklusiven Systemen entwickeln müssen. Die Umsetzung inklusiver Schule ist seit 2003 in Thüringen Realität, an fast allen Schulen arbeiten Lehrer*innen, Förderpädagog*innen, Sonderpädagogische Fachkräfte und Erzieher*innen im Gemeinsamen Unterricht. Das allerdings unter teils schlechten Umständen, ohne Weiterbildung, ohne personell und sächlich ausreichende Ausstattung. Und so fällt auf die notwendige Debatte um das Inklusive Schulgesetz immer wieder ein Schatten. Die GEW Thüringen sagt es hier noch einmal deutlich: Ohne eine materielle Untersetzung wird das Inklusive Schulgesetz zu einer leeren Hülle. Das kann nicht im Interesse der Landesregierung sein. Und das werden wir im Interesse der Kinder und der Beschäftigten auch nicht zulassen.

Gemeinsam. Engagiert. Wirksam.

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