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Teststrategie ThüringenCorona-Selbsttests in der Kindertagesbetreuung

Das Personal in Kitas und in der Kindertagespflege kann sich nun zweimal wöchentlich kostenlos selbst testen. Für Kinder ab 3 Jahren soll es ebenfalls altersangepasste Selbsttests geben. Die praktische Umsetzung ruft allerdings unsere Kritik auf den Plan.

19.04.2021 - Nadine Hübener

Am 16. April trat die Zweite Verordnung zur Änderung der Thüringer Verordnung über die Infektionsschutzregeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in Kindertageseinrichtungen, der weiteren Jugendhilfe, Schulen und für den Sportbetrieb in Kraft. Diese regelt in § 12a nun die Teststrategie für die Kitas und die Kindertagespflege.

In diesem Beitrag unternehmen wir den Versuch, Licht ins Dunkle dieser Verordnungsänderung zu bringen (Quelle: FAQ - Antworten auf häufig gestellte Fragen des Bildungsministeriums, Stand: 16. April 2021, 16:00 Uhr unter https://bildung.thueringen.de/ministerium/coronavirus/kita), auf praktische Umsetzungsschwierigkeiten (wenn nicht gar -unmöglichkeiten) hinzuweisen und unsere GEW-Forderungen, die die Perspektive der Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung widerspiegeln, noch einmal zu verdeutlichen.

Die Sicht der GEW und ihre Kritik an der praktischen Umsetzbarkeit der Selbsttests bei Kindern sind in diesem Beitrag als fettgeschriebene Sätze deutlich markiert.

 

Test allgemein

Verantwortlich für die Organisation (Beschaffung, Verteilung etc.) der zwei Selbsttests je Wocheist der Träger der Einrichtung.

Das Interesse an einer Testung soll formlos und schriftlich gegenüber der Einrichtungsleitung angezeigt werden.

Die GEW rät: Stelle noch heute Deinen formlosen schriftlichen Antrag!

Die Einrichtungsleitung soll die Ausgabe und das Testergebnis dokumentieren. Die Testung soll in der Regel in der Einrichtung erfolgen.

Die Fachkräfte und die Kinder sind während der Testung über den gesetzliche Unfallschutz versichert. Sofern es durch die Covid-19-Selbsttestung zu einer Verletzung kommt, ist unmittelbar die Aufsichtsperson zu informieren.

Tests für die Kinder

Voraussetzung für die Durchführung von Testungen mit Kindern ist, dass die Personensorgeberechtigten damit einverstanden sind. Das TMBJS empfiehlt das Einholen einer Einverständniserklärung. Hierzu werden entsprechende Mustervorlagen durch das TMBJS zur Verfügung gestellt.

Die Pädagog:innen sollen die Selbsttests in geeigneter Weise in den pädagogischen Alltag integrieren, die Kinder entsprechend ihres jeweiligen Entwicklungsstandes zur Testdurchführung anleiten, mit dem jeweiligen Kind den Test durchführen und die Ergebnisse dokumentieren.

Die GEW stellt klar: Die Testung von Kindern gehört nicht zu den pädagogischen Aufgaben von Erzieher:innen und Kindertagespflegepersonen. Sie stellt eine zusätzlich Aufgabe dar und ist auch als solche zu behandeln.

Die GEW fordert: Den Erzieher:innen, die freiwillig die Selbsttests der Kinder „begleiten“, ist geeignetes Schutzmaterial (mindestens qualifizierte Maske und Handschuhe, besser sogar Schutzkleidung) zur Verfügung zu stellen!

Die Pädagog:innen, die die Selbsttest der Kinder „begleiten“, werden vorab nicht geschult. Das TMBJS verweist auf die Anleitungsvideos der Hersteller.

Die GEW findet: Die Träger sollten ihren Beschäftigten qualifiziertes Anleitungsmaterial zur Verfügung stellen. Es gehört nicht zu den pädagogischen Aufgaben, sich zur Handhab- und Durchführbarkeit von Corona-Tests zu belesen.

Laut TMBJS sollen nur in begründeten Ausnahmefällen die Tests der Kinder zu Hause erfolgen.

Die GEW meint: Selbsttests der Kinder vor dem Betreten der Einrichtungen wären die bessere Variante!

Wenn Kinder keine Testung machen möchten, dürfen sie auf keinen Fall gegen ihren Willen erfolgen.