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Die Situation an den Studienseminaren„Corona kann und sollte als eine Art Zäsur gesehen werden.“

Die besonderen Herausforderungen während der Pandemie machen auch vor den Studienseminaren nicht Halt. Heike Scheika, Leiterin des Studienseminars Gera, hat uns hierzu in schriftlicher Form ausführlich auf unsere Fragen geantwortet.

07.06.2021 - Die Fragen wurden von Jana Bonn und Michael Kummer gestellt.

Die Lockdowns und diversen Hygieneschutzmaßnahmen haben sicherlich auch Ihren Arbeitsalltag gehörig durcheinandergebracht bzw. verändert. Was hat sich im Vergleich zur Zeit vor Corona für Sie persönlich denn geändert?

Seit dem Lockdown im März 2020 haben sich die Anforderungen an Seminarleitungen verändert bzw. erweitert. Auf allen Seiten herrschte zunächst vor allem Ungewissheit und Unsicherheit, wie es weitergeht. Zuerst stand die Erarbeitung von Strategien zur Bearbeitung von obligatorischen organisatorischen Aufgaben an, um in der Ausbildung handlungsfähig zu bleiben. Von einer Woche auf die andere wurde die Ausbildung der Lehramtsanwärter:innen umorganisiert, damit eine kontinuierliche Ausbildung auch weiterhin gewährleistet werden konnte. Dazu gehörte, die Kontakt- und Ausbildungsmöglichkeiten zwischen den Lehramtsanwärter:innen und den Fachleiter:innen neu zu organisieren und Formate zu entwickeln, die einen intensiven Austausch der Fachleiter:innen untereinander und mit der Seminarleitung ermöglichten. Da am Staatlichen Studienseminar Gera schon in der Zeit vor Corona die Arbeit mit digitalen Medien einen Schwerpunkt in der Ausbildung bildeten, gelang es ohne größere Probleme, alle Seminarveranstaltungen online durchzuführen. Die Fachleiter:innen am Studienseminar für das Lehramt an Grundschulen waren durch vorherige seminarinterne Fortbildungen gut auf die Anforderungen, welche die digitalen Ausbildungsveranstaltungen mit sich brachten, vorbereitet.

Dennoch war es für alle eine herausfordernde Zeit. Die Fachleiter:innen wurden parallel zu ihren Ausbildungsaufgaben im Rahmen von Arbeitsberatungen kontinuierlich fortgebildet. Sie investierten für ihre Professionalisierung über das normale Maß hinaus Zeit sowie Energie und zeigten ein überaus großes Engagement. Von 100 % Präsenzvorbereitungsdienst nach den Schulschließungen auf 100 % Seminare online. An dieser Stelle gilt allen, die das geleistet haben, den Fachleiter:innen, aber auch allen Lehramtsanwärter:innen und Lehrkräften in der Nachqualifizierung ein wirklich großer Dank für die Mitwirkung und die Geduld in dieser besonderen Zeit.

Wir haben im Sommer 2020 den Jahrgang, der zum 1. Februar 2020 noch in Präsenz den Vorbereitungsdienst begonnen hatte, gefragt, wie sie diese Zeit erlebt haben. Der Tenor der Rückmeldungen war äußerst positiv, wie folgendes Zitat beispielhaft zeigt: „Die Umstellung auf den Online-Betrieb erfolgte mit beachtlicher Geschwindigkeit, lückenlos und ohne an Qualität zu sparen. Die Inhalte wurden hochwertig vermittelt und die LAA zielführend einbezogen. Vielen Dank dafür!!!“ Fazit dieses Jahrgangs war, dass sie sich durchaus zukünftig einen Mix aus Online- und Präsenzveranstaltungen für die Zeit des Vorbereitungsdienstes vorstellen könnten.

Grundsätzlich sprachen jedoch alle von einer höheren Arbeitsbelastung. Es galt, die verschiedenen Informations- und Kommunikationskanäle zu managen, um keine Termine zu verpassen. Neben der Kommunikation mit dem Studienseminar mussten auch die Herausforderungen an den Ausbildungsschulen gemeistert werden, die von jedem ein hohes Maß an Flexibilität, Selbstverantwortung und Aufgabenmanagement erforderten.

Doch auch in den Räumen des Studienseminars ist die Corona-Pandemie sichtbar. Desinfektionsspender wurden angeschafft, Wege und Abstandsanforderungen markiert, Desinfektionsmittel, Masken und andere Materialien bestellt, welche für die Umsetzung der gültigen Hygienemaßnahmen notwendig sind. Der Kontakt zu den anderen Kolleg:innen erfolgt auf Distanz und mit Maske.

Seminarveranstaltungen können derzeit nicht in Präsenz stattfinden. Das gilt jedoch nicht für die Staatsprüfungen, welche unter Einhaltung vorgegebener Hygieneregeln in den Räumen des Studienseminars stattfinden. Als Seminarleiterin war und ist es meine Aufgabe, die Vorgaben des TMBJS zur Umsetzung der Thüringer Verordnungen über die Infektionsschutzregeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus auf die Bedingungen der Ausbildung anzupassen, verschiedene Handlungsanweisungen zu erstellen, die in den Räumen des Studienseminars ein hygienisches Umfeld ermöglichen. Es gilt, Betriebsanweisungen anzupassen, Informationen für Besucher zu erstellen sowie Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte stetig anzupassen.

Inwiefern haben sich die Abläufe innerhalb des Vorbereitungsdienstes in der Coronazeit geändert? Vor welchen besonderen Problemen und Herausforderungen stehen die Lehramtsanwärter:innen und was gelingt dabei gut oder weniger gut?

Die Anforderungen an die Ausbildung, die in der ThürAZStPLVO grundgelegt sind sowie die Vorgaben aus den Thüringer Ausbildungscurricula, müssen, auch in dieser Zeit, umgesetzt werden. Alle Lehramtsanwärter:innen schließen den Vorbereitungsdienst mit einer zweiten Staatprüfung ab. Die Umsetzung vieler Anforderungen, vor allem der Lehrprobe und Praktischen Prüfung, wenn diese nicht vor Schüler:innen stattfinden kann, stellen alle Beteiligten vor Herausforderungen. Für diesen Fall wurden im letzten Frühjahr die inhaltlichen und organisatorischen Anforderungen an eine s.g. Prüfungsersatzleistung für Thüringen durch das TMBJS festgeschrieben. Dieses Prozedere basiert auf Bedingungen, auf die sich die Länder im Rahmen der KMK geeinigt hatten.

In einer aktuellen Umfrage am Studienseminar Gera empfinden die Lehramtsanwärter:innen bzw. die Lehrkräfte in der Nachqualifizierung die kurzfristige Entscheidung, ob eine praktische Prüfung bzw. Lehrprobe in Präsenz oder als Ersatzleistung stattfinden kann, als einen großen Unsicherheitsfaktor. Die aktuell ständig wechselnden Umstände, wie Schließung der Schulen für den Präsenzunterricht, Wechselunterricht, Notbetreuung, die unterschiedliche Umsetzung von Distanzunterricht, die Notwendigkeit zum Einhalten der Abstandsregeln in der Klasse, den Unterricht mit Maske wird als enorme Belastung empfunden, ebenso wie die geringen Erfahrungen im Präsenzunterricht. Ein/e Teilnehmerin drückte es in Zahlen aus: „Von insgesamt 23 Schulwochen wurden bisher 15 Wochen im Distanzlernen verbracht.“ Dieser Mangel an Erfahrungen im Präsenzunterricht wird als Mangel an realistischer Praxis erlebt. Diese Bezeichnung „realistische Praxis“ resultiert auf den bisherigen Erfahrungen und den individuellen Vorstellungen, wie Lernen funktioniert. Realistische Schulpraxis, so glaube ich, wird sich in Zukunft ändern müssen, um den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen in der schulischen Bildung in einer Kultur der Digitalität gerecht zu werden. Ich hoffe, die zukünftigen Lehrkräfte werden in ihrem beruflichen Alltag von diesen Erfahrungen aus der Pandemie profitieren können.

Entsprechend der Vorgaben der ThürAZStPLVO müssen im Vorbereitungsdienst Lehrproben stattfinden. Gerade die Lehramtsanwärter:innen und Lehrkräfte in der Nachqualifizierung, die ihre Ausbildung in 12 Monaten ablegen müssen, erleben die fehlende Unterrichtspraxis vor einer Lehrprobe als Unsicherheit. Ein Hinausschieben der Lehrproben auf später ist wegen des straffen Zeitplans nur begrenzt möglich, um Fristen und Anforderungen der Zweite Staatsprüfung trotz der schon erweiterten Prüfungszeiträume rechtskonform umsetzen zu können.

Nicht nur die Unterrichtspraxis wird vermisst, häufig können auch weniger Erfahrungen in der Elternarbeit, bei der Organisation von Wandertagen bzw. Exkursionen oder in der Bewertung von Schülerleistungen gesammelt werden. Es werden die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen an den Ausbildungsschulen sowie Feedback und Beratung vermisst. Ein/e Lehramtsanwärter/in formuliert es so: „Ich denke, für viele stellen der Wegfall von Praxis und Feedback große Probleme dar. Ersatzleistungen statt Lehrproben sind zwar besser als nichts, aber ich lerne jeden Tag mehr zu schätzen, wie wichtig regelmäßiges und gutes Feedback ist. Wenn nun aber der Unterricht vor dem Feedback wegfällt, können entscheidende Verhaltensweisen im Klassenraum nicht reflektiert werden.“

Bisher wurde von allgemein fehlenden praktischen Erfahrungen im Präsenzunterricht gesprochen. Unterricht in Stufe gelb oder Distanzunterricht sieht jedoch oft das Unterrichten in nicht allen Fächern der Stundentafel vor. In der Umfrage wurde davon berichtet, dass im Distanz- oder Wechselunterricht der Grundschule häufig nur die Fächer Mathematik, Deutsch und Heimat- und Sachkunde unterrichtet werden und kaum oder nur wenige Unterrichtserfahrungen in den Fächern Sport, Ethik, Musik, Schulgarten, Werken, Kunst usw. gesammelt werden können. Dies gilt ebenso für die anderen Schulformen. Ein/e Lehramtsanwärter/in schreibt dazu: „Die Arbeit am und mit dem Kind ist selten bis gar nicht möglich. Teile meines Fachbereichs kann ich nicht erproben: Singen mit Kindern, Tänze mit Kindern.“

Während der Jahrgang (Lehramt an Grundschulen) mit Beginn zum 1. Februar 2020 mit Präsenzausbildung gestartet ist, findet die Seminarausbildung der Jahrgänge zum 1. Mai, 1. August, 1. November 2020 sowie zum 1. Februar und 1. Mai 2021 bis auf wenige Ausnahmen im September 2020 komplett online statt. Unterrichtsbesuche der Fachleiter:innen an den Ausbildungsschulen finden in den Stufen grün und gelb, im Wechselunterricht oder bei Unterricht in Abschlussklassen in Präsenz statt. Ansonsten nehmen Fachleiter:innen an (Unterrichts-) Videokonferenzen teil, sehen aufgezeichnete Unterrichtsstunden an, die gemeinsam ausgewertet werden, oder beraten zum Distanzlernen.

In der Umfrage bedauern die Lehramtsanwärter:innen den fehlenden Kontakt untereinander und vermissen den direkten Ausstauch und die praktische Arbeit im Präsenzseminar. Auch bezogen auf die Mündliche Prüfung, die in Thüringen eine kompetenzorientierte Prüfung ist, äußern die Lehramtsanwärter:innen die Sorge, nicht alle Anforderungen erfüllen zu können. Das zentrale Anliegen dieser Mündlichen Prüfung ist das „Reflektieren der eigenen praktischen Erfahrungen und Kompetenzen und deren Entwicklung sowie die hieraus abzuleitenden Konsequenzen“. Gerade in diesem Prüfungsteil können jedoch die unter den aktuellen Bedingungen an Schule gesammelten vielfältigen Erfahrungen, eben auch im Distanzlernen oder im Wechselunterricht, eingebracht werden. Da ergeben sich aus meiner Sicht vielseitige Ansatzpunkte in den Handlungsfeldern eines Pädagogen. Hier möchte ich allen Prüflingen Mut zusprechen, ihre Erfahrungen zu reflektieren und Konsequenzen zu benennen.

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Die Dringlichkeit der Digitalisierung von Schule und der Nachholbedarf ist offensichtlich. Welche Schwerpunkte sollten Ihrer Meinung nach dabei gesetzt werden?

Corona kann und sollte als eine Art Zäsur gesehen werden. Plötzlich waren Präsenzunterricht oder Präsenzseminare in Klassen- und Seminarräumen, zumindest temporär und in der bisher bekannten Form, unmöglich. Es bedurfte digitaler Lösungen und der Bereitschaft, sich auf die neue Situation flexibel und schnell einzulassen. Joschka Falk entwickelte in seinem Blog (www.joschafalck.de/utopien-von-schule) Ansatzpunkte für eine zeitgemäße Schulentwicklung. Hierin liegt aus meiner Sicht ein wesentlicher Schwerpunkt. In den sozialen Medien, u.a. im #Twitterlehrerzimmer diskutieren engagierte Kolleginnen und Kollegen darüber, wie zeitgemäßer Unterricht aussehen könnte, welche Veränderungen nach Corona beibehalten werden und dauerhaft in den schulischen Alltag integriert werden sollten. Viele Lehrkräfte und Schulleitungen, auch an Thüringer Schulen, haben trotz der erheblichen Mehrbelastungen im Distanzunterricht, im Krisenmanagement oder in der Distanzkommunikation viel dazugelernt und an ihren Schulen Entwicklungsprozesse angestoßen.

Diese Erfahrungen müssen gebündelt, ausgewertet und in eine Zeit nach Corona überführt werden. Darüber hinaus müssen die dafür notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um gute Schule zeitgemäß gestalten zu können. Dies gilt ebenso für die Lehrkräfteausbildung allgemein und die Ausbildung im Thüringer Vorbereitungsdienst.

In welcher Form müssten die zukünftigen Lehrer:innen auch die Fähigkeit des digitalen Unterrichtens beigebracht bekommen und welche Rolle sollten die Studienseminare dabei spielen?

Die Herausforderung, schulische Lehr- und Lernprozesse in der Zeit der Corona-Pandemie zu organisieren, hat den Fokus auf die Potenziale sowie die Notwendigkeit des Lernens mit digitalen Medien verstärkt. Gesellschaft und damit auch die Schule befinden sich in einem digitalen Wandel. Dieser Transformationsprozess wird auch die Lehrkräfteausbildung zunehmend verändern.

Die Anforderungen an die Kompetenzen von Lehrkräften sind im DigComb, dem Europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen, ausführlich beschrieben. Die KMK hat bereits 2016 in ihrer Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ einen Kompetenzrahmen mit verbindlicher Anforderungen in sechs Kompetenzbereichen geschaffen. Der OECD-Lernkompass 2030 soll Lehrkräften Orientierung geben, die Schüler:innen auf die verantwortungsvolle Gestaltung ihrer Gegenwart und Zukunft vorzubereiten. Die in den hier beispielhaft genannten Dokumenten beschriebenen Fähigkeiten sind in der heutigen Arbeitswelt ein Schlüssel zur Beschäftigungsfähigkeit des Menschen.

Es stellt sich nun die Frage, wie angehende Lehrkräfte zum einen selbst diese Kompetenzen erwerben und zum anderen in ihrer Ausbildung vorbereitet werden, diese Kompetenzen auch als Lehrkraft bei ihren Schüler:innen fördern zu können. Auf dem Weg vom Wissen zum Handeln gibt es verschiedene didaktisch-methodische Konzepte, die konsequent auch im Vorbereitungsdienst umgesetzt werden müssen. Die Kompetenzorientierung in der Ausbildung ist ein erster Schritt. Ein problem- und erfahrungsbasierter Ansatz fördert kreatives Problemlösen, analytisches Denken, Kollaboration und Kommunikation.

Lehramtsanwärter:innen müssen ihre Ausbildung im Vorbereitungsdienst als Vorbild für einen guten Unterricht erfahren können, als einen Beitrag zur Veränderung des eigenen subjektiven Konzeptes. Dafür müssen sie Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Medien erwerben und diese selbst als Beitrag zur Verbesserung ihres eigenen fachlichen Lernens erleben. Darüber hinaus müssen sie erfahren, wie Formen des Unterrichtens mit digitalen Medien aussehen können. Digitale Kompetenz ist eine Querschnittskompetenz, die in allen Bereichen der Ausbildung im Vorbereitungsdienst zum Tragen kommen muss. Die Phasen der Thüringer Lehrerbildung sollten hierbei zusammenarbeiten, um standort-, schulart- und institutionsübergreifend Synergieeffekte nutzen und damit einen Beitrag zum lebenslangen Lernen leisten zu können.

Aus Perspektive der Lehramtsanwärter:innen gedacht: Was würden Sie gern und was müsste umgesetzt bzw. verbessert werden?

Die Wünsche der Lehramtsawärter:innen sind natürlich sehr unterschiedlich, je nach persönlichen Möglichkeiten und Voraussetzungen, individuellen Erfahrungen und persönlichem Anspruch. Auch die Bedingungen, die Lehramtsanwärter:innen an ihren Ausbildungsschulen vorfinden, auch vor Corona, sind äußerst unterschiedlich. In der Zeit der Corona-Pandemie ist dies noch stärker sichtbar geworden, da die Lernmöglichkeiten der zukünftigen Lehrkräfte im Distanzunterricht abhängig davon waren, welche technischen Voraussetzungen an der Schule oder welche Vorerfahrungen in der Nutzung digitaler Medien vorhanden waren, aber auch wie sich die Lehrkräfte an den Ausbildungsschulen grundsätzlich damit auseinandergesetzt und welche verschiedenen Wege des Unterrichtens in Distanz gefunden wurden.Aus diesem Grund halten einige Lehramtsanwärter:innen „eine Verlängerung des Vorbereitungsdienstes für sinnvoll, um Erfahrungen zu sammeln, die durch die Pandemie nicht möglich sind.“

Andere lehnen einen solchen Vorschlag komplett ab und denken lösungsorientiert optimistisch, in dem sie vorschlagen, die „Not zur Tugend“ zu machen, „indem eventuell eine intensivere Ausbildung im digitalen Arbeiten erfolgt. Zudem könnte und sollte eventuell noch verstärkt der Fokus auf Unterrichtsmitschnitten/ Videografien liegen, um vermeintlich mangelnde eigene Praxis mit Praxisbeispielen von anderen zu kompensieren.“

Es wird u.a. gewünscht, „die digitalen Möglichkeiten vollständig ausschöpfen, um die Ausbildung zu begleiten.“ So wünschen sie sich, dass eher „die Leistungen und Entwicklungen“ bewertet werden, die zurzeit vor allem geschult werden (Wochenplanerstellung, digitale Medien, Aufgabenerstellung für Kinder zu Hause mit nur wenig Anleitung...).

Insbesondere bei fehlender Präsenz schätzen sie grundsätzlich „eine gute anfängliche Betreuung, insbesondere für neue LAAs im Studienseminar essentiell, da der Start in den Vorbereitungsdienst in dieser besonderen Situation zu großer Unsicherheit führt und dies eine erste Orientierung und Sicherheit ermöglicht.“ An Bedeutung würde„außerdem die persönliche Betreuung, Beratung und Feedback von Fachbetreuern, Kollegen und anderen LAAs.“gewinnen.Die Lehramtsanwärter:innen wünschen sich „Hospitationszirkel (eventuell bei Möglichkeit als Fernhospitation mittels Webcam)“und Fallberatungen. Das Thema Medien wird als äußert bedeutsam eingestuft. Als wichtig werden immer wieder „Unterrichts- und Beratungsbesuche im Rahmen der Möglichkeiten“ angesehen, was aus meiner Sicht für beratungskompetente Fachleiter:innen spricht.Lernzirkeltreffen, die im Rahmen des selbst organisierten Lernens stattfinden, „stellen eine große Bereicherung dar, nicht nur auf fachlicher, sondern vor allem auf emotional und sozialer Ebene. Psychohygiene kommt durch den ausschließlich virtuellen Austausch viel zu kurz.“ Zukünftig sollte also in der Organisation der Ausbildung noch mehr Wert auf individualisierte und personenorientierte Ausbildungsformate gelegt werden.

Lehramtsanwärter:innen wünschen sich, „so viele Unterrichtssequenzen wie möglich zu planen und durchzuführen (auch digitale Unterrichtsbesuche durch Live-Zuschaltungen oder Videoaufnahmen).“„Aber vor allem die Durchführung der Lehrprobe (und der praktischen Prüfung) sollte durch das Halten von digitalem Unterricht umgesetzt werden können.“

Zunehmend häufen sich Stimmen, die sich wieder Präsenzausbildung, zumindest in kleinen Gruppen wünschen. Vorgeschlagen werden Testung vor Seminarbeginn oder der Nachweis einer Impfung. Dieser kleine Ausschnitt aus der Umfrage benennt wichtige Schwerpunkte: Individualisierung, personenorientierte Beratung, Kommunikation, Kollaboration, Wissentransfer, Theorie-Praxis-Reflexion oder soziales Eingebundensein. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die sich an der kleinen Umfrage beteiligt haben. Wie im vorhergehenden Abschnitt bereits genannt, müssen Inhalte und Organisation der Ausbildung im Thüringer Vorbereitungsdienst kritisch reflektiert und die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie in den Überlegungen zur Transformation der Ausbildung eingebunden und damit ein Seminarentwicklungsprozess angestoßen werden.

Aktuell gibt es über das Jahr verteilt vier Einstellungstermine für Lehramtsanwärter:innen. Welche Zwischenbilanz können Sie aus Sicht der Studienseminare dazu ziehen?

In der Umfrage am Studienseminar Gera wurden die vier Einstellungstermine meistens positiv bewertet. Begründet wurde dies bspw. mit der Verringerung der Wartezeit zwischen dem Ende des Studiums und dem Beginn des Vorbereitungsdienstes. Die oft kleineren Anwärter:innengruppen werden als Vorteil für das untereinander Kennenlernen gesehen. Es gab aber auch Stimmen, die die Termine im Februar und August als ausreichend erachteten, da sich diese an Schulhalbjahren orientieren und sie besser in der Schule ankommen können. Andere favorisierten Februar und November. Einige vermuten aber zu Recht, dass die vier Einstellungstermine v.a. die Studienseminare vor große Herausforderungen stellen.

Für die Studienseminare ist es tatsächlich eine enorme Belastung, u.a. vierteljährlich Einführungsveranstaltungen und zeitgleich Prüfungs- oder Lehrprobenphasen zu planen und durchzuführen. Auch für Fachleiter:innen, die in mehreren Jahrgängen ausbilden, sind die organisatorischen und koordinativen Herausforderungen sehr hoch.

Vielen Dank.