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Bundesweite Entwicklung: JA 13 – Gleichwertigkeit der Lehrkräftearbeit anerkennen!

JA 13 kommt an! Der Kampf der GEW um die Aufwertung der Tätigkeit an Grundschulen und in der Sekundarstufe I ist eine Erfolgsgeschichte.

18.12.2017 - Frauke Gützkow - Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands der GEW

Den aktiven Kolleginnen und Kollegen in Fachgruppen und Landesvorständen ist es zu verdanken, dass sich in immer mehr Ländern ein Konsens herauskristallisiert: Wenn der Zusammenhalt der Gesellschaft nicht zerbrechen soll, muss in Bildung investiert werden – von der frühen Kindheit bis zum Schulabschluss und darüber hinaus. Gefordert ist nicht nur fachliche Exzellenz in der höheren Bildung. Gefordert ist vor allem pädagogisches Handeln, das die Basis legt für ein  selbstbestimmtes Leben und eine demokratische Grundhaltung. Das fordert Lehrkräften viel pädagogische Kompetenz ab. Ihre Arbeit, egal an welcher Schulform, ist gleichwertig und muss gleich bezahlt werden.

Auf dem Weg zu JA 13 hat die GEW schon viel erreicht. In Berlin ist inzwischen A13/E13 an Grundschulen erreicht, mit einigen Einschränkungen. In Brandenburg wurden zunächst 6.000 Lehrkräfte auf A 13 angehoben. In Nordrhein-Westfalen hat die Kultusministerin A 13 für alle angekündigt. In Schleswig-Holstein geht die Auseinandersetzung um JA 13 auch nach dem Regierungswechsel weiter. In Baden-Württemberg können sich 5.000 Lehrkräfte an Hauptschulen
weiterqualifizieren, um nach A 13 höhergruppiert zu werden. In Rheinland-Pfalz wird ein solches Angebot insgesamt 1.200 Hauptschullehrkräften gemacht. In einigen Ländern wurden die Arbeitsbedingungen von Schulleitungen, vor allem die Freistellung und die Bezahlung verbessert. In vielen Ländern wurden Stellenstreichungen zurückgenommen oder neue Stellen ausgewiesen. Nicht zuletzt wurde das Tarifergebnis weitgehend ohne Einschränkung in die Beamtenbesoldung übernommen. Und diese Liste ist bei weitem nicht vollständig.

Mit einem zweiten bundesweiten Aktionszeitraum JA 13 machte die GEW nun weiter Druck (mehr Informationen unter www.gew.de/ja13). Denn es wäre naiv zu hoffen, dass jede Landesregierung mit einem Strich alle betroffenen Lehrkräfte auf A13/E13 anhebt. Dafür ist der Primat der Schuldenbremse in den Landeshaushalten zu mächtig. Allerorten suchen Finanzpolitiker*innen Schlupflöcher, um doch nicht alle gleich bezahlen zu müssen.

Erschwerend komm hinzu, dass das Beamtenrecht Bezugspunkt der Forderung JA13 ist, auch wenn es in einigen Ländern nur wenige beamtete Lehrkräfte gibt. Das Beamtenrecht ist von Hierarchien, von Laufbahnen mit dem Nachweis formaler Abschlüsse und Prüfungen und von strengen Regularien geprägt. Wer in diesem Rahmen Erfolge erzielen will, muss sich auf diese Spielregeln einlassen. Auch deswegen benötigen wir einen langen Atem.

Als Gewerkschaft stehen wir für Entgeltgleichheit, dafür, dass Grundschullehrkräfte nicht deshalb schlechter bezahlt werden als andere, weil in diesem Feld ganz überwiegend Frauen arbeiten. Und wir stehen dafür, dass gleichwertige Arbeit auch gleich bezahlt wird, deshalb streiten wir nicht nur mit Grundschullehrkräften sondern auch mit den Kolleg*innen in der Sekundarstufe 1.

Das Berufsfeld Schule ist sehr heterogen. Ausbildung und Zusammensetzung der Kollegien sind, historisch bedingt, sehr unterschiedlich. Im Osten gibt es unter den Älteren noch Diplomlehrkräfte mit nur einem Schulfach, Lehrkräfte unterer  Klassen, Erzieher*innen mit Lehrbefähigung in der Primarstufe. Doch auch im Westen ist die Ausbildung nicht überall gleich, vor allem dort, wo angehende Lehrkräfte noch nicht nach einem Bachelor- und Master-Abschluss ins Referendariat gehen, gibt es Unterschiede bei der Studiendauer. Es ist ein Unding, dass sie für die Arbeit an denselben Schulen unterschiedlich bezahlt werden. Für sie alle müssen Wege nach JA 13 eröffnet werden, die einerseits die Fähigkeiten und Berufserfahrung anerkennen, andererseits aber auch die beamtenrechtlichen Spielregeln beachten. Das ist bisweilen eine Gratwanderung.

In einigen Ländern kämpft die GEW noch um den Grundkonsens: die Anerkennung der Gleichwertigkeit der Arbeit in allen Schulformen. Doch in anderen stehen die Mühen der Ebene an: das vermeintliche und doch so wichtige Kleinklein, Lösungen für alle Lehrkräftegruppen zu finden. Wichtig ist, die symbolträchtigen Pflöcke einzuschlagen. Vor allem in Berlin und Brandenburg ist das gelungen und in Nordrhein-Westfalen steht es nun an. Das ist ein Anfang der zeigt:  Dranbleiben lohnt sich. Deshalb sind wir zuversichtlich bei JA 13 innerhalb der GEW-Initiative „Bildung. Weiter denken!“.

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