GEW Thüringen
Du bist hier:

Ausbildungen für Flüchtlinge fehlen

Viele Geflüchtete sind jung und im ausbildungsfähigen Alter. Bundesweit gibt es allerdings immer noch zu wenig geeignete Qualifizierungsmaßnahmen. Die GEW fordert eine Reform bei der Anerkennung erworbener formaler und nonformaler Kompetenzen.

13.02.2017

Bundesweit fehlen Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für junge Geflüchtete. "Die Fördermaßnahmen, die angeboten werden, sind aufgrund einer sehr heterogenen und hoch differenzierten Anbieter- und Angebotsstruktur schwierig zu finden", sagt Tilly lex, Mitautorin der im Studie "Berufliche Qualifizierung von jungen Flüchtlingen in Deutschland" des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Die Folge sei, "dass viele junge Flüchtlinge zu spät oder in die falschen Angebote vermittelt werden".

Die DJI-Studie kritisiert zudem die hohen Hürden, berufliche Abschlüsse festzustellen, die im Herkunftsland erworben wurden. Das scheitere vielfach deshalb, weil Unterlagen, wie Ausbildungsnachweise fehlten, die für das Antragsverfahren benötigt würden. Mit Verweis auf das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) fordern die AutorInnen, dass bei Kenntnisnahme und Bewertung vorhandener Qualifikation "stärker auf Befragungen, Praktika und Erstellung eines Qualifikationsprofils" zurückgegriffen werde.

Probleme, berufliche Vorkenntnisse zu erfassen, räumt auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg auf Nachfrage ein. Nicht einmal über die Zahl der Menschen, die im ausbildungsrelevanten Alter sind, herrscht Klarheit. Der im Juni vergangenen Jahres vorgestellte Nationale Bildungsbericht schätzt diese auf 400 000 bis 500 000 Menschen. Wie viele davon bereits eine Ausbildung oder Studium absolviert hätten, sei jedoch nicht klar.

Ansgar Klinger, im GEW-Vorstand für Berufliche Bildung und Weiterbildung verantwortlich, fordert, eine Reform bei der Anerkennung erworbener formaler und nonformaler Kompetenzen sei in Deutschland grundsätzlich notwendig, "unabhängig von der Flüchtlingsthematik". Auf Ebene der Europäischen Union (EU) gebe es dazu längst Verfahrensvorschläge, etwa den Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR). Dieses System soll inhaltliches Wissen genauso wie erworbene Handlungskompetenzen in einem Beruf und langjährige Berufserfahrungen veranschaulichen.

Der komplette Artikel von Jürgen Amendt ist in der Februarausgabe der "E&W" veröffentlicht. 

Zurück