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Arbeitsweltorientierung muss ein Thema in der GEW bleiben

Berufs- und Arbeitsweltorientierung wird in der GEW seit Jahren bearbeitet. Zahlreiche Ideen zum Thema sind innerhalb und außerhalb der GEW entwickelt, in der Praxis erprobt und umgesetzt worden.

20.06.2012 - Sigfrid Rebehn, Uwe Vohrmann

Vielen Schulen ist es gelungen, Berufsorientierung als bestimmendes Element in ihre Schulentwicklungspläne aufzunehmen und ihren Unterricht sowie praxisorientierte Veranstaltungen entsprechend zu organisieren. Was fehlt, ist ein einheitlicher Leitfaden für die Arbeitswelt- und Berufsorientierung, der sicherstellt, dass diese wichtige Bildungsaufgabe in allen allgemeinbildenden Schulen der Bundesrepublik Deutschland Bestandteil der unterrichtlichen und pädagogischen Arbeit ist.
 
Bereits 2008 hat die GEW eine vielbeachtete Tagung "Zukunft in die Schulen holen" durchgeführt. Sie brachte interessante Arbeitsergebnisse hervor, die zum großen Teil in der Dokumentation "Zukunft in die Schulen holen - Lebensplanung, Arbeits- und Berufsorientierung" enthalten sind. Ein Tagungsschwerpunkt war der Übergang von der Schule in den Beruf, das sogenannte Übergangsmanagement, welches Berufsorientierung als Prozess ansieht, an dessen Ende der gelungene Übergang der Schülerinnen und Schüler in einen berufsqualifizierenden Bildungsgang steht. Die Tagung warf aber auch weitere wichtige Fragen auf, z. B.: Wie und wann entwickeln sich Lebens- und Berufsperspektiven bei Kindern und Jugendlichen? Wer übt zu welchem Zeitpunkt welchen Einfluss darauf aus?

Wissenschaftlich fundierte Antworten auf diese Fragen hätten erhebliche Konsequenzen für die Arbeitswelt- und Berufsorientierung in der Schule:

- Wann und in welcher Form beginnt die Schule sinnvollerweise mit der Berufs- und Arbeitsweltorientierung?
- Welches sind Evaluationskriterien für eine erfolgreiche Berufs- und Arbeitsweltorientierung?
- Welche berufsorientierenden Maßnahmen beeinflussen Jugendliche nachhaltig, welche sind angenehme Unterbrechungen des Schulalltags?
- Wieviel und wie weit trägt die Schule dazu bei, dass sich das von Schülern wahrgenommene Spektrum beruflicher Möglichkeiten verbreitert?
- Wo wird Berufs- und Arbeitsweltorientierung angesiedelt? In einem eigenständigen Fach Arbeitslehre oder ist es, wie es heute in den meisten Schulgesetzen steht, durchgängiges Unterrichtsprinzip aller Fächer und Jahrgangsstufen der Schule?

Die Fragen sind nicht neu, sie sind viele Jahre immer wieder diskutiert worden - auch in der GEW. Etliche Antworten haben aber auch zu einem Jahrmarkt an Ideen und Maßnahmen geführt, mit denen man sich einen Namen machen, Projektgelder einwerben oder "Leuchttürme" erbauen konnte. Die Berliner Tagung 2008 konnte unzählige Beispiele für diese Herangehensweise finden.
Eine weitere GEW-Tagung zum Thema im März 2012 musste leider ausfallen. Im Mittelpunkt dieser Tagung sollte die Arbeitsweltorientierung als Aufgabe der allgemeinbildenden Schulen vom ersten bis zum letzten Schuljahr stehen. Damit ist gemeint, dass die Schule ihre Bildungsbemühungen nicht auf die Phase des Übergangs in Ausbildung oder Arbeit beschränken darf. Sie muss den Schülerinnen und Schülern vielmehr die Gelegenheit geben, sich so früh wie möglich mit der Arbeitswelt einen wichtigen und für die eigene Lebensgestaltung bedeutsamen Handlungsort zu erschließen.

Die Fachleute, die für diese Tagung gewonnen werden konnten, haben dankenswerterweise ihre Beiträge zur Verfügung gestellt. Diese werden Anfang 2013 in einer GEW-Publikation erscheinen.

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