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Weiter angespannte Personalsituation bei den Thüringer Lehrkräften: Nun sollen es vorgezogene Einstellungen richten

09.08.2017 - GEW Thüringen

Wie das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) heute bekannt gab, konnte zum neuen Schuljahr 2017/18 der Großteil der 500 ausgeschriebenen Stellen für Lehrer*innen an Thüringer Schulen besetzt werden. Die Zahl der Einstellungen reicht jedoch nicht aus, um die Altersabgänge der letzten Jahre auszugleichen, so dass bei weiter steigenden Schüler*innenzahlen sich die angespannte Personalsituation an den Thüringer Schulen je nach Schulart und Region weiter verschärft. Dass 80 Stellenbesetzungen des nächsten Jahres nun in 2017 vorgezogen werden, ist Ausdruck dieser unzureichenden Personalausstattung.

Neu ist, dass das TMBJS nunmehr und auf Grundlage der Empfehlungen der „Kommission Zukunft Schule“ die Probleme offen benennt und kurz- und langfristige Abhilfe bis hin zu einer Unterrichtsgarantie verspricht. Keinerlei Angaben machte das TMBJS zur Situation der Erzieher*innen an den Grundschulhorten. Aufgrund der vom Land selbst geschaffenen prekären Beschäftigungsverhältnisse konnten viele der offenen Stellen bisher nicht besetzt werden. Dazu Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen: „Das Schuljahr startet mit einigen Unwägbarkeiten. Nicht alle Stellen für Erzieherinnen und Erzieher sind besetzt und auch der eine oder andere Lehrerpult wird leerbleiben, sei es aufgrund von Langzeiterkrankung oder weil kein passender Ersatz gefunden wurde. Die von der Landesregierung ergriffenen Maßnahmen zeigen offenbar nur langsam Wirkung.“

Unklar blieb auch die Anzahl der Langzeiterkranken, zuletzt war diese Zahl auf 1.000 Lehrkräfte angestiegen, ein Ausdruck der Überlastung vieler Beschäftigter. Hoher Unterrichtsausfall und teils fehlende Zeugnisnoten waren die Folge. Die GEW Thüringen bekräftigt ihre seit Jahren vorgebrachten Verbesserungsvorschläge für bessere Arbeitsbedingungen an den Thüringer Schulen, so u.a.:

  • ein funktionierendes Gesundheitsmanagement
  • die Schaffung einer funktionsfähigen Personalreserve
  • Entbürokratisierung und Abbau von Verwaltungsaufwand
  • Förderung von Teilzeit zur Entlastung von Lehrkräften

„Eine gute Einschätzung der Lage an den Thüringen Schulen wird allerdings erst dann möglich sein, wenn alle Nachbesetzungen inklusive der vorgezogenen Stellen erfolgt sind und wir tatsächlich wissen, ob alle ausgeschriebenen Stellen auch fachlich korrekt besetzt sind. Schon jetzt wird die hohe Zahl der Langzeiterkrankten an den Schulen fehlen. Diese werden weder durch die Einstellungen noch durch die sogenannte Vertretungsreserve ersetzt. Aus unserer Sicht dürfen die angedachten Maßnahmen nicht auf die lange Bank geschoben werden, um die verkündete Unterrichtsgarantie auch wirklich einzuhalten“, so Kathrin Vitzthum.

Die Forderung des designierten Bildungsministers Helmut Holter nach mehr Geld für den Bildungsbereich, damit die großen Probleme angegangen werden können, unterstützt die GEW Thüringen ausdrücklich und hofft auf eine entsprechende Umsetzung im kommenden Doppelhaushalt 2018/19. Eine tatsächlich bessere materielle und personelle Ausstattung der Thüringer Schulen und damit eine Verringerung der vielen Probleme lassen sich nur so erreichen. Die GEW Thüringen teilt die Hoffnung Helmut Holters, dass dies zukünftig als Gesamtaufgabe der Thüringer Landesregierung aufgefasst wird.

 

Über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen:
Die Bildungsgewerkschaft GEW THÜRINGEN ist die größte und bedeutendste bildungspolitische Kraft in Thüringen. Sie organisiert aktive und ehemalige Beschäftigte an den Thüringer Bildungseinrichtungen. Schwerpunkte der politischen Arbeit sind die Bildungsgerechtigkeit, die Lern- und Arbeitsbedingungen an Kitas, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie die Angestellten-, Beamten- und Tarifpolitik. Vorsitzende ist Kathrin Vitzthum. 

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