GEW Thüringen - Website http://www.gew-thueringen.de GEW Thüringen - Website de-DE GEW Thüringen - Website Fri, 20 Jul 2018 20:05:25 +0200 Fri, 20 Jul 2018 20:05:25 +0200 TYPO3 EXT:news news-14546 Fri, 20 Jul 2018 10:00:00 +0200 Abordnung und Versetzung http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/abordnung-und-versetzung/ Infoblatt 02/2018 der Landesrechtsstelle nun online Beschäftigte können aus dienstlichen oder betrieb-lichen Gründen abgeordnet und versetzt werden. Bei diesen Maßnahmen handelt es sich um eine Weisungsbefugnis aus dem Direktionsrecht des Arbeitgebers bzw. Dienstherrn gegenüber den Beschäftigten.

Bei der Abordnung handelt es sich um eine Weisung, den Beschäftigten vorübergehend ganz oder teilweise an einer anderen Dienststelle (Schule) desselben Dienstortes oder an einer Dienststelle eines anderen Dienstortes ohne die Zustimmung des Beschäftigten einzusetzen.

Die Versetzung ist die Zuweisung einer auf Dauer bestimmten Beschäftigung an einer anderen Dienststelle desselben Dienstortes oder an einer Dienststelle eines anderen Dienstortes.

Abordnungs- und versetzungsbefugt bei Lehrer*innen ist das zuständige Staatliche Schulamt. Das Staatliche Schulamt hat vor beabsichtigten Maßnahmen eine soziale Auswahlentscheidung unter allen in Betracht kommenden Lehrkräften durchzuführen. Hierbei ist die besondere Situation von teilzeitbeschäftigten Lehrkräften zu berücksichtigen. Teilzeitbeschäftigte können ebenso abgeordnet und versetzt werden, wenn die dienstliche Maßnahme begründet ist. Soweit es aber noch Vollbeschäftigte (bzw. Teilzeitbeschäftigte mit einem höheren Beschäftigungsumfang) mit derselben Lehrbefähigung im Schulamtsbereich gibt, kann eine Abordnung oder Versetzung Teilzeitbeschäftigten gegenüber ungerechtfertigt sein.

Das Staatliche Schulamt hat darüber hinaus die unterschiedliche Rechtslage bei angestellten und beamteten Lehrkräften zu beachten!

  • Angestellte Lehrkräfte

Auf das Arbeitsverhältnis angestellter Lehrkräfte beim Freistaat Thüringen findet der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) Anwendung. Dieser bestimmt in § 4 Abs. 1, dass Beschäftigte aus dienstlichen oder betrieblichen Gründen versetzt und abgeordnet werden können. Das einseitige Leistungsbestimmungsrecht des Arbeitgebers findet seine Grenzen in der Übertragung von Tätigkeiten, die arbeitsvertraglich nicht vereinbart sind. So ist es im Rahmen von Abordnungen/Versetzung unzulässig, den Beschäftigten Tätigkeiten einer höheren oder auch niedrigeren Entgeltgruppe als der vertraglich vereinbarten zu übertragen. So kann eine schulartübergreifende Abordnung/Versetzung unzulässig sein, wenn sie mit der Übertragung von Tätigkeiten einer anderen Entgeltgruppe verbunden ist.

Beschäftigte, die versetzt oder länger als 3 Monate abgeordnet werden sollen, sind zuvor zu hören. Zur ordnungsgemäßen Anhörung nach § 4 Abs. 1 TV-L gehört die Angabe der maßgeblichen Gründe für die Abordnung oder Versetzung. Einwendungen des Angestellten hat das Staatliche Schulamt zu würdigen und gegen die dienstlichen Interessen abzuwägen.

  • Beamtete Lehrkräfte

Das Dienstverhältnis der Thüringer Beamten richtet sich nach dem Thüringer Beamtengesetz (ThürBG). Bei dienstlichen Bedürfnissen kann das Staatliche Schulamt die Lehrkraft vorübergehend ganz oder teilweise zu einer dem Amt entsprechenden Tätigkeit an eine andere Dienststelle nach § 10 ThürBG abordnen. Ausnahmsweise, wenn dienstliche Gründe vorliegen, kann der Beamte vorübergehend ganz oder teilweise auch zu einer nicht seinem Amt entsprechenden Tätigkeit abgeordnet werden, wenn ihm die Wahrnehmung der neuen Tätigkeit aufgrund seiner Vorbildung oder Berufsausbildung zuzumuten ist. Dabei ist auch die Abordnung zu einer Tätigkeit, die nicht einem Amt mit demselben Endgrundgehalt entspricht, zulässig. Einer solchen Abordnung muss der Beamte zustimmen, wenn sie die Dauer von 2 Jahren übersteigt oder zu einem anderen Dienstherrn erfolgt.

Eine Versetzung nach § 11 ThürBG ist die auf Dauer angelegte Übertragung eines anderen Amtes bei einer anderen Dienststelle bei demselben oder einem anderen Dienstherrn.

Der Beamte kann auch in ein anderes Amt einer Laufbahn, für die er die Befähigung besitzt, versetzt werden. Eine Versetzung bedarf der Zustimmung des Beamten. Das gilt nicht, wenn das neue Amt zum Bereich desselben Dienstherrn, derselben Laufbahn angehört wie das bisherige Amt und mit mindestens demselben Endgrundgehalt verbunden ist.

Aus dienstlichen Gründen kann ein Beamter ohne seine Zustimmung in ein Amt mit demselben Endgrundgehalt auch einer gleichwertigen oder anderen Laufbahn versetzt werden. Besitzt der Beamte nicht die Befähigung für die andere Laufbahn, hat er an Maßnahmen für den Erwerb der neuen Befähigung teilzunehmen.

  • Mitbestimmungsrechte nach ThürPersVG für Angestellte und Beamte

Nach dem Thüringer Personalvertretungsgesetz (ThürPersVG) unterliegt die Abordnung der Angestellten und Beamten für eine Dauer von mehr als sechs Monaten und die Versetzung der eingeschränkten Mitbestimmung des Personalrats.

Der Personalrat wird nach § 76 Abs. 2 ThürPersVG nur auf Antrag der angestellten bzw. beamteten Lehrkraft tätig. Wir empfehlen unseren Mitgliedern, einen solchen Antrag beim örtlichen Personalrat zu stellen. Dies setzt natürlich voraus, dass der Arbeitgeber seiner Selbstverpflichtung nachkommt, die Lehrkraft von der beabsichtigten Maßnahme und dem Recht auf Antrag zur Beteiligung des Personalrates rechtzeitig zu informieren! Im Zuge der Beantragung der Beteiligung des Personalrates können diesem auch die persönlichen Einwände zur Kenntnis gegeben werden, so dass eine fallbezogene Interessenabwägung zwischen den dienstlichen und persönlichen Belangen beim jeweiligen Schulamt stattfinden kann. Die Beteiligung der Personalräte sichert in der Regel auch die Prüfung der Rechtmäßigkeit der Abordnung.

Mitglieder der Personalvertretungen genießen bei Abordnung einen besonderen Schutz. Das Gleiche gilt für Frauenbeauftragte sowie Vertrauenspersonen der Schwerbehinderten und ihre Stellvertreter*innen während der Dauer der Vertretung und in den Fällen der Heranziehung zu bestimmten Aufgaben.

Der Tarifvertrag oder Gesetz regeln weder einen Höchst- noch einen Mindestzeitraum für die Dauer einer Abordnung. In der Regel werden vorübergehende Maßnahmen für die Dauer eines Schuljahres getroffen, sie können jedoch auch nur einen Tag dauern. 

Einer verfügten Abordnung/Versetzung muss grundsätzlich Folge geleistet werden, um keine Arbeits-bzw. Dienstpflichtverletzung zu begehen. Es besteht aber die Möglichkeit, dass Angestellte als auch Beamte im gerichtlichen Verfahren prüfen lassen, ob die Abordnung zu Recht erfolgte. GEW-Mitglieder wenden sich hierzu an die GEW-Landesrechtsstelle.

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news-14497 Thu, 19 Jul 2018 11:00:00 +0200 Mit wenig Geld viel und konkrete Hilfe leisten! http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/mit-wenig-geld-viel-und-konkrete-hilfe-leisten/ BILDUNG IN THÜRINGEN im Gespräch mit Angelika Heller vom Dindingo-Gambia e.V. Moderatoren im Studio sind Nadine Hübener und Michael Kummer. Schulsozialarbeit Kita Schule GEW Internationales Artikel Thüringen news-14520 Fri, 06 Jul 2018 13:01:27 +0200 Stellungnahme der GEW Thüringen zum Vorschlag des TMBJS für ein erneuertes Thüringer Schulgesetz http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/stellungnahme-der-gew-thueringen-zum-vorschlag-des-tmbjs-fuer-ein-erneuertes-thueringer-schulgesetz/ Es gab eine lange Zeit der Diskussion, nun ist es soweit: Der Vorschlag des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) für ein inklusives Schulgesetz liegt vor. Die GEW Thüringen nimmt dazu Stellung. Die Vorlage des Gesetzesentwurfs des Ministeriums ist nun der erste Schritt im Gesetzgebungsverfahren. Daher hat sich die GEW Thüringen in ihrer Stellungnahme auf drei Schwerpunkte konzentriert:

  1. Ganztagsschule: Die GEW Thüringen begrüßt, dass es erste Schritte gibt, die Ganztagsschule im Schulgesetz zu verankern. Allerdings sehen wir mit dem Gesetzentwurf die Aussagen des Koalitionsvertrages noch nicht erfüllt. Positiv ist die Verankerung der Kindheitspädagog*innen neben den Erzieher*innen im Gesetzesvorschlag.
  2. Inklusion: Die GEW Thüringen begrüßt, dass das Ministerium das Tempo bei der Umsetzung der Inklusion herausnimmt und Förderschulen weiterhin Bestand haben in der Thüringer Schullandschaft. Dass Förderschulen sich zusammen mit anderen Schulen zu einer Gemeinschaftsschule entwickeln können, ist eine Forderung der GEW Thüringen. In diesem Zusammenhang verweisen wir darauf, dass aus Sicht der GEW Thüringen eine Gemeinschaftsschule eine Schule mit dem Klassenstufen 1 bis 12 ist. Positiv bewerten wir die Aussagen zu Sonderpädagogischen Fachkräften; die Aussagen z. B. zu Heilpädagog*innen, Heilerziehungspfleger*innen oder Sozialpädagog*innen sind ebenfalls wichtig für die Umsetzung von Inklusion.
  3. Mindestzügigkeit, Schülermindestzahlen und Schulgrößen: Die GEW Thüringen begrüßt grundsätzlich, dass es eine Festlegung im Gesetz geben soll, auch wenn die vorliegenden Vorschläge aus unserer Sicht eine Reihe von Fragen aufwerfen. Wir schlagen vor, eine ca. 5-jährige Vorlaufphase für die Schulen zu etablieren, in der sie sich in verschiedenen Kooperationsmodellen auf den Weg machen können, um die Anforderungen zu erfüllen und ihre Schule zukunftsfest weiterzuentwickeln. Die GEW Thüringen weist aber mit Nachdruck darauf hin, dass Schulkooperationsmodelle keine Personalsparmodelle sein werden. Es ist davon auszugehen, dass in einer Reihe von Fällen Fahrzeiten und Fahrkosten für Schüler*innen und Pädagog*innen steigen werden. Diese Kostenübernahme ist rechtzeitig unter Einbeziehung der Schulträger zu klären.

Unser Fazit:

Grundsätzlich wird aus unserer Sicht eine Frage der Schulgesetznovelle nicht geklärt, zu der wir uns deutlichere Aussagen gewünscht hätten: Wohin soll sich die Thüringer Schule entwickeln? Zum Beispiel werden diejenigen Schulen, die sich mit Inklusion und/oder Ganztag bereits seit einigen Jahren auf den Weg gemacht haben, verwundert feststellen, dass ihre Entwicklungsleistung keine Wertschätzung und Anregungen bzw. Anreize zur Weiterentwicklung durch den Gesetzesvorschlag erfährt. Ganz wichtig aus Sicht der GEW Thüringen ist, dass das, was im Thüringer Schulgesetz geregelt wird, auch personell untersetzt wird und sich dies entsprechend in den Landeshaushalten abbildet. Ansonsten bleiben Vorhaben zum Ganztag oder zur Inklusion ohne Umsetzungsmöglichkeiten im Schulalltag.

 

Die vollständige Stellungnahme sowie der Gesetzesentwurf und eine Synopse dazu finden sie hier zum Download.

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news-14465 Wed, 27 Jun 2018 14:24:44 +0200 Gute Wünsche für die Sommerferien! http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gute-wuensche-fuer-die-sommerferien/ Liebe Kolleginnen und Kollegen, nun ist es geschafft. Die Sommerferien klopfen an und warten mit einem Mix aus Sonne und Wolken, einer Mischung aus Ruhe und Abenteuer und einer großen Portion Erholung auf Euch. Dieses Schuljahr war vor allem geprägt von den Diskussionen zur Zukunft der Thüringer Schule. In vielen Regionalforen und Umsetzungswerkstätten haben sich Lehrer*innen und Erzieher*innen stark gemacht für gute und gerechte Bildung und bessere Arbeitsbedingungen. Manches ist uns dabei gelungen, anderes wartet noch auf seine Umsetzung. Jetzt gilt aber erst einmal festzustellen: Ohne Euch, die Ihr tagtäglich unterrichtet, erzieht, fördert und betreut, wäre das Thüringer Schulwesen in einer noch schlechteren Lage. Ihr fangt so vieles ab, damit Eure Schüler*innen einen gelingenden Start ins Leben haben. Herzlichen Dank dafür!

Auch in den Kindergärten gab es Veränderungen: Das erste gebührenfreie Kitajahr und damit verbunden viele Fragen von Eltern, die es zu klären galt. Nach der Novelle des Kitagesetzes sind noch nicht alle personellen Probleme gelöst, aber Ihr könnt sicher sein, dass wir uns weiterhin für die Verbesserung des Betreuungsschlüssels stark machen und weiter für bessere Löhne kämpfen.

In den Hochschulen war es vor allem die Diskussion um das Thüringer Hochschulgesetz und damit verbunden die Debatte um ein Mehr an Demokratie in den Hochschulgremien. Gut, dass Thüringen da einen Schritt weitergekommen ist und sich nicht hat einfangen lassen von den Bedenkenträgern, die unter demokratischer Mitbestimmung nur Effizienzverlust verstehen wollen.

Euch allen und Euren Familien, Freunden und Kolleg*innen nun eine erholsame Zeit. Entspannt Euch und lasst für ein paar Tage alle Fünfe gerade sein.

Herzliche Grüße

Kathrin Vitzthum

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Schulsozialarbeit Wissenschaft Kita Berufliche Bildung Schule GEW Artikel Kita in freier Trägerschaft Schulhorte Förderschule Gymnasium Gemeinschaftsschule Regelschule Grundschule Thüringen
news-13735 Wed, 27 Jun 2018 10:00:00 +0200 Zwischenbericht zur Petition „A 13 bzw. E 13 für alle Lehrämter“ http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/zwischenbericht-zur-petition-a-13-bzw-e-13-fuer-alle-lehraemter/ "Der Petitionsausschuss hat am 15. Juni 2018 eine öffentliche Anhörung zu der Petition durchgeführt. In Vorbereitung der Anhörung hatte der Petitionsausschuss beschlossen, den Haushalts- und Finanzsausschuss sowie den Ausschus für Bildung, Jugend und Sport als zuständige Fachausschüsse nach § 16 Abs. 1 Satz 3 Thüringer Petitionsgesetz hinzu zu ziehen. ... ...

Im Rahmen der Anhörung haben die Petentin und weitere von der Petentin benannte Vertrauenspersonen das Anliegen noch einmal öffentlich und direkt gegenüber dem Petitionsausschuss sowie Vertretern des Haushalts- und Finanzausschusses sowie des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport vorgetragen. Für die Landesregierung haben Frau Staatssekretärin Ohler und weitere Vertreter des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport an der Anhörung teilgenommen.

Außerdem hat der Petitionsausschuss die zuständigen Fachausschüsse gemäß § 15 Abs. 2 Satz 1 Thüringer Petitionsgesetz um Mitberatung ersucht, d.h. der Haushalts- und Finanzausschuss sowie der Ausschus für Bildung, Jugend und Sport werden sich noch gesondert mit dieser Petition befassen und dem Petitionsausschuss das Beratungsergebnis mitteilen. Danach wird der Petitionsausschuss die Petition beraten.“ 

Quelle: Petitionsplattform des Thüringer Landtags

Hier unsere Nachricht vom März 2018:

Auf dem Weg zu JA 13 hat die GEW schon viel erreicht. In Berlin ist inzwischen A13/E13 an Grundschulen erreicht, mit einigen Einschränkungen. In Brandenburg wurden zunächst 6.000 Lehrkräfte auf A 13 angehoben. In Nordrhein-Westfalen hat die Kultusministerin A 13 für alle angekündigt. In Schleswig-Holstein geht die Auseinandersetzung um JA 13 auch nach dem Regierungswechsel weiter. In Baden-Württemberg können sich 5.000 Lehrkräfte an Hauptschulen weiterqualifizieren, um nach A 13 höhergruppiert zu werden. In Rheinland-Pfalz wird ein solches Angebot insgesamt 1.200 Hauptschullehrkräften gemacht. In einigen Ländern wurden die Arbeitsbedingungen von Schulleitungen, vor allem die Freistellung und die Bezahlung verbessert. In vielen Ländern wurden Stellenstreichungen zurückgenommen oder neue Stellen ausgewiesen. Nicht zuletzt wurde das Tarifergebnis weitgehend ohne Einschränkung in die Beamtenbesoldung übernommen. Zu guter Letzt hat nun auch Sachsen beschlosen, die Grundschullehrer*innen in die A 13 / E 13 anzuheben. Und diese Liste ist bei weitem nicht vollständig.

Als Gewerkschaft stehen wir für Entgeltgleichheit, dafür, dass Grundschullehrkräfte nicht deshalb schlechter bezahlt werden als andere, weil in diesem Feld ganz überwiegend Frauen arbeiten. Und wir stehen dafür, dass gleichwertige Arbeit auch gleich bezahlt wird, deshalb unterstützen wir diese Online-Petition „A 13 bzw. E 13 für alle Lehrämter“ an den Thüringer Landtag.

Hier die Petition im Wortlaut:

„Welches Ziel hat die Petition?

Alle Bundesländer geraten wegen des wachsenden Lehrermangels zunehmend unter Druck. Vor allem in den Grundschulen wird sich die Situation weiter zuspitzen. Zu den Maßnahmen, um die akuten Personalengpässe zu entschärfen und die Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern, sollte auch eine gerechtere und verfassungsgemäße Besoldung gehören. Diese Petition setzt sich darum zum Ziel, eine gleiche Besoldung im Eingangsamt (A 13/ E 13) für alle Lehrämter in Thüringen zu erreichen. Damit soll die Gleichwertigkeit der Abschlüsse, unabhängig von der Schulform, anerkannt werden.

Darüber hinaus wird mit der Petition grundsätzlich die Möglichkeit des Festhaltens an Beförderungsämtern für Lehrkräfte aller Schulformen gefordert, damit Leistungsanreize ermöglicht werden.

Welche Entscheidung wird beanstandet?

Aufgrund des bereits massiven und sich weiter verschärfenden Lehrkräftemangels an Thüringer Schulen und vor dem Hintergrund der Abwanderung von Absolventinnen und Absolventen in benachbarte Bundesländer hat die Landesregierung eine schrittweise Angleichung der Gehälter von Thüringer Regelschul- und Gymnasiallehrkräften angekündigt. Im derzeitigen Gesetzentwurf des Thüringer Besoldungsgesetzes bleiben jedoch die Thüringer Grundschullehrerinnen und –lehrer unberücksichtigt. Da diese jedoch mit den gleichen Herausforderungen wie die Lehrkräfte aller anderen Thüringer Schulformen konfrontiert sind, wird ebenfalls die Besoldung im Eingangsamt A 13/ E 13 gefordert.

Gleichzeitig richtet sich die Petition gegen die Abschaffung von Beförderungsämtern. Insbesondere für den Grund- und Regelschullehrer ist das Eingangsamt gleichzeitig als Endamt vorgesehen. Damit wird für diese Lehrkräfte eine Beförderungsmöglichkeit ausgeschlossen und eine Ungleichbehandlung dieser Lehrämter auf lange Sicht festgeschrieben. Beförderungsämter sind jedoch notwendig, um Leistungsanreize zu schaffen und um damit die Ausübung bestimmter Funktionen und besonderer Aufgaben honorieren zu können.

Wie wird die Petition begründet?

In einigen Bundesländern wurde die gleiche Besoldung für alle Lehrämter (A 13/ E 13 für alle) bereits umgesetzt. In weiteren Bundesländern wird die erforderliche Besoldungsreform gegenwärtig diskutiert. Die Regierungen dieser Länder ziehen damit die besoldungsrechtlichen Konsequenzen aus der Reform der Lehrerbildung, welche mit der Umstellung auf BA-/ MA Abschlüsse für Lehramtsstudiengänge aller Schulformen begann. Sowohl die vorgeschriebene Regelstudiendauer, die Vorgaben aus den KMK-Lehrerbildungsstandards als auch die damit verbundenen Anforderungen an die theoretischen und praktischen Studienanteile haben sich in allen Lehramtsstudiengängen angeglichen. Damit ist eine ungleiche Besoldung in keiner Weise mehr zu rechtfertigen.

Darüber hinaus bewältigen Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten in ihrem beruflichen Alltag eine Fülle an Herausforderungen. Sie setzen sich mit inklusiven Bildungsprozessen sowie mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinander. Sie fördern Schüler entsprechend ihrer individuellen Voraussetzungen und setzen die Forderung nach sprachsensiblen Unterricht u. v. m. um.

Die sich verändernden Anforderungen an Bildung und der damit verbundenen Entwicklung von Kompetenzen zwingen zudem in allen Schularten zur Überprüfung, Weiterentwicklung und Änderung bekannter und vertrauter Vorstellungen vom Lehren und Lernen. Die Aufgabe von Lehrenden besteht darin, Lernprozesse zu initiieren, zu entwickeln und zu begleiten. Zur Umsetzung der Anforderungen an die Gestaltung dieser Lernprozesse müssen die Lehrkräfte neben Wissen über geeignete Handlungskompetenzen verfügen. Sie müssen in der Lage sein, auf ein passfähiges methodisches Repertoire zurückzugreifen, Beziehungen zu gestalten und verschiedene Rollen ausgestalten zu können. Dies gilt für alle Lehrämter und Schulformen und sollte sich darum in einer einheitlichen Bezahlung im Eingangsamt niederschlagen.

Richtet sich die Petition auf die Änderung eines Gesetzes? Wie und warum soll das Gesetz geändert werden?

Die Bertelsmann-Stiftung stellte im Januar 2018 in einer Studie dar, dass in naher Zukunft bundesweit vor allem Grundschullehrkräfte fehlen werden. 
Thüringen ist also angehalten, zukünftig Grundschullehrerinnen und -lehrer für die Tätigkeit im Thüringer Schuldienst zu werben. Die Berücksichtigung der Forderungen dieser Petition, die Besoldung im Eingangsamt A 13 bzw. E 13 für alle Lehrämter im derzeit diskutierten Gesetzentwurf festzulegen, wäre in diesem Kontext ein richtiges Signal im Kampf um die bundesweite Mangelware Lehrkraft. Die Eröffnung von Beförderungsmöglichkeiten mit transparenten Leistungsanforderungen würde die Gewinnung von geeignetem Fachpersonal für Führungsaufgaben fördern und damit ein deutliches Signal für ein Interesse an motiviertem Personal setzen. Somit wäre die Umsetzung der Forderung „A 13/ E 13 für alle“ eine sinnvolle Investition des Landes Thüringen als ein Beitrag zur Qualitätssicherung von Bildung.“

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Studium Schule Bildung weiter denken Bildungsfinanzierung Bildungssystem LehrerInnenbildung Gute Arbeit TV-L Beamte Artikel Thüringen
news-14466 Wed, 27 Jun 2018 06:07:00 +0200 Neu ab dem Schuljahr 2018/19: Befristeter Einsatz von Erzieher*innen mit Lehrbefähigung im Unterricht http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/neu-ab-dem-schuljahr-201819-befristeter-einsatz-von-erzieherinnen-mit-lehrbefaehigung-im-unterrich/ Erzieher*innen mit Lehrbefähigung können auf freiwilliger Basis einen Beitrag zur Unterrichtsabsicherung leisten, in dem sie maximal sechs Unterrichtsstunden übernehmen, wenn sie über eine Lehrbefähigung in mindestens einem Unterrichtsfach verfügen. Für den Einsatz gelten dabei folgende Rahmenbedingungen:

  • Für eine Lehrerwochenstunde (LWS) werden ca. 1,5 Zeitstunden angerechnet.
  • Für den Einsatz im Unterricht ist eine Erhöhung des Beschäftigungsumfangs um bis zu 6 Lehrer­wochenstunden (dies entspricht ca. 9 Zeitstunden) mög­lich, wobei der Gesamtbeschäf­tigungsumfang von 100% nicht überschritten werden darf.
  • Diese Beschäftigungsumfangserhöhung gilt nur für den Unterricht und nicht für die Erziehertätigkeit. Sie erfolgt befristet und in der Regel für die Dauer von einem Schuljahr.
  • Da die Erziehertätig­keit den überwiegenden Teil der Tätigkeit darstellt, ändert sich die Eingruppierung nicht.

Damit können Erzieher*innen ihren Beschäftigungsumfang zumindest befristet erhöhen und gemäß ihrer Ausbildung auch im Unterricht eingesetzt werden. Wichtig ist, dass diese Entscheidung allein von den betroffenen Erzieher*innen gefällt werden kann, es besteht kein Zwang, Unterricht zu übernehmen.

Hintergrund:

Die GEW Thüringen und die Staatlichen Schulämter haben den Vorschlag in die Beratungen der Umsetzungswerkstätten zum Thüringenplan sowie in die Verhandlungen zum Personalentwicklungskonzept (PEK Schule) eingebracht und sich für die o.g. Zeitberechnung eingesetzt.

Bei Fragen können sich GEW-Mitglieder gerne an ihre GEW-Ansprechpartner*innen in den Bezirkspersonalräten oder an die GEW-Rechtsstelle wenden.

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Schule Bildungssystem Artikel Gemeinschaftsschule Grundschule Thüringen
news-14459 Tue, 26 Jun 2018 11:00:00 +0200 Analphabetismus in Deutschland und in Thüringen http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/analphabetismus-in-deutschland-und-in-thueringen/ BILDUNG IN THÜRINGEN mit diesem Thema: Analphabetismus in Deutschland und in Thüringen. Im Gespräch mit Jana Steckbauer vom Mento-Projekt des bwt. Moderatoren im Studio sind Richard Schaefer und Björn Schröter. Kita Schule Bildung & Geschlecht Gesellschaftspolitik Bildungssystem Gute Arbeit Mitbestimmung Artikel Thüringen news-14397 Tue, 19 Jun 2018 14:39:20 +0200 Verfassungsrichter stärken Schutz vor Kettenbefristungen http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/verfassungsrichter-staerken-schutz-vor-kettenbefristungen/ Paukenschlag aus Karlsruhe: Vor einigen Jahren hatte das BAG erlaubt, Arbeitsverträge ohne Sachgrund erneut zu befristen, wenn die vorherige Beschäftigung mehr als drei Jahre zurückliegt. Diese umstrittene Rechtsprechung hat das Bundesverfassungsgericht jetzt verworfen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßt die Entscheidung und sieht jetzt den Gesetzgeber in der Pflicht. Mehrere Arbeitnehmer hatten auf Entfristung ihres Arbeitsvertrages geklagt, also die Feststellung, dass die Befristung unwirksam ist und ihr Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit geschlossen wurde. Sie machten geltend, die jeweils zuletzt vereinbarte Befristung ihres Arbeitsverhältnisses sei unwirksam. Die Befristung ohne sachlichen Grund verstoße gegen das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG), weil sie bereits zuvor bei demselben Arbeitgeber beschäftigt waren. Ihre Klagen wurden allerdings abgewiesen. In mehreren Fällen erhoben die Arbeitnehmer Verfassungsbeschwerde gegen diese Entscheidung, in einem Fall legte ein Arbeitsgericht dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) den Rechtsstreit vor.

BAG schränkt Vorbeschäftigungsverbot ein

Streitpunkt ist das so genannte Vorbeschäftigungsverbot: Arbeitsverträge werden grundsätzlich auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) erlaubt die Befristung des Arbeitsverhältnisses, wenn ein im Gesetz genannter Befristungsgrund vorliegt. Die Befristung des Arbeitsverhältnisses ohne sachlichen Grund ist zwischen denselben Vertragsparteien nur einmal die die Dauer von bis zu zwei Jahren erlaubt (§ 14 Abs. 2 Satz 2 TzBfG); damit ist jede erneute sachgrundlos befristete Beschäftigung bei demselben Arbeitgeber verboten. Das Gesetz sieht keine zeitliche Grenze vor.

Im Jahr 2011 hatte hatte das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschieden, dass Arbeitsverträge ohne Sachgrund erneut befristet werden dürfen, wenn die vorherige Beschäftigung mehr als drei Jahre zurückliegt. vor. Das BAG hatte die Drei-Jahres-Frist durch Auslegung des Gesetzes entwickelt und sich dabei an der gesetzlichen Regelfrist für die Verjährung von Ansprüchen (§ 195 des Bürgerlichen Gesetzbuchs) orientiert.

BVerfG stärkt Schutz vor Kettenbefristungen

Diese Rechtsprechung hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts für verfassungswidrig erklärt. Richterliche Rechtsfortbildung dürfe den klar erkennbaren Willen des Gesetzgebers nicht übergehen und durch ein eigenes Regelungsmodell ersetzen. Im TzBfG habe der Gesetzgeber sich klar erkennbar gegen eine solche Frist entschieden.

Vorbeschäftigungsverbot verfassungsmäßig

Das Verbot wiederholter sachgrundloser Befristungen von Arbeitsverträgen sei grundsätzlich mit den verfassungsrechtlichen Maßgaben vereinbar.

Das Verhindern von Kettenbefristungen und das Sichern der unbefristeten Dauerbeschäftigung als Regelbeschäftigungsform trage dem Sozialstaatsprinzip und der Pflicht des Staates Rechnung, die im Arbeitsverhältnis strukturell unterlegenen Beschäftigten zu schützen.

Die Annahme des BAG, eine sachgrundlose Befristung des Arbeitsvertrages sei immer dann zulässig, wenn eine Vorbeschäftigung mehr als drei Jahre zurückliege, verletze die Rechte der Arbeitnehmer, denn sie überschreite die Grenzen richterlicher Rechtsfortbildung.

Wiederholte sachgrundlose Befristung nur ausnahmsweise zulässig

Unzumutbar sei ein generelles Verbot der nochmaligen befristeten Einstellung bei demselben Arbeitgeber im Einzelfall dann, wenn und soweit eine Gefahr der Kettenbefristung in Ausnutzung der strukturellen Unterlegenheit der Beschäftigten nicht bestehe.

Dies könne insbesondere der Fall sein, wenn eine Vorbeschäftigung sehr lang zurückliegt, ganz anders geartet war oder von sehr kurzer Dauer gewesen ist.

Als Beispiele nennt das BVerfG:

  • bestimmte geringfügige Nebenbeschäftigungen während der Schul- und Studienzeit oder der Familienzeit
  • die Tätigkeit von Werkstudierenden
  • die lang zurückliegende Beschäftigung von Menschen, die sich später beruflich völlig neu orientieren.

In solchen Fällen sei das Verbot der sachgrundlosen Befristung nicht erforderlich, um das unbefristete Arbeitsverhältnis als Regelbeschäftigungsform zu erhalten. Für solche Situationen können und müssen die Arbeitsgerichte den Anwendungsbereich von § 14 Abs. 2 Satz 2 TzBfG einschränken.

Zustimmung von den Gewerkschaften

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat das Urteil in einer ersten Stellungnahme ausdrücklich begrüßt. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte dazu in Berlin: »In seiner Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht einen wichtigen Grundstein für die kommende Reform des Befristungsrechts gelegt. Es ist erfreulich, dass eine sachgrundlose Befristung grundsätzlich nur zulässig ist, wenn zuvor keine Beschäftigung beim selben Arbeitgeber bestand.«

Buntenbach sieht jetzt den Gesetzgeber in der Pflicht, die Hinweise aus Karlsruhe bei der bevorstehenden Reform des Teilzeit- und Befristungsgesetzes umzusetzen: »Erfreulich ist auch die Klarstellung, dass der Staat zum Schutz der strukturell unterlegenen Beschäftigten verpflichtet ist, Kettenbefristungen zu verhindern und die unbefristete Dauerbeschäftigung als Regelbeschäftigungsform zu schützen. Das ist ein klarer Hinweis an den Gesetzgeber für die konkrete Ausgestaltung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformen des Befristungsrechts.«

 

Quelle

BVerfG (06.06.2018) Aktenzeichen 1 BvL 7/14, 1 BvL 7/14, 1 BvR 1375/14
BVerfG, Pressemitteilung Nr. 47/2018 vom 13.6.2018

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Wissenschaft Weiterbildung Berufliche Bildung Schule Recht Artikel Personalräte Thüringen
news-14386 Mon, 18 Jun 2018 10:25:39 +0200 Informationsveranstaltung: Fit für den Vorbereitungsdienst! http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/informationsveranstaltung-fit-fuer-den-vorbereitungsdienst/ Du hast Fragen zum Vorbereitungsdienst?  Hol Dir die Antworten! Am 2.7.18 in Jena Am 2. Juli 2018 findet von 18:00 – 20:00 Uhr unsere Informationsveranstaltung „Fit für den Vorbereitungsdienst“ im  Raum 237 im Campus-Gebäude der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen!

Gesetze und Verordnungen, Beihilfeanspruch, private und gesetzliche Krankenversicherung, Schulamtsbezirke und Bewerbung … wir helfen Dir durch den Dschungel! Nach einem knappen Input-Vortrag liegt der Fokus der Veranstaltung auf Deinen Fragen! Die GEW steht Rede und Antwort! Darüber hinaus geben wir Einblick in den Praxisalltag verschiedener Schularten.

Bring gerne interessierte Kommilitoninnen und Kommilitonen mit! Die Veranstaltung ist kostenlos!

Sei dabei! Wir machen Dich fit!

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Studium Schule LehrerInnenbildung Artikel Thüringen
news-14326 Fri, 08 Jun 2018 06:00:00 +0200 Thüringenplan + "Demokratie leben" + (Anti-)diskriminierung + Personalschlüsselverbesserung in den Kitas? http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/thueringenplan-demokratie-leben-anti-diskriminierung-personalschluesselverbesserung-in-den-k/ BILDUNG IN THÜRINGEN mit diesen Themen: Erste Einschätzung der GEW zum Thüringenplan + Entfristung des Bundesprogramms "Demokratie leben" + (Anti-)diskriminierung als Schwerpunkt in der neuen tz + Erinnerung an das Versprechen zur Personalschlüsselverbesserung. Moderatorinnen im Studio sind Nadine Hübener und Katja Nonn. Kita Schule Bildung & Geschlecht Gesellschaftspolitik Bildungssystem Gute Arbeit Mitbestimmung Artikel Thüringen news-14323 Thu, 07 Jun 2018 14:31:38 +0200 Thüringer Schulämter werben mit Stellenbörsen um Lehrerinnen und Lehrer http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/thueringer-schulaemter-werben-mit-stellenboersen-um-lehrerinnen-und-lehrer/ Zur Lehrkräftegewinnung organisieren die fünf Thüringer Schulämter in diesem Jahr erstmalig Stellenbörsen, um alle Lehrerstellen zum neuen Schuljahr zu besetzen. Die Veranstaltungen finden von Mitte bis Ende Juni statt. Dort wird auf Stellenangebote mit besonders hoher Priorität aufmerksam gemacht. Dabei handelt es sich häufig um Stellen im ländlichen Raum, für die bisher keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber gefunden werden konnten.
Staatliches Schulamt Südthüringen, Hölderlinstraße 1, 98527 Suhl
14. Juni 2018, 13:00 - 17:00 Uhr
Staatliches Schulamt Nordthüringen, Franz-Weinrich-Straße 24, 37339 Leinefelde-Worbis
14. Juni 2018, 13:00 - 17:00 Uhr
Staatliches Schulamt Mittelthüringen, Schwanseestraße 9 - 11, 99423 Weimar
19. Juni 2018, 15:00 - 17:00 Uhr
Staatliches Schulamt Ostthüringen, Herrmann-Drechsler-Straße 1, 07548 Gera
20. Juni 2018, ganztägig: Grund-, Förder- und Berufsbildende Schulen
27. Juni 2018, ganztägig: Gymnasien, Gesamt-, Gemeinschafts- u. Regelschulen
Staatliches Schulamt Westthüringen, Justus-Perthes-Straße 2a, 99867 Gotha
21. Juni 2018, 13:00 - 17:00 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

gemeinsam mit Schulen und Schulämtern arbeiten wir intensiv daran, alle Lehrerstellen in Thüringen zum neuen Schuljahr zu besetzen. Dabei gilt, dass in diesem Jahr erstmalig jede frei werdende Stelle wieder besetzt wird. Allerdings geschieht dies nicht unbedingt an der gleichen Schule, sondern jeweils an den Schulen mit dem höchsten Bedarf.

Im Juni finden dazu in allen Schulämtern Stellenbörsen statt, mit denen wir auf Angebote mit besonders hoher Priorität aufmerksam machen möchten. Dabei handelt es sich häufig um Stellen im ländlichen Raum, für die bisher keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber gefunden werden konnten. Eine Auflistung finden Sie unter www.tmbjs.de/einstellungen

Die Stellenbörsen richten sich in erster Linie an Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter, die eine der in der Liste genannten Fächerkombinationen mitbringen. Ihnen sollen die Schulen vorgestellt und mögliche Fragen beantwortet werden. Damit möchten wir allen Thüringer Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern ein Angebot machen, in der Heimat zu bleiben und in den Thüringer Schuldienst einzusteigen.

Die Stellenbörsen richten sich auch an Bewerberinnen und Bewerber, die zwar keine der aufgelisteten Fächerkombinationen studiert haben, sich aber vorstellen können, eines der genannten Fächer zu unterrichten. Dafür wird es vor Ort ein Beratungsangebot geben, das über Qualifizierungsmöglichkeiten für eine zusätzliche
Lehrbefähigung informiert.

Die Stellenbörsen richten sich nicht an Lehrkräfte, die bereits eine feste Zusage für eine Stelle im Thüringer Schuldienst bzw. schon einen Vertrag unterschrieben haben. hre Schule freut sich auf Sie.

Ihr
Thüringer Bildungsministerium

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Schule LehrerInnenbildung Artikel Thüringen
news-14319 Thu, 07 Jun 2018 11:50:15 +0200 Besserer Personalschlüssel in den Kitas? GEW erinnert an Versprechen http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/besserer-personalschluessel-in-den-kitas-gew-erinnert-an-versprechen/ Bildungsminister Holter sagte noch im August 2017: "Und dann muss man auch über die Fachkraft-Kind-Reduzierung reden (...) Das ist für mich aber eine Zukunft, die in einem zweiten Schritt, nach der Verabschiedung der Novelle erfolgt." Hat er dieses Versprechen vergessen? Heute berichtete die Thüringer Allgemeine über die Planungen der Landesregierung, ein weiteres beitragsfreies Kitajahr umzusetzen.

Wir meinen, dass nach der Einführung des beitragsfreien Kitajahres es nun aber gilt, Verbesserungen für alle Kinder und alle Erzieher*innen auf den Weg zu bringen. Es ist Zeit für eine Verbesserung des Personalschlüssels und damit für mehr Qualität in den Thüringer Kitas. Wir erinnern den Bildungsminister Holter an sein im August 2017 öffentlich gegebenes Versprechen

Die derzeit ins Spiel gebrachten zusätzlichen 30 Millionen jährlich sind, insofern sie in Qualitätsverbesserungen fließen, gut investiert. Die GEW erinnert zudem auch an die Zusagen in Gesprächen zum Doppelhaushalt 2018/19, im nächsten Schritt die Qualität in den Kitas zu steigern. 

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Kita Bildungsqualität Gute Arbeit Artikel Thüringen
news-14315 Wed, 06 Jun 2018 14:27:32 +0200 Mehr Geld? Weniger Arbeitszeit? Bessere Eingruppierungsmerkmale? Oder lieber ...? http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/mehr-geld-weniger-arbeitszeit-bessere-eingruppierungsmerkmale-oder-lieber/ Am Montag, den 4. Juni, hat die Tarifkommission der GEW Thüringen erste Forderungen zur Tarifrunde zum Tarifvertrag der Länder (TV-L) diskutiert. Neben einer prozentualen Erhöhung der Entgelte, die die Lücke zwischen TVöD und TV-L schließen soll, wurden auch Ideen zu den Themen Arbeitszeit, Eingruppierungsmerkmale und Verbesserungen zur Entgeltordnung für die Lehrkräfte gesammelt. Im August 2018 wird die GEW Thüringen mithilfe einer Umfrage ihre Mitglieder an der Forderungsdiskussion beteiligen.

Die Tarifrunde findet im ersten Halbjahr 2019 statt. Verhandelt wird der Tarifvertrag TV-L  für ca. 2 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder zwischen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder und den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes. Die GEW Thüringen hat dabei die mehr als 35.000 Thüringer Beschäftigten an Schulen und Hochschulen im Blick.

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Wissenschaft Berufliche Bildung Schule Mitbestimmung Tarif TV-L Artikel Thüringen
news-14312 Tue, 05 Jun 2018 15:49:44 +0200 Handlungsanleitung bei drohender Abschiebung eines Kindes oder eines Jugendlichen http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/handlungsanleitung-bei-drohender-abschiebung-eines-kindes-oder-eines-jugendlichen-1/ Die Verunsicherung bei den Erzieher*innen, Schulleitungen und Lehrkräften über ihren Handlungsspielraum bei einer drohenden Abschiebung eines Kindes oder Jugendlichen ist groß. Grundsätzlich gilt: Achten Sie möglichst frühzeitig auf den Aufenthaltsstatus des geflüchteten Kindes/Jugendlichen. Da Abschiebungen nicht mehr angekündigt werden müssen, kann die Polizei auch unangekündigt in der Schule oder Kindertagesstätte erscheinen. Was können Sie in dieser Situation tun, wenn Sie die Abschiebung verhindern bzw. nicht unterstützen wollen? Akute Abschiebung – die Polizei steht vor der Tür!

Polizei in der Schule oder Kita

Hält sich der/die Geflüchtete in einer öffentlichen Schule auf, kann die Polizei diese zwar betreten, muss aber den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachten: Sie darf weder den Geflüchteten vor den Mitschüler*innen bloßstellen, noch Unruhe in die Einrichtung tragen. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist verletzt, wenn die Polizei eine Abschiebung aus dem Unterricht heraus vornimmt. Die Zustimmung der Leitung der Schule ist zwar nicht erforderlich, aber die Polizei muss ihren Einsatz mit ihr abklären. „Handelt es sich bei den Räumen um eine Privatschule, einen privaten Kindergarten, eine sonstige private Einrichtung, greift der Grundrechtsschutz von Art. 13 GG ein. Hier bedarf es regelmäßig der Erlaubnis des Schulleiters oder Betriebsinhabers oder eines richterlichen  Beschlusses, dass die Polizei die Räume betreten darf.“

Generell gilt, dass bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, das Wohl des Kindes als vorrangig zu berücksichtigen ist. Die Abschiebung ist für betroffene Kinder eine enorme Belastungssituation. Daher ist der unmittelbare und direkte Kontakt zwischen Eltern und Kindern sicherzustellen. Nach dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz haben die Kinderschutzbestimmungen stets Vorrang gegenüber den Regelungen des Ausländerrechts.

Kooperationspflicht?

Die Schul- oder Kitaleitung muss bei der Vorbereitung der Abschiebung nicht kooperieren. Schulleitungen müssen Anfragen der Polizei, wann ein/e Schüler*in Unterricht hat und wo sie/er anzutreffen sei, nicht beantworten. § 87 Aufenthaltsgesetz, in dem die Übermittlung von Daten an Ausländerbehörden geregelt ist, nimmt öffentliche Schulen und Bildungseinrichtungen ausdrücklich aus. „Im Falle einer polizeilichen Anfrage ist der Angefragte berechtigt, hiervon den Betroffenen zu unterrichten. Es besteht keine Schweigepflicht. Das Verbot, eine Abschiebung vorher anzukündigen, betrifft nur die Ausländerbehörde. Der Unterrichtende hat auch keine Sanktionen zu befürchten, falls aufgrund seiner Information die geplante Abschiebung nicht oder nicht wie vorgesehen durchgeführt werden kann.“ Für Privatschulen gibt es überhaupt keine Übermittlungspflicht.

Weitere Handlungsschritte

  • Verständigen Sie sofort den Anwalt des/der Geflüchteten, am besten per Telefon.
  • Informieren Sie Familienangehörige und Unterstützer*innen; holen Sie die Presse.
  • Kontaktieren Sie eine Fachberatungsstelle, z.B. den Flüchtlingsrat Thüringen. Versuchen Sie zu klären, ob überhaupt die Voraussetzungen für eine Abschiebung vorliegen. Verweisen Sie ggf. auf noch laufende Gerichtsverfahren und bitten Sie den polizeilichen Einsatzleiter, dem bei der Ausländerbehörde nachzugehen.
  • Bestehen ernsthafte Zweifel an der Rechtmäßigkeit, sollte vom Geflüchteten oder einem durch schriftliche (!) Vollmacht Beauftragten ein formloser Antrag an das Verwaltungsgericht gerichtet werden, die Abschiebung einstweilen zu untersagen.
  • Sofern die Polizei den Geflüchteten in Abschiebungshaft nimmt, ist nicht das Verwaltungsgericht zuständig, sondern das Amtsgericht. Für die dort erfolgende Anhörung kann eine Person des Vertrauens zugezogen werden.

Was können Pädagog*innen im Vorfeld einer drohenden Abschiebung tun?

Rechtlich zulässig ist eine Abschiebung nur dann, wenn ein Asylantrag rechtskräftig abgelehnt oder zurückgenommen worden ist und weder eine Klage mit aufschiebender Wirkung noch ein Härtefallantrag anhängig ist.

Unterstützung anbieten und ergebnisoffen beraten

Sprechen Sie mit dem betroffenen Kind/Jugendlichen oder seinen Eltern und bieten Sie Unterstützung an. Ein erster Schritt kann auch sein, eine Anlaufstelle für Geflüchtete zu bilden, um dadurch deutlich zu machen, dass die Schule sich kümmern will. Finden Sie heraus, was gewünscht ist und was passieren soll. Nicht immer ist der Versuch, eine Abschiebung mit allen Mitteln zu verhindern der angemessene. Wer abgeschoben wird, hat eine mehrjährige Einreisesperre und muss die Kosten der Abschiebung tragen.

Sorgen Sie dafür, dass der Jugendliche/das Kind, weiterhin wie gewohnt in die Schule kommt. Die akute Bedrohungssituation ist auch psychisch eine sehr belastende Situation – wer kann hier zur Seite stehen? Gibt es Beratungsstellen oder anderweitig erfahrene Kolleg*innen, die Unterstützung anbieten können? 

Juristische Intervention 

Schalten Sie so früh wie möglich einen erfahrenen Anwalt ein (Klage einlegen, Härtefallantrag stellen, rechtliche Abschiebungshindernisse, z.B. Krankheit, prüfen, usw.). Die Klagefrist beim Verwaltungsgericht beträgt ein bis zwei Wochen. Adressen von Anwälten in der Nähe erhalten Sie vom Flüchtlingsrat Thüringen. Anwälte kosten in der Regel. Sammeln Sie Geld (Spendenfonds, Solidaritätskonto) für die rechtsanwaltliche Unterstützung (z.B. im Unterstützernetzwerk im Kollegium, über Benefizveranstaltungen, usw.). Erörtern Sie, ob Kirchenasyl eine Option ist. 

Öffentlichkeit herstellen

Beraten Sie mit Menschen, die Erfahrung in der Unterstützung von Flüchtlingen haben, ob es im konkreten Fall sinnvoll ist, an die Öffentlichkeit zu gehen oder eher diplomatisch in den Kontakt mit den Behörden zu treten. 

  • Pressearbeit,
  • Information der Schulöffentlichkeit, Resolutionen der Schüler*innenvertretung resp. der Schulkonferenz, 
  • Kreative Protestaktionen (Lichterkette, Straßentheater, Fußgängerzonenaktion, Demonstration vor dem Landtag, usw.),
  • Unterschriftenlisten,
  • Politiker (Kommunal-, Landes- und Bundestagsabgeordnete) ansprechen,
  • Unterstützung von örtlichen „Würdenträger*innen“ gewinnen (Kirchenvertreter*innen, Bürgermeister*in, Schuldirektor*innen, (Sport-)Vereine, etc.),
  • Petition beim Landtag einreichen.

Juristische Intervention

Gründen Sie ein Unterstützernetzwerk. Wer im sozialen Umfeld und darüber hinaus kann und will unterstützen? Welche Form der Unterstützung ist leistbar? Eine WhatsApp-Gruppe oder eine Telefonkette für schnelle Informationsübermittlung sowie eine Kontaktmöglichkeit für den Notfall sind hilfreiche Tools.

Vermittlung in eine Ausbildung/Besuch der Berufsschule 

(Ausbildungsduldung § 60a Abs. 2 Satz 4ff AufenthG) Personen, über deren Asylantrag negativ entschieden wurde, haben einen Anspruch auf Erteilung einer Duldung, wenn sie eine qualifizierte Berufsausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf in Deutschland aufnehmen oder aufgenommen haben. Dies gilt auch, wenn das erste Ausbildungsjahr an einer Berufsfachschule absolviert wird.

Da zwischen der Klage gegen die Entscheidung des BAMF und der rechtskräftigen Entscheidung der Verwaltungsgerichte viele Monate liegen können, sollten Möglichkeiten genutzt werden, um den Aufenthalt zu sichern: Geflüchtete Jugendliche können schon vor der rechtskräftigen Entscheidung des Gerichts mit Erlaubnis der Ausländerbehörde eine Ausbildung beginnen.

Wenn die Abschiebung nicht verhindert werden kann?

  • Schüler*innen und Lehrkräfte erleben eine Abschiebung als psychisch belastend. Unterstützung in einer akuten Situation oder bei der Verarbeitung können das Kriseninterventionsteam der Schule oder die Schulpsycholog*innen leisten.
  • Begreifen Sie es nicht als persönliches Versagen, sondern reflektieren Sie die politischen Verantwortlichkeiten.
  • Bringen Sie Ihren Protest weiter zum Ausdruck.
  • Wenn die Familie sich für eine „freiwillige“ Ausreise entschieden hat, braucht sie auch in dieser Phase ein Angebot zur Unterstützung und Begleitung. Finden Sie Beratungs- und Unterstützungsangebote im Herkunftsland heraus

Bleiben Sie auch nach der Ausreise in Kontakt.

 


Quellen:

  • Heinold, Hubert (2017) Abschiebungen aus Schulen und Betrieben. Informationen und Hinweise, GEW-LV Bayern; München 
  • Praxisleitfaden (2011) Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik und Flüchtlingsrat Baden-Württemberg
  • Röder, Sebastian (2017) Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, Hinweise zur Ausbildungsduldung
  • Flüchtlingsrat Bremen und GEW LV Bremen (2017)
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news-14298 Mon, 04 Jun 2018 11:00:00 +0200 Fünf Tage „GEW in Bildung unterwegs“ - Fazit http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/fuenf-tage-gew-in-bildung-unterwegs-fazit/ Fünf Schulen, vier Kindergärten, drei Hochschulen. Fünf Tage intensives Zuhören, Hinschauen, Verstehen. Noch immer fällt es mir nicht leicht, alle Eindrücke, die ich während meiner Bildungsreise gewonnen habe, zu sortieren und zu ordnen – und dennoch hier mein Fazit.
  • Fazit 1: Die Beschäftigten in den Thüringer Bildungseinrichtungen leisten gute Arbeit unter nicht perfekten Bedingungen.
  • Mit Engagement und häufig über die Belastungsgrenzen hinaus. Dabei strahlen die Beschäftigten eine wertschätzende Atmosphäre aus, die manchmal im offenen Widerspruch zu den sächlichen und räumlichen Bedingungen steht.

    • Fazit 2: Bildung braucht Geld.

    Geld, das nicht nur direkt in die Einrichtungen und in das Personal geht, sondern auch in die Sozialräume, in gutes Essen, in gutes Leben und Lernen. Kitas und Schulen sind Teil sozialer Umgebung, sind häufig Kristallisationspunkt vielfältiger Lebensentwürfe und sozialer Ungleichheiten. Sie wollen darauf Antworten geben und brauchen dafür jede Unterstützung.

    • Fazit 3: Politische Entscheidungsträger tun gut daran, sich mit der Realität an den Bildungseinrichtungen auseinanderzusetzen.

    Sie müssen, genau wie die GEW Thüringen, wissen und verstehen, wie Gesetze, Verordnungen und Richtlinien in der Umsetzung gelingen oder eben misslingen. Viel stärker als bisher müssen wir dafür sorgen, die Arbeit und die Rahmenbedingungen transparent zu machen.

    • Fazit 4: Wir brauchen ein neues Diskussionsbewusstsein und ein neues Klima der Auseinandersetzung.

    Es dürfen nicht länger diejenigen zum Problem gemacht werden, die auf Probleme hinweisen. Wer Überlastungsanzeigen stellt, auf Personalmangel oder sächlichen Bedarf hinweist, wer sich über Mobbing oder Gewalt beschwert, braucht Hilfe und Unterstützung, keine Schuldzuweisung.

    • Fazit 5: Alle besuchten Einrichtungen haben meine Berichte erhalten.

    Manche sind enttäuscht, weil ich aus ihrer Sicht die Zustände als zu schlecht beschrieben habe. Ich verstehe das, wohl jede*r verteidigt den Ort, an dem sie/er arbeitet. Und dennoch: Mein Erschrecken über die Gebäude, über alte, enge, zu warme Räume, über fehlende Arbeitsplätze und mangelnde Vorbereitungsräume, über massiven Personalmangel und die dadurch enorme Belastung aller kann und werde ich nicht verbergen - weil es mir die Kraft gibt, weiter und noch stärker für eine den Aufgaben und Herausforderungen angemessene personelle und sächliche Ausstattung zu kämpfen.

    Mein Erschrecken weicht nur in einem Punkt: Der Bewunderung dafür, unter welchen Bedingungen Ihr jeden Tag euer Bestes leistet, nämlich Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu ebnen.

    Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Einrichtungen für das Möglichmachen des Besuchs bedanken, bei den Kreisverbänden für die Vorbereitung und Begleitung, bei Benedikt Simon für die Organisation und bei Michael Kummer für das Fahren und Begleiten der Bildungsreise. Eines weiß ich ganz sicher, es war nicht das letzte Mal, dass ich als Landesvorsitzende Thüringer Einrichtungen besuche und zuhören werde.

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    news-14297 Mon, 04 Jun 2018 10:30:00 +0200 Datenbasiertes Schulleitungshandeln http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/datenbasiertes-schulleitungshandeln/ Heft 1/2018 der von der GEW herausgegebenen Zeitschrift „Die Deutsche Schule“ befasst sich im Themenschwerpunkt mit „Datenbasiertem Schulleitungshandeln“. Schulleitungshandeln gilt als ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht. Der Anspruch, strategische und operative Entscheidungen auf Basis belastbarer Daten zu treffen, ist mit der Hoffnung verbunden, Schulleitungshandeln effektiver zu machen – im Sinne der optimalen Entwicklung der Leistungspotenziale von Schülerinnen und Schülern – und effizienter zu gestalten – im Sinne eines gezielten und bedarfsorientierten Einsatzes von Ressourcen. Dabei zeigen einige Befunde aus dem angelsächsischen Raum, dass insbesondere Schulen mit einem hohen Anteil an leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern, die über wenig familiäre Unterstützungssysteme verfügen, mit der systematischen Nutzung von Daten ein wirksames Instrument der Schulentwicklung besitzen. Auch im deutschsprachigen Raum wird dieses Potenzial zunehmend entdeckt, gerade in Bezug auf das Handeln von  Schulleitungen. Diese sind dabei nicht nur selbst Nutzer von Daten für strategische und operative Schulentwicklung; sie übernehmen auch die Funktion, die Datennutzung durch Fachkonferenzen oder Lehrpersonen zu unterstützen. Insgesamt ist jedoch wenig bekannt über die Praxis der Nutzung von Daten durch (deutsche) Schulleitungen sowie förderliche und hemmende Einflussfaktoren auf ein datenbasiertes Schulleitungshandeln und dessen Wirkungen.

    In den Beiträgen des Schwerpunkthefts, das von Felicitas Thiel (FU Berlin), Stefan Brauckmann (Univ. Klagenfurt) und Isabell van Ackeren (Univ. Duisburg-Essen) herausgegeben wird, werden internationale und nationale Perspektiven und unterschiedliche Zugänge (Literaturstudie, qualitative und quantitative Ansätze) zur Analyse der Datennutzung durch Schulleitungen gewählt.

    • Der Beitrag von Rick Mintrop und Erin Coghlan (Univ. of Berkeley, CA) knüpft an den US-amerikanischen Diskurs und Forschungsstand an; hier gibt es bereits eine lange Tradition der datengestützten Schulentwicklung. Auf der Basis einer umfassenden Literaturstudie arbeiten sie heraus, welche Art von Daten genutzt wird, welche Infrastruktur dafür vorliegt, welche Formen und konkreten Maßnahmen der Nutzung unterschieden werden können und welche Rolle hierbei insbesondere der Schulleitung, aber auch den Schulbehörden zukommt.
    • Der Beitrag von Esther Dominique Klein (Univ. Duisburg-Essen) bezieht sich ebenfalls auf den US-amerikanischen Raum. Der Schwerpunkt liegt auf datengestütztem Handeln von erfolgreich arbeitenden Schulleitungen an Schulen in schwierigen sozialen Lagen in Kalifornien. Auf der Basis von Fallstudien fragt die Autorin, inwiefern der sogenannte „transformationale“ Führungsstil beim Umgang mit Daten Routinen aufbrechen helfen kann, wie sie etwa durch eine negative Orientierung der Lehrkräfte auf die Schülerschaft und/oder die schlechten Bedingungen entstehen. Dabei geht es einerseits um die Möglichkeit, eigene Annahmen datengestützt zu überprüfen und zu reflektieren, und andererseits um die Chance, das eigene Handeln auf der Basis von Daten als selbstwirksam zu erleben. Klein fragt, wie Schulleitungen zu so einem Klima der „Machbarkeit“ beitragen können.
    • Aus nationaler Perspektive und auf der Grundlage schriftlicher Schulleitungsbefragungen in Berlin und Brandenburg befassen sich Katharina Kronsfoth (TU München), Tanja Graf (Univ. Mainz), Barbara Muslic und Harm Kuper (FU Berlin) mit dem konkreten Instrument der Vergleichsarbeiten VERA 8 und seiner Nutzung. Sie fragen nach dem Zusammenhang zwischen Führungsdimensionen in der Schulleitung und der Nutzung von Ergebnisrückmeldungen aus Vergleichsarbeiten. Dabei differenzieren sie zwischen direktiven, diskursiven und delegativen Führungspraktiken; ihre Befunde liefern Hinweise darauf, welche Führungsstile mit welcher Nutzungsaktivität positiv oder negativ in Zusammenhang stehen.

    In den Schwerpunktbeiträgen wird jeweils auf die Bedeutung von Professionalisierung und Unterstützung im Umgang mit Daten einerseits und den Möglichkeiten ihrer reflektierten Integration in die Handlungspraxis andererseits hingewiesen. Dabei kommt Schulleitungsmitgliedern eine besonders bedeutsame Rolle für das zu, was in Fortbildungs-, Coaching- und Schulberatungsangeboten stärker adressiert werden sollte. 

    Neben dem Schwerpunkt diskutieren David J. Connor (City Univ. of New York) und Hans-Werner Johannsen (Tarp) Aspekte des Themenfeldes Inklusion. Der eine fokussiert aus US-amerikanischer Perspektive Herausforderungen für die Lehrerbildung. Der andere betrachtet den „schwierigen Weg“ zur Inklusion im Hinblick auf die deutsche Situation; dabei geht er von der Hypothese einer „Akzeptanzschwelle“ aus und stellt Überlegungen zu einem möglichen Neustart an.

    Die DDS kann online – auch einzelne Artikel – und gedruckt bezogen werden. Abstracts zu den Beiträgen sowie Bestellmöglichkeiten sind hier zu finden.

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    news-14293 Mon, 04 Jun 2018 09:00:00 +0200 Ablauf der 9. Landesvertreterversammlung der GEW Thüringen http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ablauf-der-9-landesvertreterversammlung-der-gew-thueringen/ Liebe Kolleginnen und Kollegen, in der Zeit vom 21.09. bis 23.09.2018 findet die 9. Landesvertreterversammlung der GEW Thüringen in Suhl statt. Hier der geplante Ablauf:
    Zeit Tagesordnungspunkt
    Freitag, 21. September 2018
    ab 14:00 Uhr Anreise der Delegierten
    Check-In im Hotel
      Imbiss/Kaffeepause
    16:00 Uhr Beginn der Tagung
    16:30 Uhr Bildungspolitisches Forum
    Thema: „Digitalisierung“
    16:45 Uhr Formulierung von Thesen
    17:45 Uhr Vortrag und Diskussion
    19:00 Uhr Tagungsende
       
    Samstag, 22. September 2018
    09:00 Uhr Tagung
    Formalia
    Erläuterungen/Aussprachen
    Geschäftsbericht
    Antragsberatung/Wahlen
    10:30 Uhr Kaffeepause
    11:00 Uhr Tagung
    Antragsberatung/Wahlen
    12:30 Uhr Mittagessen
    14:00 Uhr Tagung
    Antragsberatung/Wahlen
    16:00 Uhr Kaffeepause
    16:30 Uhr Tagung
    Antragsberatung/Wahlen
    19:00 Uhr Tagungsende
       
    Sonntag, 23. September 2018
    09:00 Uhr Tagung
    Antragsberatung/Wahlen
    10:30 Uhr Kaffeepause
    11:00 Uhr Tagung
    Antragsberatung/Wahlen
    12:30 Uhr Abschluss der 9. LVV
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    news-14281 Fri, 01 Jun 2018 11:25:00 +0200 Kritik oder Antisemitismus? http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kritik-oder-antisemitismus/ Modell zum Erkennen und Bearbeiten von israelbezogenem Antisemitismus im pädagogischen Kontext. Bildungsbereiche Schulsozialarbeit Studium Wissenschaft Kita Weiterbildung Berufliche Bildung Schule Bildung & Geschlecht Gesellschaftspolitik Gleichstellung Artikel Thüringen news-14280 Fri, 01 Jun 2018 11:24:00 +0200 Unsere Anforderungen an eine Antidiskriminierungsstelle in Thüringen http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/unsere-anforderungen-an-eine-antidiskriminierungsstelle-in-thueringen/ Im Jahr 2006 war es endlich so weit. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) trat in Kraft und mit ihm wurde die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) geschaffen. Vorausgegangen waren Richtlinien der EU im Antidiskriminierungsbereich u. a. in den Bereichen Geschlecht und ethnischer Herkunft bzw. rassistischer Zuschreibungen. Erst als ein Verfahren durch die EU drohte, rang sich die Bundesrepublik durch diese Richtlinien in Form des AGG im deutschen Recht umzusetzen. Immerhin geht dieses Gesetz in Teilen über die Rahmenvorgaben der EU hinaus, indem es noch weitere Kategorien aufzählt. Jedoch beschränkt sich der Wirkungsbereich auf Arbeitsverhältnisse und zivilrechtliche Zusammenhänge. Zudem gibt es Ausnahmeregelungen für alle Diskriminierungskategorien außer bei rassistischen Zuschreibungen und in Bezug auf die ethnische Herkunft. So sind die ADS und das AGG eng miteinander verbunden. Die Bundesstelle ist weitestgehend unabhängig, auch wenn sie Räume eines Bundesministeriums nutzt und formal und haushaltstechnisch einem anderen zugeordnet ist. Zu den Aufgabenfeldern der ADS zählen Öffentlichkeitsarbeit, die Durchführung wissenschaftlicher Studien, Maßnahmen zur Verhinderung von Benachteiligungen und die Berichterstattung an den Bundestag aller vier Jahre. Die Berichte sollen einen Überblick über Benachteiligungen aus den in § 1 genannten Gründen geben und Empfehlungen beinhalten, wie Diskriminierungen zu vermeiden und zu beseitigen sind. Die Berichte werden von der ADS und den in ihren Zuständigkeiten betroffenen Beauftragten der Bundesregierung und des Deutschen Bundestags gemeinsam vorgelegt. Zudem kann sie Betroffene über Ansprüche und rechtliche Verfahren informieren und an andere spezialisierte Beratungsstellen verweisen.

    • Potential von Antidiskriminierung auch im Bildungsbereich

    Dies könnte demnach Vorbild für Thüringen werden. Durch die enge Verbindung von Gesetz und Antidiskriminierungsstelle empfiehlt sich, ein eigenes Landesantidiskriminierungsgesetz zu erlassen. Gerade noch nicht geregelte Bereiche, die vor allem im Zuständigkeitsbereich des Freistaats liegen, müssen hier berücksichtigt werden. Einer der wichtigsten Bereiche ist natürlich die Bildung. Ebenso gäbe es Potential weitere Diskriminierungskategorien aufzunehmen. Dass das geht, hat schon die Landesverfassung gezeigt, die beispielsweise im Gegensatz zum Grundgesetz explizit sexuelle Orientierung in seinen Gleichheitsgrundsätzen nennt.

    Um die Aktivitäten in den Bundesländern voranzutreiben, wurde die Koalition gegen Diskriminierung geschlossen. So gab es schon 2013 eine Absichtserklärung1 zwischen dem Freistaat Thüringen und der ADS. Hier wurde sich u. a. dazu verpflichtet, zentrale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für das Thema Diskriminierung in Ländern und Kommunen zu benennen. Die Landesregierung der letzten Legislatur hatte dazu den Generationenbeauftragten auch den Aufgabenbereich Antidiskriminierung zugesprochen. Er war beim Sozialministerium angesiedelt. Unter der Rot-Rot-Grünen Regierung wurde das Aufgabenfeld an die Staatskanzlei geholt und an die Stelle für Bürgeranliegen angesiedelt. Das sollte symbolisch die Bedeutung der Stelle aufwerten. Diese nimmt jedoch nur Anliegen entgegen und vermittelt zur Verwaltung. Zudem gibt es kein Budget, welches explizit für Antidiskriminierungsarbeit ausgewiesen ist.

    • Eine effektive Antidiskriminierungsstelle in Thüringen fehlt bisher

    Der Freistaat Thüringen ist uns demnach eine echte weisungsunabhängige Antidiskriminierungsstelle schuldig geblieben. Bisher gab es nur Beauftragte oder Fachreferate, die in ministeriale Strukturen und Hierarchien eingebunden waren. Es braucht jedoch eine ADS auf Landesebene, die
    - Berichte und Empfehlungen an den Landtag erstellt,
    - die Öffentlichkeit informiert und
    - die Präventionsangebote zusammenstellt.

    Dabei ist eine Kooperation mit den entsprechenden Landesbeauftragten wichtig, ebenso wie eine Vernetzung mit Landesprogrammen, die es schon gibt. Exemplarisch seien hier das Landesprogramm für Akzeptanz und Vielfalt genannt, welches gerade anläuft, oder auch das bereits etablierte Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit. Um den Aufgaben gerecht zu werden, ist eine auskömmliche finanzielle Ausstattung unumgänglich. Analog zur Bundes-ADS sollte unsere Landes-ADS  ebenso Studien in Auftrag geben können, die dann thüringenspezifische Auswertungen und Perspektiven ermöglichen.

    • Große, aber berechtigte Anforderungen

    Darüber hinaus ist es wichtig Beratung und Beschwerdeverfahren zu trennen. Jedoch müssen beide Bereiche weisungsungebunden sein und aus der Arbeit einer Beschwerdestelle müssen wirksame Konsequenzen entstehen. Die Landes-ADS wäre ein wichtiger Partner in der Durchsetzung des § 13 des AGG. Hier sind für alle Arbeitsverhältnisse Beschwerdestellen gefordert. Gerade im öffentlichen Dienst, der öffentlichen Verwaltung und im öffentlichen Bildungsbereich gilt es, diese noch flächendeckend zu implementieren. Schließlich müsste die Landes-ADS, die Programme, Initiativen und Forschungsergebnisse der Bundes-ADS unterstützend in die Fläche des Freistaates tragen. Die Anforderungen sind groß aber mehr als berechtigt. 

    Bei unseren Aktivitäten und Forderungen an den Freistaat unterstützt uns der GEWerkschaftstagsbeschluss 3.15 „Wirkungsvolle Instrumente implementieren, die Diskriminierung im Bildungsbereich bekämpfen!“. Die Anforderungen sind formuliert. Der Landessausschuss Diversity wird einen entsprechenden Antrag zur Landesvertreterversammlung im September einbringen, um die Forderungen auf Thüringen zu übertragen und zu übersetzen. 

     


    1 www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/projekte/Abischtserklaerung-Thueringen_20130508.pdf?__blob=publicationFile&v=1 

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    Bildungsbereiche Schulsozialarbeit Studium Wissenschaft Kita Weiterbildung Berufliche Bildung Schule Bildung & Geschlecht Gesellschaftspolitik Gleichstellung Artikel Thüringen
    news-14279 Fri, 01 Jun 2018 11:23:00 +0200 Infos + Materialien zur Thematisierung von Mediennutzung und digitaler Gewalt im Unterricht http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/infos-materialien-zur-thematisierung-von-mediennutzung-und-digitaler-gewalt-im-unterricht/
    Informationen und Tipps für Lehrende, wie die sichere Internet- und Handynutzung in der Schule zum Thema gemacht werden kann: 
    www.saferinternet.at/fuer-lehrende/ 
    Informationen und Materialien zu „Was tun bei (Cyber)Mobbing“ in neuer Auflage (Februar 2018):
    www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/ 
    Bundeszentrale für politische Bildung (BPB): Informationen und Materialien zum Thema „Fake News“:
    www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/fake-news  
    BPB: „Entscheidung im Unterricht – Cybermobbing“ – Unterrichtsmaterialien für die Haupt- und Berufsschule mit DVD:
    www.bpb.de/shop/lernen/entscheidung-im-unterricht/176096/cybermobbing-ignorieren-oder-anzeigen 
    Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V. (AKJS): Arbeitsmodule zur Prävention von Cybermobbing in Schule und Jugendhilfe:
    www.jugendschutz-brandenburg.de/neuauflage-arbeitsmodule-cybermobbing 
    Internet-abc (Portal für Kinder, Eltern und Pädagog*innen): Informationen und Materialien zum Thema „Hate Speech“:
    www.internet-abc.de/lehrkraefte/praxishilfen/hate-speech 
    Bayerischer Rundfunk: Projekt „So geht Medien“ mit Unterrichtsmaterialien und Informationen:
    www.br.de/sogehtmedien/index.html 
    Broschüre des Flüchtlingsrats Thüringen „Hate Speech – Zum Umgang mit Hetze im Internet“:
    www.fluechtlingsrat-thr.de/publikationen/hate-speech-zum-umgang-mit-hetze-im-internet 
    Medienscouts NRW: Infografik „Fake News erkennen“, mit der bewertet werden kann, wie glaubwürdig Quellen sind und wie falsche Meldungen oder Lügen im Netz enttarnt werden können:
    www.medienscouts-nrw.de/infografik-fake-news-erkennen-des-ifla 
    Saferinternet.at: „Fake News Bingo“ zum spielerischen Umgang im Erkennen von Falschmeldungen:
    www.saferinternet.at/news/news-detail/article/fake-news-bingo-was-ist-wahr-und-was-ist-ein-fake-638
    mmc games – Agentur für interaktive Medien: Online-Spiel zum Thema Cyber-Mobbing:
    http://die-cybermights.de 
    Überblick und Informationen zu Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten in Thüringen:
    Landesantidiskriminierungsstelle (LADS) bei der Thüringer Staatskanzlei im Referat für Bürger/-innenanliegen. Die LADS klärt Menschen, die diskriminiert werden, über ihre Rechte auf und informiert, wie sie sich zur Wehr setzen können.
    E-Mail: LADS(at)tsk.thueringen(dot)de
    Telefon: 0361/ 57 321 1152
    Eine Übersicht über Beratungs- und Beschwerdestellen deutschlandweit bietet die Online-Landkarte der Antidiskriminierungsstelle des Bun­des: www.antidiskriminierungsstelle.de 
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    news-14278 Fri, 01 Jun 2018 11:22:00 +0200 Glossar zu Hass, Belästigung und Gewalt im Netz http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/glossar-zu-hass-belaestigung-und-gewalt-im-netz/ Catfish

    Als Catfish wird eine Person bezeichnet, die sich online für eine andere Person ausgibt, also ein Fake-Profil hat. Um sich vor Catfishing zu schützen, sollten in der digitalen  Kommunikation die Angabe von Nachname und Adresse sowie das Senden intimer Bilder, auf denen das eigene Gesicht zu erkennen ist, unterbleiben.

    Counter Speech

    Auf Hasskommentare oder Fake News kann jede*r dadurch reagieren, indem er*sie Kommentare oder Posts meldet oder diesen kontert. Gegenrede oder Counter Speech kann bedeuten, dass man Nutzer*innen auffordert, ihre angeblichen Fakten zu belegen oder ihnen mit sachlichen Argumenten widerspricht bzw. sie auf ihr unangemessenes Verhalten aufmerksam macht.

    Cyber-Mobbing

    Wird eine Person über einen längeren Zeitraum online beleidigt, bloßgestellt, bedroht oder belästigt, bezeichnet man das als Cyber-Mobbing. Häufig geschieht das in sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter) oder per Smartphone (über WhatsApp z.B.).

    Grooming

    Eine besondere Form des Catfishings ist das Grooming. Dabei schreiben Erwachsene – häufig unter einem Fake-Account – gezielt Kinder und Jugendliche an mit dem Ziel, sexuellen Kontakt mit ihnen zu haben. Um sich vor Grooming zu schützen, sollte auf Sexting mit unbekannten Profilen verzichtet werden.

    Hate Speech

    Hate Speech oder Hassrede richtet sich vor allem gegen bestimmte Gruppen oder Minderheiten. Menschen werden z.B. wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Sexualität, ihrer Religion, einer Behinderung oder ihres Aussehens abgewertet. Besonders im Netz ist Hate Speech ein Problem, weil man sich hier scheinbar anonym bewegen kann.

    Hilfe

    Unangemessene Inhalte können bei den Betreiber*innen der jeweiligen Website gemeldet werden. Außerdem kann man Inhalte unter folgenden Adressen melden: 
    www.jugendschutz.net,
    www.internet-beschwerdestelle.de
    oder mit der kostenlosen App „Ban Hate“.

    Man kann auch anonym im Netz Hilfe holen unter:
    www.juuport.de,
    www.save-me-online.de, 
    www.nummergegenkummer.de,
    www.handysektor.de. 

    Oder Anonym beim Kinder- und Jugendtelefon: 116111.

    Screenshot

    Hate Speech und Cyber-Mobbing zu ignorieren ist keine gute Strategie. Wenn man mit Trollen nicht diskutieren will, kann man sie bei den Betreiber*innen der Website melden. Außerdem sollte man einen Screenshot, ein Bildschirmfoto, von Hasskommentaren machen, um auch bei Löschung des betreffenden Beitrags einen Beweis zu haben. Wie man Screenshots macht: www.take-a-screenshot.org/de/ 

    Sexting

    Die intime Kommunikation über sexuelle Themen und das Zeigen erotischer oder pornografischer Bilder über Smartphone oder im Web wird als Sexting bezeichnet. Häufig dient es der gegenseitigen Erregung. Wird man ungewollt mit diesen Inhalten konfrontiert, kann der Sender blockiert oder gemeldet werden.

    Troll

    Als Trolle werden Personen bezeichnet, die Beiträge oder Kommentare posten, nur um zu provozieren oder zu beleidigen. Selbst wenn eine Person nicht unter ihrem richtigen Namen trollt, kann sie z.B. über ihre IP-Adresse aufgespürt werden.

    Weitere Infos und Tipps: www.klicksafe.de 

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    news-14275 Fri, 01 Jun 2018 11:21:00 +0200 Es braucht mehr Medienkompetenz! http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/es-braucht-mehr-medienkompetenz/ Marcus Heyn, Sprecher der AG LSBT*I* der GEW, über Hasskommentare und Gewalt im Netz, die für Kinder und Jugendliche längst Normalität sind. Seit der Social-Media-Revolution Ende der 1990er Jahre wird der Umgang mit Nachrichten und das Miteinander im Netz immer bedeutsamer. Nicht zuletzt Meldungen über  Manipulation von Wählerstimmen und das demokratiezersetzende Potential von Fake News zeigen die negativen Auswirkungen, die die digitale Kommunikation mit sich bringen kann. Deshalb wird immer öfter und immer lauter die Herausbildung von Nachrichten- oder Medienkompetenz im Netz gefordert. Dass unter anderem Facebook Anfang dieses Jahres seine AGB aktualisiert und mehr Transparenz zugesichert hat, geht nicht allein auf den Missbrauch privater Daten zur Beeinflussung des US-Wahlkampfes  zurück. Das Netzwerkdurchsuchungsgesetz, kurz NetzDG, hat daran einen ebenso entscheidenden Anteil. Seit dem 1. Januar 2018 werden soziale Netzwerke zur aktiven Bekämpfung von Hass, Hetze und illegalen Inhalten angehalten. Deren Löschung soll innerhalb von 24 Stunden erfolgen, ansonsten drohen Geldstrafen. Volksverhetzung, Hate Speech und Cyber-Mobbing soll damit Einhalt geboten werden. Auch auf EU-Ebene wird seit Längerem über ein Gesetz zur Bekämpfung von Hass und Urheberrechtsverletzungen im Netz nachgedacht. Doch juristische Sanktionen helfen nicht allein, um kompetent mit Inhalten im Web 3.0 umzugehen. Auch Nutzer*innen  und die institutionelle Bildung sind gefragt, Nachrichten- und Medienkompetenz auszubilden.

    • Unerreichbare Aktualität von Schulbüchern

    Schulbücher greifen bereits immer öfter den Umgang mit neuen Medien sowie Gewalt im Netz auf – doch können auch diese nur bedingt auf aktuelle Entwicklungen Bezug  nehmen: Der inzwischen landläufige Begriff der Fake News etwa taucht bisher in so gut wie keinem Lehrwerk auf, da er noch ziemlich jung ist (erfreuliche Ausnahmen bilden die Lehrbücher „Politik erleben“ der Westermann-Verlagsgruppe). Doch ist es eine wichtige Schlüsselkompetenz, die Wahrhaftigkeit von Informationen überprüfen zu können. Die OECD spricht hier von global skills, die in künftigen PISA-Untersuchungen berücksichtigt werden sollen. Denn die neue Form der Öffentlichkeit ermöglicht es, dass  jeder Mensch alles in den digitalen Äther schleudern kann – unabhängig von Pressecodices, sorgfältiger Recherche oder redaktioneller Kontrolle. Mitteilungen jeder Art können  so rasant vervielfältigt, verfälscht und instrumentalisiert werden, sie besitzen das Potenzial der rasanten Verselbständigung. Die einen bezeichnen dies als Demokratisierung öffentlicher Kommunikation, andere als „Triumph der Schwarmdummheit“ (Martin Spiewak). Nicht außer Acht gelassen werden darf dabei, dass soziale Netzwerke als kommerzielle Einrichtungen das Bestreben haben, dass sich ihre User so lange wie möglich auf ihrer Seite aufhalten. Gelockt werden diese u. a. durch polarisierende, skurrile  oder populäre Inhalte. Die Boulevardisierung von Nachrichteninhalten ist die notwendige Folge. Informationen werden somit mit dem Fokus auf das human interest mithilfe von  Algorithmen und social bots auf jede*n Nutzer*in zugeschnitten. Fertig ist die personifizierte Filterblase.

    • Besorgniserregendes Mediennutzungsverhalten

    Vor diesem Hintergrund erscheint das inzwischen gut untersuchte Mediennutzungsverhalten von Studierenden und Schüler*innen besorgniserregend. Die TU Dresden fragte 2017 Lehramtsstudierende nach ihren bevorzugten Nachrichtenquellen und ermittelte, dass häufig als erste Quelle die sozialen Medien genannt werden, während Zeitungen etwa nur von 20 Prozent der Befragten gelesen würden. Ein Fünftel bildete sich sogar einzig und allein über Informationen, die ihnen von Facebook, Google oder Freund*innen in ihre Filterblase gespült werden. [1]

    Gleichzeitig hält sich laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2017 der Enthusiasmus für den Einsatz neuer Medien in der Gruppe der Studierenden in Grenzen. Von allen befragten Fachgruppen waren zukünftige Lehrkräfte am wenigsten aufgeschlossen gegenüber digitalen Medien. [2] Das überrascht, wenn man bedenkt, dass diese die  nächste Generation auf die Wirklichkeit vorbereiten wollen. Die spielt sich bei Kindern und Jugendlichen immer öfter im Netz ab. Gemäß der KIM-Studie, einer Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen von 2016, nutzt bereits jede*r Sechs- bis Siebenjährige das Internet. „Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil bis auf 90 Prozent bei den Zwölf- bis 13-Jährigen an (8-9 Jahre: 60 %, 10-11 Jahre: 75 %).“ Fast jede*r fünfte Acht- bis Neunjährige besitzt ein eigenes Smartphone, bei den 10- bis 11-Jährigen ist es beinah jede*r zweite, bei den Zwölf- bis 13-Jährigen etwa 61%. [3]

    • Digitale Medien als Bestandteil des Alltags

    Für Kinder und Jugendliche sind digitale Medien demnach ein wichtiger und selbstverständlicher Bestandteil ihres Alltags. Von der Quantität der Mediennutzung darf aber nicht auf die Medienkompetenz geschlossen werden. Eine Untersuchung der Stanford Graduate School of Education kam zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der Jugendlichen Nachrichteninhalte nicht von Werbebotschaften unterscheiden kann. Außerdem unterschätzen sie oft die Risiken und Folgen ihres Handelns im Netz. Dass sie darüber hinaus mit Hasskommentaren oder unangemessenen Inhalten in Berührung kommen, ist eine Folgeerscheinung der Nutzung neuer Medien. Laut einer FORSA-Umfrage von 2017 wurden 94 Prozent der 14- bis 24-Jährigen bereits mit Hasskommentaren konfrontiert, nur 30 Prozent meldeten diese aber. [5]

    • Medienkompetenz bisher nicht im Fokus von Schule

    Die Nutzung digitaler Medien sowie der Umgang mit diesen ist deshalb ein wichtiges Thema in der Bildung. Doch werden diese noch immer viel zu wenig in Schulen eingesetzt. Zunächst liegt dies an der unzureichenden Infrastruktur, die einen spontanen Einsatz neuer Medien im Unterricht verhindert. Deutschland schneidet diesbezüglich im internationalen Vergleich schlecht ab. [4]

    Auch stehen manche Pädagog*innen neuen Medien ablehnend gegenüber, nicht zuletzt aus Angst, dass die Schüler*innen versierter mit diesen umgehen können. Für einen sichereren Umgang mit digitalen Medien müssen diese als Inhalte in die Aus- und Weiterbildung integriert werden. Doch noch immer gilt auch in Thüringen: „Wenn ein Student will, kann er in seinem gesamten Studium und im Referendariat um die Arbeit mit neuen Medien herumkommen.“ [4]

     


    Zu den Studien:
    [1] TU Dresden (2017): Reuters Institute Digital News Survey.
    [2] Bertelsmann Stiftung (2017): Monitor Digitale Bildung. Die Hochschulen im digitalen Zeitalter.
    [3] Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2016): KIM-Studie. Kindheit, Internet, Medien.
    [4] Landesanstalt für Medien NRW (2010): Medienkompetenz in der Schule. 
    [5] Forsa (2017): Hate Speech. 

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    news-14274 Fri, 01 Jun 2018 11:20:00 +0200 Was nicht erwähnt wird, wird nicht gedacht http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/was-nicht-erwaehnt-wird-wird-nicht-gedacht/ Eindrücke aus der diversitätsbewussten Schulbuchanalyse der AG LSBT*I* der GEW.
  • Warum eine Schulbuchanalyse?
  • Die Schulbuchforschung versteht Lehr- und Lernmaterialien theoretisch als Politikum, Informatorium und Paedagogicum, denn sie sind „eingebettet in einen politischen, pädagogisch-didaktischen und gesellschaftlich-ökonomischen Kontext“ [1]. Vor diesem Hintergrund wird das in ihnen zu vermittelnde Wissen von verschiedenen Akteur*innen ausgehandelt. In Folge dessen bilden Schulbücher „Wissen nicht einfach nur neutral ab, sie produzieren Wissen je nachdem welche Begriffe, Inhalte, Forschungsergebnisse, Kritikpunkte aufgegriffen werden oder nicht aufgegriffen werden, wodurch sie auch gesellschaftlichen Einfluss nehmen.“ [2] Die Aufbereitung von Informationen in Lernmitteln prägt damit den geheimen Lehrplan im Schulalltag mit. Aus diesem Grund sind Schulbücher immer wieder Gegenstand der Bildungsforschung – und das nicht erst seit Kurzem.

    Eine der frühen Untersuchungen zur Darstellung von Geschlecht stammt z. B. von Renate Rauch (1977), die klischeehafte Frauenbilder in Schulbüchern als Legitimation für die gesellschaftliche und rechtliche Benachteiligung von Frauen in der BRD aufdeckte. [3] Später zeigte Detlev Franz in bundesdeutschen Biologiebüchern Rassismen (u.a. Befürwortung von Eugenik) und Sexismen (u. a. Pathologisierung von Homosexualität), die noch bis in die 1980er Jahre auf nationalsozialistische Denkmuster zurückgriffen. [4] Eine neuere Schulbuchanalyse, die neben Geschlechterdarstellungen auch auf verschiedene sexuelle Identitäten fokussiert, stammt von Melanie Bittner im Auftrag der GEW (2012).

    In Anlehnung an diese gleichstellungsorientierten Untersuchungen nahm die AG Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* (kurz: LSBT*I*) der GEW in ihrer  Frühjahrssitzung im April dieses Jahres eine diversitätsbewusste Lektüre aktueller Schulbücher insbesondere der Fächer Geschichte, Englisch, Politik/Gesellschaftslehre und
    Biologie vor. Wenngleich die Untersuchung nicht als repräsentativ gelten kann – schon allein, weil nur die Verlagsgruppe Westermann und Cornelsen dankenswerter Weise Lehrmittel zur Verfügung gestellt haben – sollen im Folgenden Tendenzen aufgezeigt werden, die in der gemeinsamen Überblicksarbeit herausgestellt wurden. 

    • Vielfalt in der Bildsprache

    Bilder und Abbildungen illustrieren nicht nur Lehrinhalte, sie reproduzieren auch Vorstellungen von Wirklichkeit. Dass sich Verlage zunehmend bemühen in der Bildsprache vielfaltssensibler zu sein, ist ein Ergebnis der Untersuchung. Doch noch immer schleichen sich No-Nos in die Darstellungen ein: So wird in Erlebnis Biologie für die Jahrgangsstufen 7 und 8 in Baden-Württemberg (Verlagsgruppe Westermann) der Aspekt der sexuellen Identität (nur) mit einer Drag Queen bebildert (S. 120).

    Beim Thema Nahrungsbeschaffung werden frühere Methoden mit dunkelhäutigen Menschen in Lendenschutz bebildert, die mit Pfeil und Bogen in der Savanne jagen, während die heutige Art der Nahrungsmittelbeschaffung mit einem Besuch weißer Menschen im Supermarkt illustriert wird (S. 61). Auch beim Thema Körperbau und Bewegung (S. 38) werden weiße Menschen beim Kraftsport und in High-Heels gezeigt, die einzige Abbildung von People of Colour im gesamten Kapitel erfolgt exotisierend beim Tragen von schweren Lasten auf dem Kopf. Menschen unterschiedlicher Hautfarben werden in den untersuchten Büchern überwiegend marginalisiert. Wenn, dann tauchen sie gezielt in Kontexten auf, in denen die Unterschiedlichkeit von Menschen bzw. von Gepflogenheiten besprochen wird – und dann vielfach als Bewohner*innen anderer Kontinente. Das ist rassistisch und eines Einwanderungslandes nicht würdig.

    Positive Ausnahmen bei der Sichtbarkeit ethnischer Vielfalt bilden die Englischbücher Headlight 6 und Lighthouse 3 von Cornelsen. Allerdings kommen auch hier Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung zu selten vor. Wenn, dann stereotyp im Rollstuhl. 

    • Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt

    Zwar tauchen vielfältige Liebensformen mittlerweile in beinah allen untersuchten Lehrbüchern auf (negative Ausnahmen bilden o. g. Englischbücher), diese werden immer seltener gesondert als Exkurs verhandelt. Allerdings wird das zweigeschlechtliche Ideal in nur wenigen Fällen aufgebrochen – Trans*-Personen tauchen in nur zwei Lehrwerken und nur im Fach Biologie in Text und Bild auf: In Fachwerk Biologie 7-9 für Baden-Württemberg (Cornelsen) und in Erlebnis Biologie 7/8 ebenfalls für Baden-Württemberg (Westermann). Intersexualität wird in einigen Biologiebüchern besprochen, allerdings beinah ausnahmslos im Kontext von Erbkrankheiten. Queere Menschen können nur mit wohlwollendem Blick dann und wann ausgemacht werden. Viel zu oft werden die Geschlechter noch immer mit den Farben Blau und Rosa markiert.

    Am wohlwollendsten stellt Biologie heute für die Jahrgangsstufen 9 und 10 für Niedersachsen (Verlagsgruppe Westermann) sexuelle und geschlechtliche Vielfalt dar.  Unaufgeregt wird die „Vielfalt in Liebe, Sexualität und beim Geschlecht“ (S. 92) ausbuchstabiert: Heterosexualität, Bisexualität und Homosexualität werden definiert, das biologische Geschlecht (sex) und das psychische Geschlecht (gender) werden differenziert, Intersexualität und Transsexualität werden genannt. Die Textsprache lässt zwar an einigen Stellen die nötige Sensibilität vermissen, etwa wenn „Transsexuelle“ von „Transvestiten“ darin unterschieden werden, dass erstere Medikamente nähmen und sich  operieren ließen, „um so weit wie möglich dem anderen Geschlecht ähnlich zu sehen“, während letztere lediglich „die Kleidung des anderen Geschlechts“ (S. 93) trügen. Die Abgrenzung ist ebenso oberflächlich wie diskriminierend. Dem Biologiebuch muss allerdings zugutegehalten werden, dass in Lernaufgaben reflektiert wird, weshalb Menschen  fordern, die häufig pathologisierenden Attribute „transsexuell“ durch „transidentisch“ und „intersexuell“ durch „inter*“ zu ersetzen. Ebenso wird das Personenstandsgesetz problematisiert, demgemäß „die Angabe des Geschlechts im Geburtenregister weggelassen werden“ kann, wenn das Kind uneindeutige Geschlechtsmerkmale aufweist (ebd.).  Dies schaffe eher Probleme, als dass es Intersexuellen helfe – die Lernenden werden aufgefordert, dazu Stellung zu beziehen. 

    Ein Beispiel für „gut gemeint, aber schlecht gemacht“ zeigt das Ethik-Buch Respekt 2 von Cornelsen für die Klassenstufen 7/8 in Berlin. Gleichgeschlechtliche Liebe wird hier anhand der „Verbotenen Liebe von Delphinen“ besprochen (S. 37). Zwar mag die Schilderung, dass „drei Viertel aller männlichen Großen Tümmler […] in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“ leben, beispielgebend dafür sein, dass Homosexualität naturgegeben ist und nicht etwa eine Einstellungs- oder Entscheidungsfrage, doch anhand tierischer Verhaltensmuster die Kriminalisierung und Pathologisierung von Homosexualität sowie die „Rechte und Pflichten [?] homosexueller Paare“ (ebd.) zu besprechen, ist irreführend und wird den emotionalen Aspekten von Liebe und Partnerschaft nicht gerecht.

    Dass Bildungsplanvorgaben in den Ländern ihre Wirkung in Unterrichtsmaterialien entfalten, zeigen die untersuchten Biologie- und Politiklehrbücher aus Baden-Württemberg mustergültig. Die weitgehend wertschätzende Thematisierung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in den Lehrwerken kann als Effekt der Forderungen des baden-württembergischen Bildungsplanes verstanden werden. So werden auch nur in diesen Lehrwerken „Transsexualität“ benannt und bebildert sowie die zunehmende Sichtbarkeit und Gleichstellung von LSBT*I* als Errungenschaft des emanzipatorischen Kampfes um Gleichberechtigung besprochen: Fachwerk Biologie 7-9 (Cornelsen) und Politik direkt 7/8 (Westermann). Ersteres ist auch das einzige Lehrwerk, das mit Eigendefinitionen statt mit Fremdzuschreibungen arbeitet. Beispiel: „Homosexuelle Männer bezeichnen sich selbst als schwul, homosexuelle Frauen sich als lesbisch“ (S. 288).

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    news-14267 Fri, 01 Jun 2018 11:19:00 +0200 Warum Antidiskriminierung ein Thema für die Bildung ist http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/warum-antidiskriminierung-ein-thema-fuer-die-bildung-ist/ Der Landesausschuss Diversity der GEW Thüringen freut sich, den Schwerpunkt Antidiskriminierung in einem Themenheft gestalten zu können. Welche Beiträge Euch dazu erwarten, findet Ihr weiter unten. Doch zunächst soll die Frage geklärt werden, welche Diskriminierungen es gibt und warum das auch im Bildungsbereich eine Rolle spielt. Alle Menschen genießen in vielen Lebenslagen Privilegien, erfahren aber in anderen Lebenslagen Benachteiligungen. Dies geschieht zumeist auf Grundlage von Zuschreibungen. Menschen werden in eine Schublade gesteckt und mit einem Etikett versehen. Darauf stehen dann Vorannahmen, was die Person ausmacht, was sie angeblich kann oder nicht kann. Sechs dieser Schubladen mit ihren Etiketten berücksichtigt beispielsweise das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Der §1 nennt hier Rasse oder ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität. Aber es gibt noch viele weitere. Sie alle können Grund dafür sein, Diskriminierung zu erfahren.

    Manchmal stehen sich die Menschen verschiedener Schubladen konfrontativ gegenüber. Jeder kennt beispielsweise das Klischee des Schwule verprügelnden Ausländers. Hier werden ethnische Herkunft bzw. eine rassistische Zuschreibung aufgrund der Hautfarbe gegen die sexuelle Identität ausgespielt. Oft werden Menschen aber auch zeitgleich in verschiedene Schubladen gesteckt und sind von Mehrfachdiskriminierung betroffen. So kann sich beispielsweise eine gehörlose, lesbische Christin in ihrer Gemeinde  ausgeschlossen fühlen und sucht lieber Zusammenkünfte von Gehörlosen auf. Dort wiederum kann sie sich nicht durchringen, sich zu outen, weil sie Ausgrenzung wegen ihrer sexuellen Identität fürchtet. Oder noch schlimmer, der Mensch zieht sich in sich zurück. 

    • Antidiskriminierung im Bildungsbereich

    Gerade im Bildungsbereich können wir uns diesen Schubladen und Zuschreibungen nicht entziehen. Alle Menschen einer gewissen Altersspanne sind verpflichtet, Bildungseinrichtungen aufzusuchen und auch später kommen wir um Bildungsinstitutionen nicht herum. Auch wir Pädagog*innen sind vielfältig und werden in verschiedene Schubladen gesteckt. Kinder und Jugendliche üben gesellschaftliche Verhältnisse ein. So verwundert es nicht, dass Antidiskriminierungsansätze wie der Anti-Bias-Ansatz ursprünglich für den Bereich der frühkindlichen Bildung entwickelt wurde. Denn im Bildungsbereich können wir ansetzen, gegensteuern und die Differenzlinien sichtbar machen. Wer ist privilegiert und wer wird benachteiligt und wo finden ableitend Bildungsermöglichungen statt und wo dagegen Bildungsverhinderungen?

    Ebenso stehen wir Pädagog*innen im Mittelpunkt. Durch Kolleg*innen und durch Schüler*innen, aber auch durch Angehörige oder durch die Bildungsverwaltung können wir ebenfalls in Schubladen landen und sind damit potentiell von Diskriminierung betroffen. An diesen arbeitet mensch sich gerne ab. Nun gilt es für die Situationen und Mechanismen zu sensibilisieren. Wie funktioniert Diskriminierung, auf welchen Ebenen findet sie statt. Welche Rolle spielen dabei Haltung und Macht? In dem Zusammenhang müssen wir uns mit Vorurteilen beschäftigen. 

    • Was Euch in diesem Schwerpunkt erwartet 

    In diesem Heft erwarten uns zwei Gastbeiträge: Dr. Janine Dieckmann vom IDZ (Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft) wirft einen Blick auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die Bereiche, die es nicht abdeckt.

    Vom Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration setzt sich Dr. Axel Salheiser mit der Rolle von Pädagog*innen auseinander und wie sie zu einem diskriminierungsärmeren und bewussteren Klima in den Bildungseinrichtungen beitragen können. Zudem haben wir wieder einige  Veranstaltungsankündigungen, Material- und Linksammlungen dabei. Dort sind Verweise zu Methoden und Materialien zur Antidiskriminierungsarbeit enthalten, aber auch Verweise an Beratungsstellen zum Thema. In einem weiteren Beitrag befasst sich Marcus Heyn mit Cybermobbing und Hass-Sprache. Weiterhin hat er für uns zusammengefasst, was die Schulbuchanalyse der AG LSBTI* ergeben hat, und er bringt weitere Impulse und Anregungen mit ein. Schließlich berichten wir von der Arbeit der GEW an den Themen Vielfalt und Antidiskriminierung und formulieren Anforderungen an eine Landesantidiskriminierungsstelle.

    Wir haben versucht verschiedene Formate einzubringen und alle Bildungsbereiche zu berücksichtigen. Leider ist es uns diesmal nicht in vollem Umfang gelungen - so ist beispielsweise ein Interview zu Vielfalts- und Antidiskriminierungsstrategien in der KiTa nicht zustande gekommen. Wir hoffen dennoch, dass für alle Leser*innen spannende Beiträge und Anregungen dabei sind, und wünschen viel Spaß bei der Lektüre.

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    news-14268 Fri, 01 Jun 2018 11:19:00 +0200 Warum das AGG allein nicht reicht http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/warum-das-agg-allein-nicht-reicht/ Das Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) 2006 stellte eine wichtige Zäsur für den Diskriminierungs- bzw. Minderheitenschutz in Deutschland dar. Als eines der letzten EU-Länder folgte Deutschland damit den geforderten EU-Richtlinien. Am häufigsten nannten die Teilnehmenden ihr Lebensalter als Diskriminierungsgrund (14,8 %), gefolgt von der sozioökonomischen Lage (10,1 %) – welche wohlgemerkt bisher kein im AGG festgeschriebenes Merkmal ist. An dritter Stelle folgten Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Geschlechts bzw. der Geschlechtsidentität.

    Mit Diskriminierung sind Betroffene im Alltag in Interaktion mit Anderen konfrontiert (von Beleidigungen bis hin zu Gewalt). Betroffene erleben oben beschriebene – und durch das AGG fokussierte – institutionelle Diskriminierung wie Job- oder Wohnungsabsagen. Nicht im AGG eingeschlossen sind Kontrollen ohne Verdacht (z. B. durch Polizei). Diskriminierung findet auch auf struktureller Ebene statt: Hierzu zählen Erfahrungen, die z. B. durch Marginalisierung (z. B. fehlende Barrierefreiheit) oder mit herabsetzenden Darstellungen in öffentlichen Diskursen und medialen Darstellungen gemacht werden. Gesellschaftliche Werte und Normvorstellungen drücken sich in Repräsentationsverhältnissen aus, d. h. in der Sichtbarkeit von Minderheiten und Frauen (z. B. in Schulmaterialien, im Bundestag). Für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, stellt sie einen chronischen lebenslangen Stressor dar. 

    Eine Befragung von Betroffenen in Thüringen 2017 zeigte, dass die Anzahl der Diskriminierungserfahrungen in den letzten zwei Jahren negativ mit der Gesundheit der Menschen, ihrem Sicherheitsgefühl in Thüringen und ihrem Vertrauen in Regierung, Polizei und Gerichte einher ging (Dieckmann/Geschke/Braune 2017). Je mehr Diskriminierungsmerkmale Betroffene für sich wahrnahmen, desto negativere Auswirkungen berichteten sie (z. B. als lesbische Frau mit Behinderung). Mehrdimensionale Diskriminierungserfahrungen spielen für viele Betroffene eine bedeutsame Rolle. Von dieser Bandbreite an Diskriminierung bildet das AGG nur einen Bruchteil ab. 

    • Antidiskriminierungsberatung

    Unerlässlich für eine funktionierende Antidiskriminierungspolitik ist neben dem gesetzlichen Diskriminierungsschutz auch eine unabhängige Antidiskriminierungsberatung, so Daniel Bartel, Geschäftsführer des Antidiskriminierungsverbandes Deutschland (advd). Durch professionelle Antidiskriminierungsberatung werden Betroffene über ihre Möglichkeiten des Einspruchs informiert, im Falle einer Anzeige prozessbegleitend unterstützt und im Umgang mit Diskriminierung (auch jenseits des AGG) sowie mit möglichen psychischen und ökonomischen Folgen beraten. Langfristige Modelle einer flächendeckenden Beratung gibt es in Deutschland nur wenige. In Thüringen vernetzen sich momentan zivilgesellschaftliche Initiativen mit Unterstützung des advd, um die Schaffung einer solchen Infrastruktur voranzutreiben.

    • Diskriminierung im Bildungsbereich

    Im AGG wird der Bildungsbereich zwar erwähnt, jedoch ist Bildung bekanntermaßen Ländersache. So betont die ADS in ihrer Evaluation des AGG, dass „Bund und Länder aufgerufen [sind], einen vergleichbaren Diskriminierungsschutz auch dort zu schaffen, wo z.B. Sicherheitsbehörden oder staatliche Bildungsträger gegen die Diskriminierungsverbote verstoßen.“ (ADS, 2016, S.19). Ein Fenster dafür bietet in Thüringen momentan die Enquete-Kommission im Landtag zu „Rassismus und Diskriminierung“. Zahlreiche Stellungnahmen aus dem Thüringer Bildungsbereich wurden angehört. Die Landesschülervertretung berichtete z.B. von Vorfällen rassistischer Diskriminierung, Diskriminierung aufgrund des sozioökonomischen Status und aufgrund des Gewichts. Auch über institutionelle Diskriminierung wurde gesprochen wie den Fakt, dass Jugendliche mit Migrationsgeschichte weniger häufig das Abitur erreichen.

    Die Empfehlung für eine Antidiskriminierungsgesetzgebung auf Landesebene (u.a. für den Bildungsbereich) wäre ein wünschenswertes Resultat der Enquete. Der Thüringer Bildungsminister Holter zeigte sich 2017 offen gegenüber diesen Überlegungen: „Im kommenden Jahr will er sein Ministerium an einem Antidiskriminierungsgesetz arbeiten lassen.“ (Thüringen 24, 18.12.2017) Quod erat demonstrandum: Das AGG allein reicht nicht aus. Es kann nur ein Baustein von vielen sein in einem gesamtgesellschaftlichen Maßnahmenpaket gegen Diskriminierung auf allen Ebenen in allen Lebensbereichen.

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    news-14270 Fri, 01 Jun 2018 11:19:00 +0200 Demokratische Schule – demokratisch geschulte Pädagog*innen? http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/demokratische-schule-demokratisch-geschulte-paedagoginnen/ Stärker noch als andere Berufsgruppen sind Lehrer*innen und Schulpädagog*innen in ihrem Alltag vor die Herausforderung gestellt, demokratische Prinzipien zu befolgen und an andere zu vermitteln. Zu ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag gehört die Einhaltung professioneller Standards, die einen konsequenten Menschenrechtsbezug verlangen. Ziel sollte es sein, eine diskriminierungsfreie und gleichberechtigte Teilhabe aller im Schulalltag zu gewährleisten. Lehrende und Erziehende sind wichtige Vorbilder für die Schüler*innen und müssen sich auch der Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten bzw. deren Erwartungen stellen. Der gelegentliche Einwand, Schule könne kein „Reparaturbetrieb“ für alle gesellschaftlichen Fehlentwicklungen sein, ist vor dem Hintergrund widersprüchlicher und bisweilen inflationärer Forderungen gegenüber Pädagog*innen verständlich. Doch in Bezug auf Demokratiebildung, Diskriminierungsfreiheit und die wertschätzende Anerkennung von Vielfalt muss die Schule als zentrale Sozialisationsinstanz ihrem gesellschaftlichen Auftrag gerecht werden. Im „Mikrokosmos Schule“ begegnet und verdichtet sich ein breites Spektrum von Einstellungen und Verhaltensweisen, die in der Gesellschaft existieren. Dies führt unweigerlich auch zu Konfrontationen und Konflikten zwischen bzw. unter Lehrenden, Lernenden und Angehörigen. Wichtig ist trotz allem, Kompromisse zu finden, durch die gemeinsame Ziele erreicht werden können, ohne dabei zentrale Handlungsaufträge zu vernachlässigen und professionelle Standards zu unterlaufen. Die Augen vor gesellschaftlichen Problemen wie z. B. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder der Benachteiligung ökonomisch Benachteiligter zu verschließen und die schulische Mitverantwortung dafür abzuweisen ist der falsche Weg. 

    • Ungleichwertigkeitsdenken und Diskriminierung müssen erkannt werden können

    Diskriminierenden Einstellungen und undemokratischem Verhalten darf nicht erst dann Einhalt geboten werden, wenn Grenzen der Legalität bereits überschritten sind oder wenn „Extremismus“ nach der Kategorisierung durch Polizei und Verfassungsschutz vorliegt. In solchen Fällen würde der Handlungsauftrag der Lehrenden ohnehin bei der Melde- bzw. Anzeigepflicht enden. Der eigentliche Aufgabenbereich von Pädagog*innen ist die Prävention und niederschwellige Intervention; sie sollten Sorge dafür tragen, dass Einstellungen und Verhaltensweisen, die auf Ungleichwertigkeitsdenken basieren, gar nicht erst ausgebildet werden oder sich weiter verfestigen. Dies setzt voraus, dass Pädagog*innen die unterschiedlichen Formen von Ungleichwertigkeitsdenken und Diskriminierung erkennen und einordnen können. Vor allem aber müssen sie dazu befähigt und ermutigt werden, Prinzipien der gleichwertigen Teilhabe, der Chancengerechtigkeit und des gegenseitigen Respekts zu vermitteln, adäquat auf undemokratische Tendenzen zu reagieren und dies als zentralen Aspekt ihres Handlungsauftrages zu reflektieren. Das Erlernen von Präventionsstrategien und die Einübung konkreter Interventionspraktiken
    für den Schulalltag sollten deshalb feste Bestandteile der Aus- und Fortbildungen für alle Lehrer*innen und Pädagog*innen sein. Dies gilt fächerübergreifend.

    • Unsicherheit und Ratlosigkeit bei vielen Kolleg*innen 

    Wenn beispielsweise bei einer Gruppendiskussion im Klassenzimmer rassistische und fremdenfeindliche Bemerkungen fallen, auf dem Pausenhof homophobe Schimpfwörter benutzt werden oder Schüler*innen Bekleidung mit (legalen oder illegalen) Symbolen oder Codes der rechtsextremen Szene tragen, darf niemand weghören oder wegsehen. Hier muss eine angemessene pädagogische Bearbeitung erfolgen. Auch Mobbing darf nicht als grundlos anmutende „Streitigkeit zwischen Kindern“ bagatellisiert werden: Meist besteht die Ursache in frühzeitig ausgeprägtem Ungleichwertigkeitsdenken (z. B. bezüglich des Aussehens, der Herkunft, der Sprache, der Kleidung, der angeblichen Fähigkeiten der betroffenen Kinder usw.), das sich mitnichten durch ein wohlmeinendes „Vertragt Euch!“ aus der Welt schaffen lässt. Die in einem konkreten Fall fortgesetzter Beleidigungen geäußerte Meinung einer Lehrkraft, „Kinder seien eben so“, mutet wie eine pädagogische Kapitulationserklärung an. Andererseits verdeutlichte diese Aussage die Unsicherheit und Ratlosigkeit, die viele Kolleg*innen empfinden, denen eine Verbesserung des Schulklimas am Herzen liegt. 

    Wichtig ist, dass Lehrende und Erziehende dabei immer ihre eigenen Einstellungen und ihre eigene Diskriminierungssensibilität reflektieren. In der repräsentativen Bevölkerungsbefragung des Thüringen-Monitors 2017 deutete sich an, dass Lehrende und Erziehende selbst keineswegs frei von Vorurteilen sind. In erheblichem Umfang stimmen auch sie solchen Aussagen zu, die zur Erfassung von Einstellungen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit dienen. Allerdings war die Gruppe der mitbefragten Pädagog*innen zu klein, als dass Aussagen zu Einstellungsunterschieden getroffen werden könnten. Wissenschaftliche Spezialbefragungen von Thüringer Pädagog*innen nach Vorbild des Thüringen-Monitors gab es bisher nicht. 

    Sensibilität, Wissen und Handlungskompetenzen für einen demokratischen und diskriminierungsfreien Schulalltag können Thüringer Pädagog*innen beispielsweise in Fortbildungsseminaren erwerben, die im Rahmen des Thüringer Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit von verschiedenen Institutionen angeboten  werden: www.denkbunt-thueringen.de

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    news-14263 Fri, 01 Jun 2018 10:01:00 +0200 Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/liebe-kolleginnen-liebe-kollegen/ wenn diese tz erscheint, sind sehr dichte Wochen für eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen vorüber. Und nein, ich meine damit nicht das bald endende Schuljahr.
  • WERTSCHÄTZUNG DEINER ARBEIT!
  • Ich denke an die Vorbereitung und Begleitung der Personal- und Betriebsratswahlen in den Schulen, Hochschulen und Kindergärten sowie vereinzelt in freien Schulen. Das Wahlmotto „Wertschätzung Deiner Arbeit“ war noch recht schnell gefunden, dann aber ging es immer intensiver weiter: Material wurde erstellt und zahlreiche Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen geführt, die erstmals ihre Interessenvertretung wählen wollen. Viele Veranstaltungen hat die GEW Thüringen organisiert, zum Thema Gewalt gegen Lehrer*innen, zum Thema Arbeitszeit, zu den Aufgaben der Personalvertretung, zu juristischen Fragen von Schulleitungen, eine Kundgebung zum besseren Besoldung von Grund- und Regelschullehrkräften. Mein herzlicher Dank geht an alle Aktiven, besonders aber an Bärbel Brockmann und Gunter Zeuke für die vielen Stunden ehrenamtlichen Engagements und an die Kolleg*innen in der LGS, denen es gelungen, jede noch so kurzfristige Idee umzusetzen.

    • Erfolgreich in den Verhandlungen zum TVöD

    Parallel zu den Wahlen fand die Tarifrunde zum TVöD statt, die nach einer langen letzten Tarifverhandlung mit einem überraschend guten Ergebnis ihren Abschluss fand. Im Schnitt 7,3 Prozent mehr für alle Entgeltgruppen und -stufen im Sozial- und Erziehungsdienst. Trotz der längeren Laufzeit von 30 Monaten bedeutet dies ein dickes Lohnplus für unsere Kolleg*innen in der Kinder- und Jugendhilfe. 

    • PEK-Verhandlungen: Die Zeit ist reif für Entscheidungen

    Seit den Umsetzungswerkstätten verhandelt die GEW Thüringen das Personalentwicklungskonzept Schule (PEK). Intensive Diskussionen in den Unterarbeitsgruppen, aber vor allem in den Arbeitsgruppen innerhalb der GEW Thüringen bereiten die Verhandlungen vor. So viel Energie, so viel Zeit und doch derzeit noch so wenige Ergebnisse. Aus der Aufbruchstimmung, die mit dem neuen Bildungsminister über das Land schwappte, droht eine Stimmung des „Eswirdsichjadochnichtsändern“ zu werden. Das TMBJS täte gut daran, die Verhandlungen zur Personalentwicklung ernst zu nehmen und die GEW und die Verbände als Partner zu verstehen und nicht als Gegner. Wollen wir Schule endlich wieder zu einem attraktiven Lern- und Arbeitsort mit gesunden und gesunderhaltenden Arbeitsbedingungen weiterentwickeln, dann müssen wir jetzt die Weichen dafür stellen. Wohlwissend, dass Veränderungen Zeit brauchen, ist jeder Tag, an dem keine Entscheidung fällt, ein verlorener Tag. Das mag drastisch klingen, aber es hat einen ernsten Hintergrund: Uns muss jetzt gelingen, den Lehrkräftemangel zu überwinden, durch gute Ausbildung und bessere Einkommen, durch Entlastungen und Perspektiven zur  persönlichen Weiterentwicklung. Jede einzelne Maßnahme, die in den PEK-Verhandlungen gedacht, diskutiert, verworfen, wiederaufgenommen wird, braucht nach der Entscheidung an auch die Umsetzung. Dies alles ist wertvolle Zeit, in der weiterhin Unterricht ausfällt, Lehrkräfte abwandern, Lernbiografien unter schwierigen Bedingungen
    geschrieben werden. Jetzt ist die Zeit für Entscheidungen. Jetzt ist die Zeit für die Umsetzung.

    • Ein weiterer Erfolg: Mehr Mitbestimmung an den Hochschulen

    Thüringen hat ein neues Hochschulgesetz, dass auch aufgrund der Einflussnahme der GEW Thüringen die Mitbestimmung an Hochschulenverbessert und damit einen Beitrag zur weiteren Demokratisierung der Hochschulen leistet. Wir werden die Umsetzung des Gesetzes wie immer kritisch begleiten und die Beschäftigten an den Hochschulen über ihre neuen und alten Rechte informieren. 

    Für die anstehende Sommerzeit mit Ferien und Urlaub wünsche ich Euch gutes Wetter, Zeit zum Entspannen und Kräftesammeln. Denn nach dem Sommer warten wieder neue Herausforderungen auf uns. Und ganz sicher auch ein paar noch nicht gelöste.

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    Bildungsbereiche Schulsozialarbeit Studium Wissenschaft Kita Weiterbildung Berufliche Bildung Schule Artikel Thüringen
    news-14257 Mon, 28 May 2018 10:00:00 +0200 tz - thüringer zeitschrift der Bildungsgewerkschaft - Juni 2018 ist online http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/tz-thueringer-zeitschrift-der-bildungsgewerkschaft-juni-2018-ist-online/ Mit dem Schwerpunkt: (Anti-)Diskriminierung - Medien und Pädogog*innen in der Pflicht
  • Die Landesvorsitzende zur aktuellen Lage in Thüringen
  • (ANTI-)DISKRIMINIERUNG – MEDIEN UND PÄDAGOG*INNEN IN DER PFLICHT

    GEW AKTUELL

    RECHTSSTELLE

    AUS DEN KREISEN

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    news-14239 Fri, 25 May 2018 11:00:00 +0200 Lehrbeauftragte an Thüringer Hochschulen http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lehrbeauftragte-an-thueringer-hochschulen/ Wesentliche Ergebnisse der Auswertung einer Umfrage unter Lehrbeauftragten an Thüringer Hochschulen zu Beginn des Jahres 2018 Ein Hauptanliegen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist der kontinuierliche Einsatz für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen. An Hochschulen fällt dabei der Fokus auf Beschäftigtengruppen, die besonders häufig in prekären Beschäftigungsverhältnissen ihre Arbeit verrichten. Neben dem befristeten wissenschaftlichen Personal und den wissenschaftlichen Hilfskräften sind hierbei auch die Lehrbeauftragten zu nennen.

    Die größte Auffälligkeit und möglicherweise auch eine gewisse Verlockung zur missbräuchlichen Vergabe von Lehraufträgen ist darin begründet, dass Lehraufträge für die Hochschulen eine kostengünstige Alternative darstellen, um das Lehrangebot abzudecken. Eigene Berechnungen zeigen, dass ein Lehrauftrag mit etwa 120 € pro Vorlesungsstunde vergütet werden müsste, damit nach Abzügen für eine selbstständige Lehrkraft ein vergleichbares Netto-Einkommen wie für eine festangestellte Lehrkraft für besondere Aufgaben übrig bliebe. Die tatsächliche Vergütung der Lehraufträge liegt im Durchschnitt unter 30 € (brutto) pro LVS.

    Vor diesem Hintergrund gibt es Licht und Schatten bei der Neuauflage des Thüringer Hochschulgesetzes. Die Formulierung zum Einsatz von Lehraufträgen wurde aufgeweicht, so dass diese jetzt neben der Ergänzung des Lehrangebots auch in begründeten Fällen zur Sicherstellung des Lehrangebots vergeben werden können. Positiv ist hervorzuheben, dass nun bei der Vergütung auch Vor- und Nachbereitungszeiten zu berücksichtigen sind und dass das Präsidium einmal jährlich über die Vergabe von Lehraufträgen berichten muss.

    Die GEW Thüringen hat Ende 2017/Anfang 2018 in einer Umfrage, die sich an die etwa 1800 Lehrbeauftragten an Thüringer Hochschulen richtete, genauer nachgefragt. Die erste Herausforderung dabei war es, die Umfrage überhaupt bekannt zu machen, da die Lehrbeauftragten i. d. R. nicht in den E-Mail-Verteilern der Hochschulen verzeichnet sind. Durch GEW Mitglieder vor Ort und mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft der Lehrbeauftragten an der Universität Erfurt war es dennoch möglich eine Vielzahl von Lehrbeauftragten zu erreichen. Insgesamt füllten 199 Lehrbeauftragte die Online Umfrage aus.

    Tabelle: Teilnehmende an der Umfrage und Gesamtanzahl der Lehrbeauftragten (LB) an Thüringer Hochschulen

      Teilnehmende an der Umfrage   Gesamtzahl der LB     Anteil der Teilnehmenden an der Gesamtzahl  
      199 1796  
    Hochschule Nordhausen 16 31 52 %
    Technische Universität Ilmenau 30 70 43 %
    Friedrich-Schiller-Universität Jena 83 315 26 %
    Universität Erfurt 45 379 12 %
    Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar 22 354 6,2 %
    Bauhaus-Universität Weimar 1 29 3,5 %
    Fachhochschule Erfurt 3 134 2,2 %
    Duale Hochschule Gera-Eisenach 4 250 1,6 %
    Ernst-Abbe Hochschule Jena 1 184 0,5 %
    Hochschule Schmalkalden - 50 -

    In der Gesamtschau spielen die Duale Hochschule Gera-Eisenach und die Hochschule für Musik in Weimar gewiss ein besondere Rolle. In der Dualen Hochschule gehen wir tendenziell eher davon aus, dass die Lehraufträge als Zusatzeinkommen neben einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis dienen. Aufgrund der geringen Rücklaufquote können wir dies allerdings zahlenmäßig nicht repräsentativ belegen. Der Bereich Musik und Kunst ist ebenfalls ein spezieller und kann hier nicht weiter betrachtet werden.

    Im Hinblick auf das novellierte Thüringer Hochschulgesetzes (ThürHG) ist insbesondere die Zahl der Lehrveranstaltungsstunden (LVS) pro Woche interessant. Lehrbeauftragte, die in drei Jahren mindestens in drei Semestern mit jeweils mindestens 9 LVS unterrichten, können auf Antrag Mitglieder der Hochschule werden und somit in der Selbstverwaltung der Hochschulen mitwirken. Erwartungsgemäß war der Anteil der Lehrbeauftragten mit mit 9 LVS oder mehr allerdings gering. 90 % der Befragten erteilen 8 oder weniger LVS pro Woche. Bei 50 % sind es nur 1-2 LVS. Lediglich 25 % gaben an, noch Lehraufträge an anderen Einrichtungen wahrzunehmen, z. B. an Volkshochschulen.

    Auf die Frage, seit wie vielen Semestern Lehrbeauftragte mit oder ohne Unterbrechung an Hochschulen tätig waren, antworteten 44 % seit 11 oder mehr Semestern. Zu einem erheblichen Teil wird also über viele Semester unterrichtet, wobei sich der Verdacht aufdrängt, dass in vielen Fällen Daueraufgaben von Lehrbeauftragten wahrgenommen werden. 71 % gaben an, ohne Unterbrechungssemester tätig zu sein. Für diese Fälle wäre ein unbefristetes sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis ggf. mit geringem Stellenumfang das zweckdienlichere Mittel.

    Etwas überraschend fiel die Antwort auf die Frage aus, ob die Lehrveranstaltungen nur zur Ergänzung (wie im damals aktuellen ThürHG vorgesehen) oder auch zur Sicherung des Lehrangebots dienen. Lediglich 12 % gaben an, dass es sich bei Ihren Veranstaltungen um reine Zusatzangebote handele. Hier wird deutlich, dass Lehraufträge wesentlich häufiger genutzt werden, als dies gemäß ThürHG vorgesehen ist und, dass durchaus zu befürchten ist, dass in signifikantem Maße reguläre Beschäftigung durch Lehraufträge verdrängt wird.

    Bei der Frage nach dem Qualifizierungsniveau gaben 7 % an, habilitiert zu ein, 26 % sind promoviert und 59 % verfügen über einen Masterabschluss.

    Auch bei der Bemessung der Unterrichtsstunden existieren Unterschiede. Bei 16 % der Befragten wurde die LVS mit 60 Minuten veranschlagt, bei 84 % mit 45 Minuten.

    Beim Einkommen lohnt der Blick auf zwei weitere Fragen. Die Frage, welchen Anteil die Lehrauftragsvergütung am Einkommen ausmacht beantworteten 40 % mit „einen geringfügigen Anteil“. Das weitere Einkommen speist sich bei 44 % der Befragten aus einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. D. h. allerdings im Umkehrschluss, dass 56 % der Lehrbeauftragten von ihrer freiberuflichen Tätigkeit, Minijobs, Aufstockungsleistungen, Rente u. ä. leben.

    Eine vergleichbare Spaltung zeichnet sich bei der Frage nach der beruflichen Zukunft ab. Etwa die Hälfte schätzt diese als ausbaufähig ein bzw. sieht keine Entwicklungsmöglichkeit, wohingegen die andere Hälfte sie als gut bis sehr gut bewertet.

    Bei Freitextantworten finden sich diverse Mehrfachnennungen. Am häufigsten wurden die geringe Wertschätzung und die mangelnde Integration an der Einrichtung genannt. Die geringe Bezahlung, semesterweise Befristungen, unsichere Perspektiven und die mangelnde soziale Absicherung belasten viele Lehrbeauftragte zusätzlich.

    Im Rahmen der Stellungnahmen und Anhörungen zum ThürHG brachte die GEW einige Verbesserungsvorschläge ein, die teilweise auch den Weg ins aktuelle Gesetz fanden. Grundsätze für die Vergabe und Vergütung von Lehraufträgen unter Berücksichtigung der Vor- und Nachbereitungszeiten sollen gemäß neuem ThürHG zukünftig per Rechtverordnung geregelt werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese kleinen Erfolge letztlich auf die Vergabepraxis bei Lehraufträgen auswirken.

    Dies ist jedoch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, da mit der Novellierung des ThürPersVG bereits die nächsten Weichenstellungen erfolgen.

    Wir stellen diese und weitere Ergebnisse der Umfrage gerne im Rahmen von Veranstaltungen vor. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Marko Hennhöfer. 

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    Studium Wissenschaft Bildungsgerechtigkeit Gute Arbeit Artikel Thüringen
    news-14233 Thu, 24 May 2018 15:00:00 +0200 Wie stehen wir zu den geplanten Änderungen im Schulgesetz hinsichtlich Schulgrößen? http://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wie-stehen-wir-zu-den-geplanten-aenderungen-im-schulgesetz-hinsichtlich-schulgroessen/ Am 22.05.2018 präsentierte die Thüringer Landesregierung ihren Entwurf für ein neues Schulgesetz. In diesem legt sie unter anderem Mindestgrößen für die einzelnen Schularten fest. Wie beurteilt das die GEW Thüringen in einer ersten Reaktion? Zum einen begrüßt die GEW Thüringen, Schulmindestgrößen verbindlich zu regeln. Dies schafft Planungssicherheit für Schulträger und Schulen. Zum Erhalt von Standorten sind Kooperationsmodelle sinnvoll, entscheidend für den Erhalt von Schulstandorten muss jedoch die Qualität des Unterrichts und die gelingende Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrages sein. Ausnahmeregeln für Schulen aufgrund besonderer räumlicher Bedingungen sind dabei aber dringend geboten.

    Zum anderen: Die GEW Thüringen sieht die beabsichtigten Änderungen im Schulgesetz hinsichtlich der Mindestschulgrößen dennoch kritisch. Sie befürchtet durch Schulkooperationen im großen Stil eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen vieler Lehrkräfte. Die beabsichtigten Einspareffekte sind nicht offensichtlich, die personellen Ressourcen werden durch Kooperationsmodelle gleich welcher Art nicht automatisch geschont.

    „Bei Kooperationsmodellen müssen entweder die Schülerinnen und Schüler transportiert werden oder die Lehrerinnen und Lehrer pendeln zwischen den Standorten hin und her.
    Aber Schule findet nicht auf der Straße statt!“ 

    (Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen)

    Sollten nun Lehrerinnen und Lehrer in großem Umfang pendeln müssen, braucht es ein umfassendes System an Anrechnungsstunden, um die belastenden Folgen für die Lehrkräfte einzudämmen.

    Hintergrund:

    Folgende Mindestgrößen wurden genannt:

    • Dorfgrundschulen (bis 6.500 Einwohner) 80 Schüler
    • Stadtgrundschulen 160 Schüler
    • Regelschulen 242 Schüler
    • Gesamtschulen 396 Schüler
    • Gymnasien 540 Schüler
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