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Was sind denn das für neue Abzüge auf der Gehaltsabrechnung?

13.11.2017 - GEW Thüringen

Gehaltsabrechnungen sollten nachvollziehbar sein. Die Realität ist oft völlig anders, da sind diese unerklärlich und für die Arbeitnehmer*innen in keiner Weise nachvollziehbar. Um Gehaltsabrechnungen verstehen zu können, darf nicht das Studium zur Finanzbuchhalterin erwartet werden. Landesbeschäftigte erhalten stets bei eintretenden Änderungen ihrer Gehaltsabrechnung eine Bescheinigung der Thüringer Landesfinanzdirektion (LFD). Hilfreich wären allerdings erklärende Hinweise auf der Gehaltsabrechnung zum gegebenen Anlass - leider oft Fehlanzeige.

Veränderungen auf der Gehaltsabrechnung? Die GEW Thüringen klärt auf!

Worum geht es? Landesbedienstete Angestellte ab E 13 fanden oder finden auf der Gehaltsmitteilung – von der LFD nicht näher erklärt – zum Jahresende vermehrt zusätzliche Abzüge bei Lohnsteuer, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Ursache dafür liegt im Einkommensteuerrecht. Nach dem Einkommensteuergesetz (§ 3 Nr. 63) sind Beiträge zu einer kapitalgedeckten betrieblichen Altersversorgung - also auch zur VBL Ost - im Regelfall bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze (West) der Rentenversicherung steuerfrei. Bei einer Bemessungsgrenze von 76.200 € im Jahr 2017 bedeutet dies eine Steuerfreiheit für 3048 €. Für die Berechnung des Freibetrags ist für die VBL Ost auch die Beitragsbemessungsgrenze (West) ausschlaggebend. Damit ergibt sich ein höherer Freibetrag.

Wird dieser Betrag durch Beitragszahlungen im Laufe des Steuerjahres überschritten, muss auf die 3048 € übersteigenden VBL-Beiträge (des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers) Lohnsteuer gezahlt werden. Und da die Sozialversicherungspflicht grundsätzlich der Steuerpflicht folgt, fallen auf den übersteigenden Teil auch Beiträge zur Renten- und zur Arbeitslosenversicherung an (Kranken- und Pflegeversicherung nicht, da das Bruttoentgelt der betroffenen Kolleg*innen über der Beitragsbemessungsgrenze in der KV/PV liegt).

2018 beginnt eine neue „Jahresrechnung“. Zum Jahresende 2018 ist eine vergleichbare Situation zu erwarten, jedoch mit deutlich geringeren Folgen:

  1. 2018 steigt die Beitragsbemessungsgrenze (West) der Rentenversicherung auf 78.000 €
  2. 2018 sind 8 % der Beitragsbemessungsgrenze (West) der Rentenversicherung steuerfrei

Stärkung der betrieblichen Altersversorgung

Hauptsächlich liegt diese Änderung daran, dass im Zuge der -  auch von den Gewerkschaften geforderten – politisch beabsichtigten Stärkung der betrieblichen Altersversorgungen die Steuerfreiheitsgrenze für Einzahlungen in betriebliche Altersversorgungssysteme angehoben wird. Im entsprechenden Betriebsrenten-Stärkungsgesetz wurde der Dotierungsrahmen, also das Einkommen, das steuerfrei nach § 3 Nr.63 EStG für eine kapitalgedeckte betriebliche Altersversorgung verwandt werden kann, auf  8 % der Beitragsbemessungsgrenze (West) der Rentenversicherung angehoben. Sie wird demzufolge dann bei 8% von 78000€ = 6240 € liegen.

Allerdings ist dieser erhöhte Dotierungsrahmen nur steuer-, nicht auch sozialversicherungsfrei. RV- und AV-Beiträge werden dann auch weiterhin für den 4% der BBG (3120 €) übersteigenden Teil der VBL-Beiträge anfallen.

Wir hoffen, dass diese Hinweise verständlich sind und die Abrechnung des Arbeitgebers erklären helfen. Wir meinen: Gehaltsabrechnungen sollten nachvollziehbar sein!

Hier finden GEW-Mitglieder Hintergrundinformationen und Erklärungen zu rechtlichen Fragen .

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Kommentare
Name: Kollege
Vorschlag
Liebe Kolleginnen und Kollegen, danke für die hilfreiche Erläuterung, das spart Zeit für Nachfragen und müsste eigentlich von der Landesfinanzdirektion gedankt werden, z.B. durch eine Spende an die GEW, die der Arbeitszeit- und Lohnkosteneinsparung infolge nicht zu beantwortender Nachfragen entspricht!
14.11.2017 - 09:10
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