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Thüringer Regelschultag 2005

Wie schaffen wir das, was andere Länder seit Jahren schaffen?


Diese Frage stellten sich ca. 120 GEW-Mitglieder und Gäste aus Thüringen zum 6. Regelschultag der GEW am 12. März 2005 in Gotha.

Das Ambiente der Staatlichen Technischen Berufsschule forderte in Ergänzung des Tagungsthemas förmlich die Frage nach der Zusammenarbeit zwischen Regelschule und Berufsschule heraus. Allerdings nahmen nur drei der 10 Arbeitsgruppen dieses Thema in Angriff.





Die Diskussion zu den PISA–Ergebnissen, Erfahrungen aus verschiedenen Projekten sowie Schulversuche waren Anlass für die Landesregierung die Diskussion zur Entwicklung der Thüringer Regelschule voranzutreiben und die entsprechenden gesetzlichen Änderungen vorzunehmen. Zur praktischen Umsetzung des Konzeptes sollten vor Ort weitere konkrete Schulentwicklungsprozesse ausgelöst werden. Die derzeit geführte Debatte wird von verschiedenen Ideen wie längeres gemeinsames Lernen, stärkere Förderung des einzelnen Schülers, Stärkung der Eigenverantwortung der Einzelschule z. B. im Umgang mit einer flexibleren Stundentafel oder neuen Unterrichtfächern bestimmt.

Die GEW Thüringen bringt sich seit Beginn dieses Prozesses ein und macht immer wieder auf mögliche Probleme und Fragestellungen bei der Umsetzung aufmerksam.
Zum Beispiel führten wir zur Information und Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer an Regelschulen am 26. Mai 2004 eine Fortbildungsveranstaltung in Kooperation mit dem ThILLM durch.

Die positive Resonanz dieser Veranstaltung veranlasst uns nach einem halben Jahr Umsetzung der neuen Schulordnung im Regelschulbereich Bilanz zu ziehen, Erfahrungen auszutauschen und weitere Schlussfolgerungen zu ziehen.



Der Regelschultag sollte zum innergewerkschaftlichen und bildungspolitischen Erfahrungsaustausch beitragen. Diesem Anliegen wurde er dank umsichtiger Vorbereitung durch Uschi Wilhelm (KV Gotha) und Petra Rechenbach (Referentin für Bildung) auch voll gerecht.





Schulleiter Rische von der technischen Berufsschule ging in seiner Begrüßungsansprache auf die Beziehungen
zwischen Regelschule und Berufschule ein. „Es gibt gute und schlechte Erfahrungen“ räumte der Schulleiter ein.Viele Schüler kommen ohne Abschluss von der Regelschule, sie sollen über Berufsvorbereitungsjahre und weitere Maßnahmen den Weg in das Berufsleben schaffen. Er lobte andererseits die gute Vorbildung, die Schüler des Landkreises Gotha im Bereich technische Grundbildung mitbringen.


Schulamtsleiter Herold lobte die Regelschullehrer für ihre verantwortungsvolle Arbeit und die Bereitschaft, sich auf der Plattform des Regelschultages dem Erfahrungsaustausch zu stellen.





Es stelle keine Alternativen dar, sondern werfe mehr Fragen auf, als das es sie beantwortet. „Wir brauchen mehr Ruhe für die pädagogische Arbeit und nicht alle halbe Jahre neue Konzepte“, so Röhreich wörtlich.


Der GEW-Vorsitzende Jürgen Röhreich dokumentierte den Werdegang der Thüringer Regelschule, die als Herzstück der Thüringer Bildung begonnen habe, nun aber infarktgefährdet sei und eines Schrittmachers bedarf. Deshalb sei nun auch die CDU-Regierung auf die Regelschule, deren gesellschaftlicher Ruf im Sinken begriffen ist, aufmerksam geworden und habe vor der Landtagswahl ein entsprechendes Programm vorgelegt. „Plötzlich waren bis dato geschmähte Vokabeln wie „länger gemeinsam Lernen“ und „Ganztagsschule“ in den Sprachgebrauch von CDU-Bildungspolitikern aufgenommen. Kritisch äußerte sich der GEW-Vorsitzende in diesem Zusammenhang zum Konzept „Bildung und
Betreuung von 2 bis 16“.





In den Arbeitsgruppen nutzten Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch.


In der Arbeitsgruppe 10 stellten Dr. Kirschberg und Kollege Freitag die Möglichkeiten der Berufsschulausbildung vor. „Die Vielschichtigkeit der einzelnen Bildungsgänge ist von Schülern und Eltern kaum zu überblicken“, bestätigten die Referenten. Um Die Berufsschulpflicht zu erfüllen, reicht es nicht aus, eine bestimmte Anzahl von Schuljahren zu absolvieren. Erst eine erfolgreich bestandene Abschlussprüfung beendet die Berufsschulpflicht. Das Fehlen an polytechnischer Vorbildung macht sich besonders in den Bereichen Fachrechnen und Fachzeichnen bemerkbar. „Technisches Zeichnen als Unterricht gibt es nicht mehr, das Fachrechnen ist zu oberflächlich entwickelt. Deshalb nehmen wir aus den Lernfeldern Stunden weg, um als Einführung in diese Bereiche zu Beginn des Lehrjahres Freiräume zu schaffen und alle Schüler auf ein einheitliches Ausgangsniveau zu bringen“, erklärte dazu Dr. Kirschberg.





Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Frage„Sind unsere Schüler wirklich dümmer?“. In der Diskussion bekräftigten Lehrerinnen und Lehrer die Auffassung, dass die Schule als der alleinige Wissensinformator Konkurrenz bekommen hat, durch die Medien und damit seine führende Stellung eingebüßt hat. Das wird in der täglichen Arbeit nicht genug berücksichtigt, so dass idealisierte Vorstellungen und Erwartungen mit den tatsächlichen Gegebenheiten kollidieren.





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