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17.02.2011 PM 09/2011 Umbenennung des Petersenplatzes in Jena

Am Ende waren der Protest und die Debatten erfolgreich. Die Befürworterinnen und Befürworter der Umbenennung setzten sich am Abend des 16.02.2011 im Jenaer Stadtrat mit 27 zu 13 Stimmen bei einer Enthaltung durch. Der Petersenplatz wird umbenannt, einen neuen Namen soll nun der Kulturausschuss vorschlagen, der auch über eine Tafel auf dem Platz entscheiden soll, die seine Namensgeschichte reflektiert.
Die GEW Thüringen begrüßt diese Entscheidung und dankt vor allem den Jenaer GEW-Studis, die mit ihren Aktionen immer wieder auf eine Entscheidung im Stadtrat gedrängt hatten. „Es geht um die Person Peter Petersen, nicht um Jenaplan und das dahinter stehende pädagogische Konzept.“ erklärt der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft, Torsten Wolf. „Sie haben deutlich gemacht, wie wichtig es ist, den Jenaplan nicht als Schutzschild für die ideologische Vergangenheit Prof. Peter Petersens zu nutzen“, so Wolf weiter. Dieser Plan bildet eine Grundlage der Reformpädagogik und wird heute in reformierter Form weltweit erfolgreich an Schulen umgesetzt.

Zuvor hatte es in Jena heftige Debatten um den Umgang mit Petersens Vergangenheit gegeben. Noch im Dezember hatte der Kulturausschuss die Umbenennung abgelehnt. Mit Workshops und Plakataktionen brachten Studierende und Wissenschaftler die Frage immer wieder in den öffentlichen Raum. „Dieses Engagement verdient unseren Respekt“, betont Wolf. „Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ist noch nicht beendet. Gerade in den Schulen und Hochschulen muss die jüngere Geschichte immer wieder zum Thema gemacht werden, damit die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten. Dazu gehört dann auch, dass eine Stadt sich bewusst macht, welche Personen und Taten sie mit ihrer Straßen- und Platzbenennung ehrt.“



Zum Hintergrund:

Der Reformpädagoge Peter Petersen (1884-1952) hat der Habilitationsschrift des Frankfurter Erziehungswissenschaftlers Benjamin Ortmeyer zufolge den Nationalsozialismus und dessen Rassenideologie aktiv unterstützt. Diese Ansicht stützt auch der Osnabrücker Petersen- Forscher Torsten Schwan.
Von 1923 bis 1952 lehrte Petersen an der Universität Jena Pädagogik. 1927 entwickelte er das «Jenaplan»-Schulkonzept. Dieses setzt auf Gruppenarbeit statt Frontalunterricht, jahrgangsübergreifendes Lernen sowie Kurs- und Projektarbeit. Ortmeyer deckte auf, dass sich Petersen auch als Rassist, Nationalist und Antisemit offenbarte. So warnte er in einem Aufsatz von 1941 vor einer Vermischung der Rassen. Es sei die «Pflicht hochwertiger Völker und Rassen», ihr Erbgut rein zu halten. Andernfalls sei eine «seelische Entartung» unvermeidlich.
In den vergangenen Jahren wurden in mehreren deutschen Städten Schulen und Straßen, die den Namen Peter Petersens führten, umbenannt. Nun hat sich auch Jena dazu entschlossen.


Anfragen können gerichtet werden an:


Torsten Wolf

Telefon: 

0361 59095 - 12

Fax:

0361 59095 - 60

E-Mail-Adresse



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