| | Auf ihrer 18. Hochschulkonferenz hat die GEW Thüringen am Samstag, dem 30.01.2010, mit Landtagsabgeordneten, dem Wissenschaftsstaatssekretär Prof. Dr. Deufel und Mitgliedern der Thüringer Hochschulen die Redemokratisierung der Thüringer Hochschulen und die Notwendigkeit der Reform des Bologna-Prozesses in Deutschland diskutiert. Die Bildungsgewerkschaft setzt dabei auf einen Aufbruch in der Thüringer Hochschullandschaft – hin zu Demokratie, mehr Qualität in der Bildung und zu verbesserter Partizipation.
Zahleiche Studierende und Mitarbeiter/innen der Hochschulen waren gekommen, um einleitend den Beitrag von Dr. Eva-Maria-Stange (SPD), der ehemaligen sächsischen Wissenschaftsministerin, zu Ansprüchen an eine moderne und zukunftsorientierte Hochschulgesetzgebung zu hören. Der neue Thüringer Wissenschaftsstaatssekretär Prof. Dr. Thomas Deufel (SPD) benannte wichtige Vorhaben der Landesregierung. Diese wurden mit ihm intensiv diskutiert. Prof. Dr. Jürgen Krause (GEW) und Dr. Robert Gramsch (FSU Jena) sprachen zu Möglichkeiten demokratischer Mitwirkung an Hochschulen, die Anfang der 90er Jahre – zu „demokratischeren“ Zeiten – in Thüringen bestanden. Als Ehrengast konnte Prof. Dr. Karl-Ulrich Meyn begrüßt werden, der wichtige Erfahrungen aus seiner Zeit als Rektor der Friedrich-Schiller-Universität einbringen konnte. Die GEW begrüßt die Absicht und Zusage des Staatssekretärs, die Thüringer Landesregierung wolle mit den Hochschulen, der GEW und den Studierendenvertretern einen konstruktiven Dialog zur Verbesserung der Hochschuldemokratie einleiten.
Nach Ansicht der Bildungsgewerkschaft baut Hochschulautonomie auf demokratischen Entscheidungsstrukturen innerhalb der Hochschulen auf. Autonomie der Hochschulen, Freiheit der Wissenschaft bedeuten Freiheit in Verantwortung vor der Gesellschaft. Staat und Gesellschaft können sich dennoch nicht aus der Verantwortung für die Hochschulen zurückziehen. Deswegen wird die GEW bei der Evaluation des Thüringer Hochschulgesetzes darauf drängen, dass das Bildungsministerium mit der anstehenden Gesetzesnovelle die Chance zu einer Redemokratisierung der Hochschulen nutzt, nachdem in jahrelanger CDU-Alleinherrschaft versucht wurde, die Hochschulen in unternehmerisch geführte Einrichtungen umzugestalten. Dabei wurden demokratische akademische Mitbestimmung und Mitwirkung immer weiter deformiert. „Wider die unternehmerische Hochschule – Qualität durch Partizipation“, lautete daher das Plädoyer von Dr. Andreas Keller, Leiter des Vorstandsbereichs Hochschule und Forschung im Bundesvorstand der GEW.
Auch diskutiert wurden die notwendigen Reformen des Bologna-Prozesses. Dieser war durch den von der GEW unterstützten Bildungsstreik im letzten Jahr wieder stärker ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit getreten. „Die Bologna-Reformen kosten – richtig verstanden – viel Geld“, so Thomas Hoffmann, Referatsleiter Hochschule und Forschung der GEW Thüringen, „denn die gestuften und modularisierten Studiengänge erfordern eine intensivere Betreuung und Beratung der Studierenden.“ Die GEW fordert daher von der Landesregierung, den Hochschulen deutlich mehr Mittel für Personal zur Verfügung zu stellen und beschrieb zugleich ihre Vorstellungen einer zukunftsorientierten Personalstruktur.
Als „Erfolg des Augenblicks“ wertete die Bildungsgewerkschaft, dass sie den Wissenschaftsstaatssekretär offenbar davon überzeugen konnte, zum Thüringer Hochschulgipfel am 10. Februar 2010 auch die Studierendenräte und Personalräte einzuladen.
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