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Ihre GEWerkschaft GEW - die Mitmachgewerkschaft Berichte über GEW-Veranstaltungen Nordthüringer Bildungstag 2007 | ||||||
| Nordthüringer Bildungstag 2007 | ||||||
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Fazit des 2. Nordthüringer Bildungstages der GEW am 01.12.2007 in Nordhausen | ||||||||||||||||||||||||||||
| 1. Überblick | |||||||||||||||||||||||||||||
| Nach fast einem Jahr Vorbereitung mit intensiver Werbung in den Landkreisen, zu einem nicht optimalen Termin und trotz kurzfristig nötiger Improvisation fand ein sehr diskussionsfreudiger Tag ein gemeinsames „offenes“ Ende. Bereits am Vorabend fanden die beiden Lesungen zum Buch „Ich schäme mich ja so!“ Die Sonderschule für Lernbehinderte als „Schonraumfalle“ von Dr.Brigitte Schumann aus NRW mit ca. 50 Teilnehmern statt. Sie stellte ihre kritische Doktorarbeit zum Thema Förderschulen für Lernbehinderte vor, die nicht nur in ihrem Bundesland Gegner und Befürworter hat. Mit vielen Original-Schülerzitaten belegte sie eindringlich ihre These der „Schonraumfalle“. Auch wenn in den westlichen Bundesländern, im Gegensatz zu Thüringen, viele Migrantenkinder die Förderschule besuchen, kann auch bei uns das Problem der Ausgrenzung nicht einfach verdrängt werden. Am Samstag war das Interesse am Eröffnungsvortrag von Prof. Ada Sasse (siehe Anhang) mit fast 100 Zuhörern groß. Die Förderschul- und Grundschullehrer/innen bildeten die größte Gruppe. Im Vergleich wenige Erzieher/innen aus Kindergärten, Regelschullehrer und Eltern fühlten sich von den Themen angesprochen. 22 Teilnehmer/innen waren GEW- Mitglieder und leider nur 8 aus den anderen Nordthüringer Landkreisen. Das Theaterprojekt von Gymnasiasten und Förderschülern am Anfang zeigte, wie man mit- und voneinander „gemeinsam“ lernen kann. Auf Grund terminlicher Probleme musste Prof. Ada Sasse ihre AG zum Bildungsplan kurzfristig absagen und schloss deshalb eine kleine Diskussionsrunde an ihren Vortrag zum „Gemeinsamen Lernen in Thüringen“ an. Hauptschwerepunkt des Vortrags war die Situation in Thüringen und die zukünftigen angedachten Veränderungen im Bereich der Förderschulentwicklung. Die Diskussion verlief sehr kontrovers und hinterließ bei beiden Seiten ungeklärte Fragen. Besonders die Kollegen der Förderschulen fühlen sich auf dem vom Kultus eingeschlagenen Weg nicht „mitgenommen“. Es ging dabei nicht um das fachlich unstrittige „Warum“, denn für alle bleibt Integration der richtige Weg. Aber „Wie“ es bisher umgesetzt wurde und welche Fragen, trotz „viel gepriesener“ Gesetze und offizieller Veranstaltungen des Kultus im Vorfeld nicht beantwortet werden, dass ist thüringenweit ein Problem! In den (leider) nur noch verbliebenen 4 AG-Angeboten stellte Bodo Ramelow (Die Linke. Thüringen) seinen „steinigen“ Weg von fast zu später Legastheniediagnose über schriftfreies Abitur bis zum Spitzenpolitiker zur Diskussion. Alle Teilnehmer plädierten für eine frühe Diagnose und Förderung, sowie einen kostenfreien Kindergartenbesuch. Bodo Ramelow verwies auf die Einklagbarkeit der Rechte bei LRS und machte konkrete Vorschläge zu Rahmenbedingungen für „Gemeinsames Lernen“. Dr. Brigitte Schumann (NRW)sprach in ihrer AG, v.a. mit Förderschulkollegen, über Integration ohne Verweisung auf Förderschulen. Sie erfuhr Zustimmung in der Sache, aber auch wieder den Hinweis auf die nötigen Bedingungen. Ähnlich wie Minister Goebel in seiner Rede vor allen Förderschuldirektoren am 13.11.07 (Pressemitteilung vom 14.11.07) plädieren sie aber für den Erhalt der Schulart. In NRW wird die Förderschule ebenfalls zum Kompetenzzentrum entwickelt. Bundesweit bewegen sich alle Kultusministerien, mehr oder weniger intensiv, in diese Richtung. Auch die AG der Thüringer Juristin Ulrike Gelhausen - Kolbeck zu aktuellen Rechtsfragen der Integration fand Interessenten. Hier ging es nicht nur um trockene Theorie, als „kampferfahrene“ Mutter eines Kindes mit Down –Syndrom in der nun 5. Kl. einer integrativen Ganztagsschule konnte sie ihre Erfahrungen weitergeben. Viele Grundschullehrer schauten sich den Film „Klassenleben“ gemeinsam an. Dort wird Integration sehr intensiv gelebt. Besonders ältere Kolleg/innen können sich diese Form der Arbeit in naher Zukunft unter den derzeitigen Personal- und Raumbedingungen nicht vorstellen. In der Pause nahmen alle an einer „anonymen“ Umfrage zum „Längeren gemeinsamen Lernen“ teil. Im Karton „Lernen von Kl. 1-8“ landeten die meisten Bälle vom Ergotherapieinfostand. Nur 4 Teilnehmer wollen alles so lassen, wie es ist. Das ist eine eindeutige Kritik am derzeitigen dreigliedrigen Schulsystem mit Trennung ab Kl.4! Diese Umfrage sollten wir auf allen nächsten Veranstaltungen unbedingt wiederholen! Nicht nur weil das Wahljahr 2009 seine Schatten wirft, sondern weil das genau den GEW-Forderungen entspricht. | |||||||||||||||||||||||||||||
| 2. Einblick (in die Schlussrunde) | |||||||||||||||||||||||||||||
| Dass weniger manchmal mehr ist, bewies die von Jörg Lorenz (wie immer gekonnt) moderierte Abschlussrunde. Die bis zum Nachmittag durchhielten, kamen nicht nur alle mit ihrem Eindruck vom Tag zu Wort, sondern konnten auch die Hoffnung auf „Mehr“ mitnehmen. Bodo Ramelow hob die Verantwortung der Gesellschaft und Politik für Bildung als Rahmengeber hervor. Dafür braucht es Geld und Personal! Die überschuldeten Landkreise können das nicht tragen, hier ist auch der Bund gefragt. Deutschland kann sich nicht mit einem Spitzenplatz für Investitionen in die Zukunft rühmen. Spezialisten, wie z.B. Logopäden, müssen an die Schulen. Der Moderator brachte die Einbeziehung der Kinder in Entscheidungen über ihre Förderung ins Gespräch. Brigitte Schumann mahnte an, dass Gemeinsames Lernen nicht als Alibi für Einsparungen missbraucht werden darf. Sie spürte in ihrer AG, wie schwierig die rigorose Frage: Förderschule ja/nein nicht nur für Kollegen ist. Wiederholt wurde die Frage der sozialen Integration und Ablehnung „armer“ Familien gerade in diesem Zusammenhang kritisch von Teilnehmern angesprochen. Eine erfolgreiche Förderung mit derzeit i.R. 1h Stunde pro Woche durch Förderschulkollegen ist unmöglich. Integration muss in die Köpfe der Lehrer/innen aller Schularten, so sieht es eine Integrationshelferin. Die Kolleg/innen der Finneck-Stiftung Sömmerda/Rastenberg suchen eine Plattform, um sich auszutauschen. Sie sehen Reserven in der Aufklärung der Eltern über ihre gesetzlichen Möglichkeiten! Eine Mutter fühlte sich und ihr Kind mit seinen Problemen nicht von den Grundschuleltern angenommen. Die besonderen Fördermöglichkeiten einer schulvorbereitenden Einrichtung hob eine andere Kollegin hervor. Sie kritisierte die innerdeutschen „Grenzen“ im Schulwesen, sowie die fehlende Anerkennung der Abschlüsse. Zum mangelnden Interesse der Gymnasiallehrer (nur 2) am Thema bemerkte eine Mutter, dass man wohl erst persönlich betroffen sein muss, um umzudenken. Ulrike Gehlhausen-Kolbeck wies auf die wichtige Rolle der Eltern hin. Sie können Integration voranbringen und müssen ihre Rechte kennen. Eine Beratung zur Wahl der Schulart hat laut Thüringer Gleichstellungsgesetz „Schulart neutral“ zu erfolgen. Zum Schluss fasste der GEW-Vorsitzende Jürgen Röhrreich den Bildungstag zusammen. Er griff den Vorschlag einer Plattform zum „Gemeinsamen Lernen“ dankbar auf. Unbedingt müssen die Landeselternvertretungen (von Kita bis Berufsschule) einbezogen werden. Das sich Kinder an Förderschulen wohl fühlen stellte er nicht in Frage. Das sie sich nicht in allen Schulen wohl fühlen, ist das Problem! Das Land Thüringen will, das die Förderschülerzahlen endlich deutlich sinken. Im Haushaltsplan 2008/2009 steht nur der weitere Abbau von 3600 Stellen (davon 1900 im Hort). Wie passt das zusammen? Zur GEW Forderung „Länger Gemeinsam Lernen“ sagte Jürgen Röhreich:„ In Europa gibt es 17 Länder mit Trennung ab Kl.4, 16 davon liegen in Deutschland!“ | |||||||||||||||||||||||||||||
| 3. Ausblick | |||||||||||||||||||||||||||||
| Diese Veranstaltung brach schon in der Vorbereitungsphase in allen Schularten „Wunden“ auf. Sie spiegelte die Unsicherheit unter den Kollegen und das ungenügende Miteinander wider. Als Ursache geriet nicht eine mangelnde Gewerkschaftsarbeit, sondern die bisherige Bildungspolitik des Landes in den Fokus. Viele fühlen sich allein gelassen mit immer neuen Projekten und Forderungen. Mit immer weniger Stundenzuweisungen und Kraft sollen sie immer mehr schaffen. Die anfängliche Aufbruchstimmung nach der Wende ist weg. Und obwohl das Thüringer Schulgesetz fortschrittlich ist, die Wissenschaftler den richtigen Weg zeigen und die erste Gruppe der Berater für „Gemeinsamen Unterricht“ sich müht, ist der Integrationsgedanke noch nicht in allen Köpfen angekommen. Das kritisierte Staatssekretär Eberhardt in der folgenden Dezemberwoche zu Recht. Aber solange die Schularten getrennt vom Kultus eingeladen werden und die Forderungen der Kollegen zwar erfragt, aber schon im Vorfeld auf nur nichtfinanzielle Dinge eingeschränkt sind, geben wir den „Ball“ zurück! In den beiden letzten und folgenden Ausgaben der GEW-Zeitschriften Erziehung und Wissenschaft und TZ stehen bereits Artikel zum Thema „Integration zwischen Theorie und Praxis“ (siehe Internet- Links). Ohne eine thüringenweite Plattform zum Austausch, einer intensiven Pflichtfortbildung aller Schularten und der verpflichtenden Einbindung in die Lehrerausbildung wird das so wichtige Thema in der Diskussion zerrieben. So lange kaum eine junge Lehrerin oder Lehrer eingestellt wird, verhaltene Einzelkritik irgendwo versandet und es immer nur um die kostengünstigste Variante geht, wird sich in Thüringen nicht viel in unserem Sinn tun! Also dranbleiben! Elke Falley KV Nordhausen Hinweise und Fragen an:
Anhänge:
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| Literatur | |||||||||||||||||||||||||||||
Index für Inklusion (dt.Übersetzung von „Index for Inclusion – developing learning, participation and play in early years and childcare“, Tony Booth, Mel Ainscow und Denise Kingston) Publikation für Kita`s (nur über GEW bestellbar) | |||||||||||||||||||||||||||||