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Integration zwischen Theorie und Praxis - GEW-Bildungskonferenz in Gera 2009

Seitenabschnitte:
Vortrag Fred Ziebarth
Erfahrungsberichte
Gemeinsamer Unterricht aus gymnasialer Sicht


Thüringen hat gute theoretische Voraussetzungen für die Gestaltung des gemeinsamen Unterrichts, an die jedoch höchst diferenziert herangegangen wird! Der Spannungsbogen reicht vom Einsatz so genannter „Flüsterpädagogen“ bis zur gelungenen Integration von behinderten Schülern in die Klassen einzelner Schularten.

Dieses Fazit lässt sich nach der GEW-Bildungskonferenz vom 18. März 2009 in Gera ziehen. Das Interesse für die Bildungsveranstaltung war sehr hoch: Mehr als 150 Türinger Pädagogen hatten sich angemeldet. Auch Vertreter der Schulämter und des Kultusministeriums sowie des TILLMs folgten den Ausführungen der Referenten.
Der GEW-Kreisvorstand Gera hatte für ein angenehmes Ambiente im Zabel-Gymnasium und für abwechslungsreiche Verpfegung gesorgt.


Podium


Chef-Organisatorin Petra Rechenbach war es gelungen, Fred Ziebarth von der Fläming-Grundschule in Berlin als Hauptredner zu gewinnen. Die Flämingschule praktiziert seit 35 Jahren gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern und hat sich gegen viele Widerstände erfolgreich durchgesetzt. Von diesen Erfahrungen berichtete Fred Ziebarth mit sehr anschaulichen Beispielen.

„Eine Schule für alle – wie muss sie gestaltet, organisiert und geführt werden?“ Diese Frage hatten sich die Kollegen aus Berlin zu Beginn ihres Vorhabens gestellt. Aus dem Wunsch nach homogenen Klassen entwickelten sie die Frage: „Wie muss ein Kind sein, dass es an dieser Schule unterrichtet werden darf?“. Das führte wieder zum Aussortieren, die Kollegen wollten aber gemeinsamen Unterricht. So kamen sie zu dieser Frage: „Wie müssen wir Schule machen, dass hier jedes Kind sein kann?“.Das Schulsystem muss sich den Kindern anpassen – diese Überlegung bedeutet in der Endkonsequenz nicht nur die Abschafung jeglicher Aussortierformen, sondern auch eine neue Herangehensweise an die Kinder, an das Abholen vom jeweiligen Entwicklungsstand. Dazu müssen die Pädagogen einen weiten Weg gehen, gewohnte Arbeitsweisen weiter entwickeln, neue dazu lernen.

Hier stehen die Türinger Schulen ziemlich am Anfang und probieren aus, was möglich ist. Die von den Förderzentren an die Schulen verteilten Spezialisten sollten in die Arbeit, in das Konzept der jeweiligen Schulen eingebunden werden. Das ist ofensichtlich leichter gesagt, als getan, wie einige Kolleginnen in ihren Erfahrungsberichten darlegten. Neben guten Beispielen aus Erfurt und Gera gab es auch weniger gute aus anderen Kreisen, sowohl aus den Schulen selbst als auch aus den Qualitätsagenturen (Schulämter).


Vortrag Fred Ziebarth

Website der Fläming-Grundschule

"Klassenleben"
Von Winter bis Sommer 2004 begleitete Hubertus Siegert mit seinem Filmteam die Klasse 5d der Berliner Fläming-Grundschule.


 Inklusion_Vortrag_Gera_Fred_Ziebarth.pdf
 Inklusion oder „Was braucht eine Schule für alle?“
Dargestellt am Beispiel der Fläming-Grundschule in Berlin
(pdf-Datei, 50 kB)



Folie 1Folie 2Folie 3Folie 4
Folie 5Folie 6


Fred Ziebarth


Erfahrungsberichte

 Erfahrungsbericht_Susann_Voigt.pdf
 Erfahrungsbericht zum Modellprojekt "Förderschule ohne eigene Klassen"
von Susann Voigt
(pdf-Datei, 11 kB)






 Erfahrungsbericht_Katrin_Holzberger.pdf
 Ein Erfahrungsbericht über Integration an der Integrierten Gesamtschule in Erfurt
von Katrin Holzberger
(pdf-Datei, 13 kB)






 Erfahrungsbericht_Christine_Raddau.pdf
 Meine Erfahrungen und Erlebnisse im gem. Unterricht - Lehrer im Außendienst
von Christine Raddau
(pdf-Datei, 17 kB)



Susann Voigt


Katrin Holzberger


Christine Raddau


Gemeinsamer Unterricht aus gymnasialer Sicht

Reminizens von Marlies Jung, Leiterin des Referats Schule


Leider war ich ein Exot zum Bildungskongress am 18.03.2009 in Erfurt, denn ich bin Lehrerin an einem Gymnasium. Trotzdem beschäftigt mich das Thema Gemeinsamer Unterricht seit langem und die Veranstaltung hat mich nicht
enttäuscht.
Besonders beeindruckt war ich vom Bericht von Herrn Ziebarth von der Flämingschule. Er bestätigte, was allen, außer dem Kultusministerium Türingens schon lange klar ist: Die Umstellung auf Integration oder gar der Aufbau eines inklusiven Bildungssystems braucht seine Zeit und kann nur mit den Kolleginnen und Kollegen gelingen.
Gibt man den Leuten vor Ort nicht den nötigen zeitlichen, personellen und sächlichen Spielraum, dann passiert, was
in Dreitzsch/Neustadt/Ranis passiert ist: Es ergeben sich viele Probleme. Diese können jedoch behoben werden, wenn darüber gesprochen wird und werden darf.

In Erprobungsphasen muss das Für und Wider abgewogen werden, muss Kritik und Methodenwechsel erlaubt sein,
muss nachgebessert werden dürfen. Kritik muss ohne Furcht vor Repressionen geäußert werden dürfen und Kritik muss auch ausgehalten werden, ohne dass der Sachverhalt als „Einzelfall“ abqualifziert wird. So geschehen im Fall des Erfahrungsberichtes der Kollegin Voigt aus Neustadt.

Deren geschilderte Probleme waren unter anderem auch Gegenstand der anschließenden Podiumsdiskussion und
wurden von Kollegin Hitzig bestätigt, an deren Schule der Übergang wesentlich sanfter gestaltet worden war. Aber da waren dann leider nur noch sehr wenige Schulamtsmitarbeiter und Fachberaterinnen anwesend. Schade. So wird man der Aufgabe des Begleitens und Beförderns dieses Prozesses nicht gerecht.

Mir wurde ein weiteres Mal bestätigt: Wir müssen einfach mehr miteinander reden und die Ängste aller Beteiligten
müssen ernst genommen werden. Der gemeinsame Unterricht darf nicht zum Dogma erhoben werden, sondern
es muss vom Kind her entschieden werden. Kinder, Eltern und Lehrer müssen gemeinsam das Beste für das jeweilige Kind erreichen.

Eine Frage blieb aber doch unausgesprochen. Wenn wir in Türingen Kinder mit Förderbedarf in alle Schularten
integrieren können und dort lernzieldiferenziert unterrichten, wozu brauchen wir dann noch ein gegliedertes
Schulsystem?


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