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Pfad zur Seite:Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Landesverband Thüringen - Aktuelles - Neues - 18.05.2010 Gemeinschaftsschule oder Oberschule?

18.05.2010 Gemeinschaftsschule oder Oberschule?

CDU stellt schulpolitische Positionen vor und die Koalition in Frage
Reaktion der GEW Thüringen auf die Verkündung der Bildungspolitischen Vorhaben der Thüringer CDU

 GEW-Reaktion_auf_CDU-Oberschule.pdf
 Nebenstehender Artikel zum Download
(pdf-Datei, 91 kB)



Die Thüringer CDU hat gestern ihre schulpolitischen Ziele für diese Legislaturperiode öffentlich vorgestellt. Der Fraktionsvorsitzende Mike Mohring stellt das Konzept der Thüringer Oberschule bewusst gegen die im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vereinbarte Thüringer Gemeinschaftsschule. Laut CDU bleibt es bei der Trennung der Schülerinnen und Schüler nach der 4. Klasse und die Regelschule wird durch eine gymnasiale Oberstufe aufgepeppt. Sonst enthält das vorgestellte Papier keine neuen Vorschläge. Eltern, Schülern und Pädagogen sind verunsichert, die Einführung der Gemeinschaftsschule wird behindert, aber genau das ist wohl beabsichtigt.








Nur durch den Koalitionsvertrag ist die CDU noch Regierungspartei, wie steht es aber mit der Treue zu diesem Vertrag? Seit gestern ist klar, dass zumindest Teile der CDU Fraktion im Thüringer Landtag nicht die Absicht haben, den von ihnen unterschriebenen Koalitionsvertrag einzuhalten. Warum sonst stellt der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring das Modell der „Oberschule“ gegen die im Koalitionsvertrag vereinbarte Einführung der „Thüringer Gemeinschaftsschule“?

Die CDU hat am Montag, den 17. Mai 2010 die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe zum Thema Bildung vorgestellt. Unter dem Titel „Thüringer Schule – auf gutem Weg“ wurde ein Papier präsentiert, dass insgesamt viele alt bekannte Parolen und Allgemeinplätze enthält. Neu dagegen ist, dass die CDU aus den Regelschulen nun wieder Oberschulen machen will. Als die GEW Thüringen 2002 ihr Bildungspolitisches Programm, in dessen Mittelpunkt die „Polytechnische Regelschule“ steht, vorgestellt hat, haben uns dieselben Personen, die gestern die Geburt der Oberschule in Thüringen verkündet haben, noch als „DDR-Nostalgiker“ und „Rückwärtsgewandte“ beschimpft. Für diese Kritik reichte ihnen die Benutzung des Begriff „Polytechnische Regelschule“, denn mit den Inhalten unseres Programms haben sie sich nicht auseinandergesetzt. Nun nutzen sie (wieder) den Begriff Oberschule, da kommt das „Polytechnische“ bestimmt noch hinzu.
Kernstück ihrer sog. Reform ist das Andocken einer gymnasialen Oberstufe an die Regelschule, in der man dann nach 13 Jahren das Abitur erwerben kann. Das ist aktuell auch so, man muss nur nach dem Erwerb des Regelschulabschlusses zum Gymnasium wechseln. Das Modell der Oberschule ist offenbar der Versuch, die Gemeinschaftsschule zu unterlaufen und gleichzeitig die Gymnasien zu beruhigen. Selbstverständlich bleibt es bei der Trennung der Kinder nach der 4.Klasse und damit auch bei den von Bildungstheorie und –praxis längst erwiesenen Folgen. Die Gemeinschaftsschule geht dagegen vom gemeinsamen Lernen bis Klasse 8 aus.

Beachtenswert sind auch die Ausführungen und Erkenntnisse zum Gemeinsamen Unterricht. Offenbar ist Mike Mohring und Volker Emde entgangen, dass es das CDU-geführte Kultusministerium war, das den Gemeinsamen Unterricht eingeführt hat, ohne die notwendigen personellen und materiellen Voraussetzungen zu schaffen. Ganz zu schweigen von der mangelnden Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort.


Gemeinschaftsschule - Umfrage bestätigt scheinbar die Skepsis der CDU


Zeitgleich mit ihrem Schul- und Bildungskonzept hat die CDU das Ergebnis ihrer Online-Umfrage präsentiert. Diese tendenziöse Umfrage zum Thema Gemeinschaftsschule läuft seit einigen Wochen. Die CDU titelt am 18. Mai 2010 auf ihrer Homepage, dass die Umfrage ein „Klares Ergebnis zum Thema Gemeinschaftsschule“ ergibt.
Die Frage, die es mit Ja oder Nein zu beantworten galt, lautete: Sind Sie auch dann für die Einführung von Gemeinschaftsschulen, wenn deswegen Gymnasien ersetzt oder geschlossen werden müssten?
 
Stolz wird das angeblich eindeutige Ergebnis - es wurden insgesamt gerade mal 538 Stimmen abgegeben - präsentiert:





Nach der Interpretation der CDU sind damit rund 72 % der Bevölkerung dagegen, eine Gemeinschaftsschule zu eröffnen, wenn dafür ein Gymnasium geschlossen wird. Beim Betrachten der Zahlen zeigt sich zwar, dass von 538 Menschen 387 gegen die Schließung eines Gymnasiums zugunsten der Gründung einer Gemeinschaftsschule gestimmt haben, daraus ein eindeutiges Votum gegen die Gemeinschaftsschule zu machen, ist allerdings schon sehr gewagt. Zum einen ist die Befragung nicht repräsentativ, zum anderen durch die tendenziöse Fragestellung ohnehin fragwürdig.
Nebenbei bemerkt, das Konzept der Gemeinschaftsschule sieht dies, also die Schließung eines Gymnasiums zugunsten der Gemeinschaftsschule, gar nicht vor.

Um Stimmung gegen die Gemeinschaftsschule zu erzeugen und damit auch das Klima der Koalition und deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit mies zu machen, ist Teilen der CDU-Fraktion offenbar jedes Mittel recht.






Aber bilden Sie sich selbst Ihre Meinung. Mehr zum Schul- und Bildungskonzept der CDU-
Thüringen finden Sie hier: http://cdu-landtag.de/4_56_Service_Downloads.html



Jürgen Röhreich
GEW Thüringen
Landesvorsitzender




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