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Bericht von der GEW-Bildungskonferenz am 03.09.2011

Bericht von der GEW-Bildungskonferenz am 03.09.2011





 Vortrag_Wolf_03092011.swf
 Vortrag Torsten Wolf
(SWF-Datei, 494 kB)



„Ganztägig bilden in der Verantwortung aller Pädagogen an der Grundschule“


Zur Bildungskonferenz am 3. September 2011 im Weimarer "mon ami" hatte die GEW Thüringen eingeladen, um über die Zukunft der Thüringer Grundschulhorte zu diskutieren.

Bereits im Vorfeld war die Diskussion in die Gänge gekommen, nachdem das Bildungsministerium angekündigt hatte, der Erfolg des Modellprojektes zur Weiterentwicklung der Thüringer Grundschulen spreche dafür, die Kommunalisierung des letzten Drittels der Grundschulhorte zu forcieren. Dass dies den Widerstand der Beschäftigten und der GEW auslösen würde, war sicher.

Der Thüringer GEW-Vorsitzende Torsten Wolf eröffnete die Konferenz mit den Ergebnissen der GEW-Onlinebefragung. Ihr zufolge votierten über 80 Prozent der Befragten für den Verbleib des Hortes in der Landesverantwortung.
Gleichermaßen, ob kommunalisieret oder nicht, wird der Schulvormittag von Erzieherinnen und Erzieher mitgestaltet. Diese Ergebnisse zeigen, dass die pädagogische Einheit von Grundschule und Hort in der Praxis funktioniert.






Norbert Hocke vom Hauptvorstand der GEW sprach sich für ein Konzept der verlässlichen Ganztagsschule aus, in dem Bildung, Erziehung und Betreuung als gemeinsame Aufgabe verstanden werden müssten. Auch sagte er, dass die Verantwortung für diese elementaren Bildungsbereich in einer Hand liegen muss, vorzugsweise der des Landes.




Katrin Osterloh und Petra Rechenbach, beide verantwortlich für das Referat Frühkindliche Bildung und Sozialpädagogik bei der GEW Thüringen, erinnerten an den langandauernden Kampf um den Erhalt der Horte an den Grundschulen, erinnerten auch an die Positionen der SPD, die heute den Bildungsminister stellt. Noch 2008 hatte die SPD die Hortkommunalisierung vehement abgelehnt. In den Mittelpunkt stellten die beiden schließlich die Position der GEW Thüringen, die sich in vier Forderungen ausdrückt:

- Beschäftigungsbedingungen verbessern
- Personelle Kontinuität sicherstellen
- Ganztägige Bildung in Verantwortung aller Pädagog/innen stärken
- Pädagogische und personelle Einheit der Grundschulen und Ganztagsschulen in Landeshoheit.




„Was nicht umstritten ist, ist auch nicht sonderlich interessant.“. Mit diesem Zitat eröffnete Bildungsminister Christoph Matschie seinen Beitrag auf der GEW-Bildungskonferenz. Er versprach den 181 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass sein Ministerium keine Sparentscheidung treffen würde. Voraussetzung für die Kommunalisierung wären der Erhalt der pädagogischen Einheit von Grundschule und Hort, das Nichtzulassen der Schlechterstellung von Erzieherinnen und Erziehern sowie die dauerhafte Finanzierung der Horte durch zweckgebundene Zuweisung. Anderenfalls sei eine Kommunalisierung mit seinem Ministerium nicht zu machen.




Im Anschluss machte Peter Häusler, stellvertretender Vorsitzender des Thüringer Landeselternverbandes Kindertagesstätten, deutlich, welche Folgen eine fehlerhafte Finanzierungszusage haben kann. Die Fehler bei der Finanzierung des Kindertagesstättengesetzes müssten in jedem Fall vermieden werden. Er stellte außerdem die gemeinsame Erklärung „Die Zukunft der Thüringer Grundschulen und Grundschulhorte sichern!“ vor, die neben der GEW Thüringen, der Landeselternvertretung Thüringen und dem Thüringer Landeselternverband Kindertagesstätten, thüringer lehrerverband, der Landeschülervertretung, dem Trägerkreis für eine bessere Familienpolitik auch von den Parteien Die LINKEN, Bündnis 90/Die Grünen sowie der Thüringer Piratenpartei mitgetragen wird.




Im Mittelpunkt der Erklärung stehen folgende 6 Forderungen für gesetzliche Regelungen für jede Weiterentwicklung der Grundschulhorte:


  1. Die Horte müssen dauerhaft finanziell so ausgestattet sein, dass sie die u.g. Aufgaben ausreichend und nachvollziehbar erfüllen können.
  2. Der Grundschulhort muss weiterhin zwingend als Teil der Bildungseinrichtung Grundschule definiert werden, mit der er eine organisatorische und pädagogische Einheit bildet.
  3. Der Thüringer Bildungsplan muss in überzeugender Weise in allen Thüringer Grundschulen und deren Horten implementiert werden. Schule und Hort müssen verpflichtet werden, ein gemeinsames pädagogisches Gesamtkonzept vorzulegen und zu veröffentlichen.
  4. An den Grundschulhorten muss ein Fachkräftegebot analog zu § 14 Absatz 1 ThürKitaG gelten. Zudem ist ein Fortbildungsgebot für Lehrerinnen, Lehrer, Horterzieherinnen und Horterzieher gleichermaßen gesetzlich festzulegen.
  5. Das Betreuungsverhältnis (Hortbetreuer/in zu Kinder) muss mit einem verbindlichen Betreuungsschlüssel von höchstens 1:20 festgelegt werden. Zusätzlich sind Horterzieher/innen zur Ausgestaltung ihres Bildungsauftrages 10% der Arbeitszeit als Verfügungszeit für Vor -und Nachbereitung, Fortbildung und Elterngespräche einzuräumen. Ausfallzeiten durch Urlaub und Krankheit sind bei der Personalbemessung angemessen zu berücksichtigen.
  6. Um den Grundschulhort als Arbeitsplatz wieder attraktiv zu machen, muss der Beschäftigungsumfang in der Regel einen vollen Arbeitstag umfassen. Nur dies ermöglicht die konsequente Umsetzung von Inklusion und Rhythmisierung im Unterricht und bei außerunterrichtlichen Angeboten.





 Gemeinsame_Erklarung_des_Bundnisses__030911.pdf
 Die Zukunft der Thüringer Grundschulen und Grundschulhorte sichern!
(pdf-Datei, 818 kB)



 Unterschriftenliste_Hort.pdf
 Unterschriftenliste zum Download



Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit der Frage „ Wie weiter nach 2012?“. Das gut besetzte Podium, mit Minister Matschie, Norbert Hocke , Frank Roßner, Landrat des Saale-Orla-Kreises, Katrin Osterloh, Peter Häußler und Roul Rommeiß, Landeselternsprecher, trug gemeinsam mit den Beiträgen aus dem Publikum die wichtigsten offenen Fragen an das Ministerium heran. Im Mittelpunkt standen neben der Finanzierung auch Fragen nach der Personalhoheit und der Alterssicherung der Landesbedienstenden Erzieherinnen und Erzieher . Bildungsminister Matschie dankte den Erzieherinnen und Erziehern für ihr Engagement, warb aber auch dafür, die Erfolge des Modellprojektes anzunehmen und sich den neuen Herausforderungen zu stellen.




Viele Beiträge aus dem Publikum offenbarten die Sorgen der Beschäftigten, zeigten aber auch Stolz auf das Erreichte. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich gegen die Hortkommunalisierung aus. Das stimmt den Minister nachdenklich und er bekräftigte nochmals seine Prämissen.




Die begonnene Debatte muss jetzt in den Grundschulhorten gemeinsam mit ErzieherInnen, LehrerInnen, SchulleiterInnen fortgeführt werden. Ergebnisoffen, so nach dem Willen der GEW Thüringen, aber auch nach Aussage des Ministers.

In den Kreisvorständen der GEW Thüringen sind dazu weitere Gesprächsrunden geplant.




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